Die NX200 ist der Nachfolger der NX100, Samsungs erster, kompakter Systemkamera und tritt damit in einem Markt gegen Neuerscheinungen wie der 1er Serie von Nikon, Sonys NEX Reihe oder Panasonics Lumix G Serie an. Wer keine Lust hat die folgende Rezension in Gänze zu lesen dem sei vorne weg gesagt: Samsung hat seine Hausaufgaben gemacht, viele Kritikpunkte der NX100 korrigiert und liefert eine überzeugende Kamera ab.
Lieferung und Verarbeitung:
Bestimmte bei der NX100 vornehmlich noch Plastik das Gehäuse, so bestimmt nun Metall das Erscheinungsbild der Kamera. Ähnlich wie bei der Nikon J1 ist ein Großteil des Gehäuses aus Metall gefertigt und vermittelt daher einen sehr hochwertigen Eindruck. Spaltmaße und Haptik des Gehäuses kommen fast an die sehr gute Verarbeitungsqualität der Nikon J1 heran. Alle Tasten am Gehäuse bieten so gut wie kein Spiel und haben einen guten Druckpunkt, was auch der Bedienbarkeit der Kamera zu Gute kommt. Mitgeliefert wird der Kamera ein Aufsteckblitz mit Leitzahl 8, der auf dem Blitzschuh montiert wird. Erfreulich, dass Samsung hier anders als Sony bei seiner NEX Serie auf eine proprietäre Aufnahme verzichtet hat. Das mitgelieferte 18-55mm Objektiv kommt Käufern, die schon mal die NX5 oder NX10 in der Hand hatten sicherlich bekannt vor. Es wurde um die i-Function erweitert, die ich später unter Bedienung noch einmal genau vorstelle. Das Objektiv selbst ist fast vollständig aus Kunststoff gefertigt und kommt nicht ganz an den hohen Materialstandart des Gehäuses heran. Die NEX Kit Objektive bestehen im Inneren zwar auch aus Kunststoff, verstecken dieses jedoch unter einem Metallgehäuse, was einen wesentlich besseren Eindruck hinterlässt. Auch bietet der i-Function Button ein wenig Spiel und der Zoom lässt sich nicht so flüssig und leichtgängig bedienen wie bei Sony oder Nikon. Erfahrungsgemäß bessert sich dieses Verhalten jedoch nach einiger Nutzung, der Zoom wird dann leichtgängiger. Im Gegensatz zum Nikon J1 Kit Objektiv bietet das Samsung 18-55er einen Fokusring zum manuellen Fokussieren und Einstellen der i-Function Parameter. Dieser wiederum ist für meinen Geschmack ein wenig zu leichtgängig, was in der anfänglichen Nutzung ein wenig Umgewöhnung erfordert. Das Sony NEX 18-55er gefiel mir hier besser.
Weiterhin befindet sich im Lieferumfang noch ein Trageriemen, das Handbuch auf CD, eine Quick-Start Anleitung, sowie eine Raw Software, die einen Preisvorteil von 99 EUR bieten soll.
Die technische Ausstattung der Kamera steht in der Produktbeschreibung und wird hier nicht wiederholt. Samsung bietet hier eine vollständig ausgestattete Kamera, die auf dem Stand der Zeit ist. Einzig beim Autofokussystem bietet Nikon mit der Kombination aus Phasen- und Kontrastautofokus noch ein wenig mehr. Die Kamera bietet keinen optischen Sucher, was ich in dieser Klasse nicht als Pflichtausstattung ansehe. Wer diesen benötigt, wird sich bis zum Erscheinen der NX20 gedulden müssen. Ein neigbares Display vermisst man schon eher (Ich habe das neigbare Display der NEX 3 zu schätzen gelernt), was jedoch durch das sehr gute und relativ Blickwinkel-unabhängige Display ein wenig wieder wett gemacht wird.
Größe:
Ein paar Worte zur Größe der Kamera, bevor es an die Bildqualität und Handhabung geht. Ich habe oben zwei Bilder hinzugefügt, die einen Größenvergleich der NX200 sowohl mit der Nikon J1 als auch mit der Sony NEX 3 geben. Man sieht, dass die Samsung aufgrund des wesentlich größeren Sensors, größere Optiken mit sich bringt, als Nikon dies tut. Im Vergleich mit Sonys NEX 3 (die ebenfalls einen APS-C Sensor besitzt) wird jedoch auch deutlich, dass die Abmessungen der Samsung nicht gerade kompakt sind. Jedoch nutzt Samsung die Fläche des Gehäuses sehr gut und bietet viele Knöpfe zum Zugriff auf Optionen, so dass dies der Handhabung zu Gute kommt. Hier muss jeder Käufer selber entscheiden, wie kompakt seine Systemkamera sein soll. Die Bildstabilisation ist bei der NX 200 wie bei Sonys NEX Reihe in die Objektive augelagert, was bei der Wahl des Objektivs berücksichtigt werden sollte.
Bildqualität:
Samsung verbaut in der NX200 erstmals den hauseigenen APS-C Sensor mit hohen 20 Megapixeln Auflösung. Die Wahl des großen Sensors empfinde ich als großen Vorteil in dieser Klasse und ist ein Herausstellungsmerkmal der NEX Reihe von Sony und Samsungs NX Serie. Andere Hersteller wählen kleinere Sensoren um kompaktere Abmessungen zu erzielen, was leider oft zu Lasten der Bildqualität in hohen ISO Bereichen geht und weniger Möglichkeiten bei der Variation der Tiefenschärfe bietet. Allerdings ist die Unterbringung von 20 Megapixeln bei der Sensorgröße schon ein wenig übertrieben (auch wenn sich der Hersteller eine große Detailgenauigkeit verspricht) und zeigt, dass die Megapixelzahl auch in diesem Segment ein Verkaufsargument zu sein schient (Die Sony NEX 7 soll mit einem 24 Megapixel Sensor erscheinen).
Erwartungsgemäß sind die Bilder im unteren ISO Bereich sehr gut. Die hohe Auflösung sorgt hier in der Tat für eine schöne Zeichnung auch sehr feiner Details und bietet bei der Betrachtung am Bildschirm sogar ein wenig mehr Detailtreue als die NEX 3 von Sony, mit deren Bildqualität ich bisher immer mehr als zufrieden war. Das Kit Objektiv der Samsung ist kein HighEnd Aufsatz, liefert jedoch eine ganz gute Bildqualität. Sowohl Randunschärfe und Verzeichnungen waren sichtbar, hielten sich jedoch im Rahmen, so dass sie in der täglichen Nutzung nicht störend wirken dürften. Mit einer hochwertigeren Optik ließe sich jedoch nich ein wenig mehr aus der Kamera heraus holen.
Sobald die ISO Zahl ansteigt, zeigt sich die hohe Pixelzahl und die damit verbundene geringe Pixelgröße als Nachteil. Das Bildrauschen tritt ab ISO 800 geringfügig auf, wird jedoch erst bei ISO 3200 so störend, dass die Grenze für Abzüge bei ISO 1600 gesucht werden muss. Samsung erlaubt die Konfiguration des Auto ISO Bereichs, so dass jeder Nutzer selber entscheiden kann, welches Limit er bei den ISO Werten akzeptiert. Im Vergleich mit der Konkurrenz ist das Rauschverhalten sichtbar besser als bei der Nikon J1, die Sensorgröße bringt hier den Vorteil. Im Vergleich mit der NEX 3 liegt bei höheren ISO Werten die Sony NEX 3 vorne, vermutlich da sie doch deutlich weniger Pixel auf der Sensorfläche unterbringen muss.
Wie oben beschrieben bringt der relativ große Sensor auch Vorteile bei der Komposition von Bildern. Die Tiefenunschärfe tritt ausgeprägt auf und lässt sich leichter einsetzen, als bei kleineren Sensoren.
Die Farbwiedergabe war für meinen Geschmack im Auslieferungszustand ein wenig zu kräftig gewählt, so dass teilweise die Farben unnatürlich wirkten. Dies ließ sich jedoch durch die verschiedenen (auch benutzerspezifischen) Farbprofile anpassen.
Im Video Modus zeigt die Kamera sehr gute Resultate. Es steht 1080p bei 30fps und 720p bei 60fps zur Auswahl und die Wiedergabegeschwindigkeit kann in mehreren Stufen variiert werden. Weiterhin lassen sich fast alle denkenswerten Parameter (ISO, Blende, etc.) für die Videoaufzeichnung anpassen und es tritt kein Shutter-Lag während schneller Schwenks auf, eine Manko der ersten Generation der NX Kameras. Einziges Manko war der wahrnehmbare Autofokusmotor in leisen Videopassagen auf der Tonspur. Hier scheinen die beiden Mikrofone nicht genug von den Geräuschen entkoppelt und ist ein generelles Problem interner Mikrofone. Die Kamera bietet im Videomodus auch Zeitraffer und Zeitlupenoptionen, bei denen jedoch nicht immer die volle Auflösung zur Verfügung steht.
Handhabung:
Dank der großen Auswölbung und der leicht gummierten Oberfläche an dieser Stelle liegt die Kamera sehr gut in der Hand. Das Gewicht ist durch die Auswölbung auch einhändig ohne Probleme zu halten. Alle Bedienelemente sind ergonomisch gut angebracht, einzig die Daumenauflage an der Rückseite der Kamera könnte noch ein wenig griffiger sein. Das Gewicht der Kamera ist recht gut ausbalanciert, so dass zumindest mit dem Standard Zoom Objektiv die Kamera sehr gut halten kann. Die NEX 3 ist hier Objektivlastiger.
Bedienung:
Die große Stärke von Samsung. Nachdem ich bereits im Kompaktkamerabereich mit der WB 2000 Samsung Konfigurationsoptionen kennen lernen durfte und recht angetan war, so war die Erwartung an die Bedienbarkeit der NX200 groß. Generell kann man sagen, die NX200 bietet fast alle Parameter, die man sich in einer Kamera wünscht und grenzt sich damit doch erheblich von der Nikon J1 ab. Trotz der umfangreichen Konfigurierbarkeit ist das Menü klar gegliedert und ansprechend gestaltet. Damit der Nutzer jedoch nicht immer durch das Menü scrollen muss, hat Samsung zusätzlich eine Fn Taste angebracht, die alle relevanten Bildparameter auf einem einseitigen Kurzmenü anzeigt und die mittels einem kleinen Rädchen an der Oberseite der Kamera sehr einfach und schnell verstellt werden können. Damit nicht genug, gibt es Tasten für den Direktzugriff auf ISO Wert, AF Methode, Verschluss-Modus, Belichtungswert und eine beschränkt konfigurierbare Custom Taste, die z.B. für den AE-Lock genutzt werden kann.
Wer jedoch die Hand am Objektiv halten möchte, um wichtige Einstellungen zu verändern, der kann auch die iFn Taste am Objektiv nutzen.
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