Ausgangslage:
Für viele, lange Bahnfahrte und dementsprechend viel Zeit, um Texte zu schreiben, Folien vorzubereiten und PDFs zu lesen war ich auf der Suche nach einem neuen Netbook. Als alter Windows XP Nutzer gefiel es mir zwar nicht, dass die meisten neuen Netbooks mit Windows 7 Starter ausgeliefert werden, aber irgendwann müsste ich sowieso den Schritt zu einem neuen Betriebssystem machen (Vista habe ich gern ausgelassen).
Die Konkurrenz:
Mein Favorit war das blaue
ASUS 1005PE . Fast perfekt, ABER drei Schönheitsfehler:
1. kein Bluetooth, könnte ich gerade noch durchgehen lassen
2. kein Memory-Stick reader... ok.
3. aber viel schlimmer: Das Display ist viel zu dunkel! Ja, es ist entspiegelt, ja, der Kontrast ist gut! Aber die Helligkeit ein Graus! Nur ca. 110cd/m², der Vorgänger 1000HE kommt da schon auf 150cd/m²!
Weiterer Missstand: Es ist in blau kaum erhältlich, das 1005PE in carbonblau kommt bei uns natürlich nicht raus.
Also war ich weiter auf der Suche. Nächstes Kandidat:
HP Mini 210-1021eg. Günstig (299 Euro), gut verarbeitet, leider ohne BT, helles Display, das aber dermaßen spiegelt! Nach wenigen Minuten war klar: Dieser Schminkspiegel geht nicht! Dazu steht auch noch der Akku raus (wenn nicht, dann ists nur der 3-Zellen-Akku), schade.
Das
MSI Wind U115-Z53168XP (nicht wirklich hübsch aber natürlich Geschmackssache) wäre fast perfekt gewesen, die 8GB SSD-Lösung nervt aber mit wenig Platz, selbst nach Neuaufspielung des Betriebssystems. Dort war aber die Verarbeitung der Displayscharniere und die ganz links angebrachte Fn-Taste (statt Strg) der Grund, weiterzusuchen.
Das neue
Acer Aspire One 532 gibts in vielen Farben, aber auch hier ist die Tastatur klapprig und die (linke) Shift- und die Backspacetaste viel zu klein. Das 1280x720er Display wäre ein Trumpf, wenn es matt wäre. Ist es leider nicht. Immerhin gibts eine matte 1024x600 Version.
Das Gerät:
Dann der Blick auf die Samsung-Geräte N150 und N220: Beide neu, ebenfalls mit Pinetrails CPU/GPU ausgestattet, die kaum Mehrleistung bringt, aber deutlich günstiger zu produzieren ist, weniger Abwärme entwickelt und den Akku schont. Mein geliefertes Samsung NP N220 (mit der Bezeichnung JA02DE, das JA03DE hat nur einen 4400mAh Akku, der 8 statt 11 Stunden hält). Nachteil des recht hübschen N150 (roter Streifen um das Gehäuse herum): Die Tastatur ist schwächer verarbeitet (keine Chiclet), der Akku auch nur ein 4400er statt des 5900er im N220. Da mir die kristallgrüne Oberfläche des N220 sehr gut gefielt, war die Wahl doch recht einfach (345 Euro mit Versand).
Die kristallgrüne Oberfläche wirkt nur bei hellem Licht, ansonsten meint man, die Oberfläche wäre schwarz. Auf den Produktbildern ist meistens die hellste Farbdarstellung gewählt. Geht man nah an die Oberfläche ran, erkennt man ein wabenförmiges Muster. Sehr edel, mir gefällt die Farbe sehr gut! Das N220 in dieser Farbe nennt sich Marvel (Bezeichnung N220 JA02DE), das Mito ist in kristallrot (JA04DE), wird aber in der Regel nur mit dem 4400er Akku ausgeliefert (deshalb in der Regel auch 20 Euro günstiger).
Die Verarbeitung ist gut, kein scheppern oder quietschen, nur die Stelle über der Tastatur wirkt ein wenig billig (Plastik). Die Scharniere wirken stabil und halten, was sie versprechen, das Gehäuse ist stabil und der Aufklappwinkel des Displays ok (es geht vielleicht so bis 140°). Da kein Akku herausschaut, wirkt das Gesamtbild stimmig und wertig, von der Haptik gibts keine Beanstandungen.
Mitgeliefert wird Windows 7 Starter - die Umstellung von XP zu W7S ist schon recht groß. Es gibt im Internet genug Testberichte zum Mini-Win7, mit XP wäre man wohl besser bedient, aber ich werde mich auch daran gewöhnen. Insgesamt läuft es flott, mit 2GB SO-DIMM DDR2 (200pin) läuft es aber noch besser. Sehr schön: Der RAM-Riegel kann an der Unterseite des Gerätes auf einfachste Weise entnommen werden (verwendeter Riegel:
Corsair 2GB (800MHz, Unbuffered, CL5 SODIMM) DDR2).
Ergonomie:
Es läuft permanent ein Lüfter - dieser ist aber so gut wie nicht hörbar! Das N220 bleibt recht kühl (kühler als das 1000HE), die Festplatte ist kaum wahrnehmbar. Da es gerade in diesem Bereich sehr sensible Anwender gibt, kann ich hier definitv eine Empfehlung ausgeben.
Das Display ist ein Traum! Matt, so soll es sein, wenn man viel unterwegs ist und wenig Einfluß auf die Beleuchtung hat. Gerade in der Bahn, wenn von draußen die Sonne reinscheint, der Nebensitzer das Licht einschaltet oder die Neonröhren zu stark leuchten. In diesem Bereich muss man also keine Kompromisse wie beim 1005PE eingehen, das nur halb so hell leuchtet. Damit kommt man selbst auf der niedrigsten Stufe gut aus und kann hochschalten, wenn es die Bedingungen erfordern.
Als Tastatur kommt eine Chiclet-Tastatur zum Einsatz, die von der Qualität her, den Tastenabständen und dem Druckgefühl ganz klar überzeugt und für Vielschreiber (so viel kann man nach 1 Woche schon sagen) hervorragend geeignet ist! Die Funktionstasten sind ausreichend groß, das Layout entspricht einer 92% Version der Standarttastaturen und verglichen mit vielen anderen Tastaturen ist der Mehrpreis eine sinnvolle Investition. Das Touchpad geht in Ordnung (Multitouch möglich), die beiden "Maustasten" ok, ich verwende aber problemlos die
Logitech M555b.
Die Arbeit mit W7S ist nach einigen Konfigurationsänderungen ok. Das System wurde erst einmal entmüllt, nachdem es ca. 50 Minunten bei der Erstinbetriebnahme installiert hat. Leider kann man keine Installationsänderungen vornehmen, Samsung haut erst einmal alles drauf, was es gibt. Dementsprechend sieht auch der Desktop aus... Also alles wieder entfernt, was nicht irgendwie zu gebrauchen ist und das System in diesem Zustand mit den wichtigsten Programmen gesichert (Tool liegt bei, ich verwende, so weit es geht, nur portable Applikationen, da dies das System nicht zumüllen).
Die Webcam habe ich bisher einmal verwendet (0,3MP), man erkennt zwar was, aber viel gibt sie nicht her. Wichtig ist mir dieses Feature aber sowieso nicht.
Leistung und Mobilität
Mit 2GB RAM erscheint die Arbeit flotter, denn 256MB werden erst einmal für die interne Grafikkarte verwendet, 128 - 512MB für das von Samsung verwendete HyperSpace Instant-On-Betriebssystem. Instant ist aber wohl ein dehnbarer Begriff, auch die beworbene "sekundenschnelle" Bootzeit ist nicht wirklich richtig. Es dauert schon so 30-40 Sekunden, bis HyperSpace geladen ist. Dort kann man dann alles mögliche wieder raushauen und lieber über Dienste wie NetVibes konfigurieren. Ansonsten ließ sich damit ganz ordentlich surfen, es ging alles recht schnell und es gab keine Verbindungsabbrüche.
Nun sind Intels-Atom-CPUs nicht als Leistungswunder bekannt und auch "die neue Generation" in Form des N450 bleibt schwach. Positiv ist die verlängerte Akkulaufzeitmit (ca. 7,5 Stunden bei 30% Display, WLAN, BT, normaler Schreibarbeit und ein paar offenen Programmen, dehnbar bis 11 Stunden (ohne WLAN, niedrigste Helligkeit, wahrscheinlich sind mit HyperSpace auch 13 oder 14 Stunden drin), die geringere Abwärme und die leicht höhere Leistung. Davon merkt man aber so gut wie nichts. Muss man aber auch nicht. Spiele kann man mit einem Netbook weitestgehend vergessen, es sei denn, man spielt vorrangig alte 3D-Shooter oder 2D-Spiele wie Adventures oder Kartenspiele. Zum Spielen habe ich mir das Gerät aber sowieso nicht geholt.
Die Festplatte rattert ausreichend schnell, hier kommt es nur selten zu Verzögerungen. Trotzdem ist die Leistung weder mit einem richtigen Notebook noch mit einem Desktop-PC zu vergleichen. Wer hier also mehr Leistung will, der sollte in dieser Größenordnung nach Celeron Dual-Core SU2300 Netbooks suchen (ab 450 Euro aufwärts), ab 400 Euro gibts Net- bzw. Subnotebooks (also bis 12,1") auch mit Single-Core-CPUs, die mehr Leistung zeigen als die Atom-Lösungen. Problem aber: Die Akkulaufzeit sinkt, die Abwärme steigt und die Displays bzw. Ausstattungen lassen oft zu wünschen übrig. Auch die Größe und das Gewicht fallen dementsprechend höher aus und könnten, wie bei mir der Fall, entscheidende K.O.-Kriterien sein. Da ich jeden Tag das Gerät mitnehme, war mir die Leistung nicht ganz so wichtig wie die Mobilität. Und wer einmal ohne Steckdose 6 Stunden Zug fahren musste, weiß, wie schön es ist, ein Gerät zu besitzen, dass trotzdem noch angenehm zu bedienen ist (BT an, Helligkeit auf mittlerer Stellung, kein Lüfter,...). Wer trotzdem spielen möchte, für den ist vielleicht ein Netbook mit nVidias ION-Chipsatz interessant (z.B.
Samsung N510-@nyNet, aber dies ist natürlich wieder gepaart mit Nachteilen in Sachen Mobilität.
Lesen Sie weiter... ›