Zunächst möchte ich betonen, dass dies mein erster FullHD Camcorder ist und ich Aufnahmen bisher mit Digitalkameras vorgenommen habe (Olympus E-P1, SZ-20, SZ-30, Panasonic Lumix GF2). Der Spaß an HD, insbesondere an der Nachbearbeitung, hat mich nun dazu bewegt mir endlich einen kleinen Camcorder zu kaufen, der im ähnlichen Preissegment wie eine Lumix GF2 liegt.
Als alternative Produkte bestellte ich mir außerdem den
JVC GZ-HM440REU, den
JVC GZ-HM650BEU und den
Sony HDR-CX130ER. Am Ende behielt ich den JVC GZ-HM440 und den Sony HDR-CX130.
"Natürlich" erwarte ich von (m)einem Camcorder ausgerechnet die schwierigsten Disziplinen: Aufnahmen in einer dunklen Konzerthalle, beim Autofahren in einer entsprechenden Halterung, zu Feierlichkeiten in Innenräumen - also durchweg Situationen, in denen es auf einen lichtstarken Sensor, guten Verwacklungsschutz und eine ordentliche Tonaufnahme ankommt.
Wunder erwartete ich beim angesetzten Budget natürlich keine. Samsung und JVC erzeugen die FullHD Videos auch nicht im 1080p Format, sondern mit 1080i. Also 50 Halbbilder mit 1920x540 Bildern, statt 50 Vollbilder. Nur der Sony Camcorder kann 1080p FullHD Videos erzeugen. Der Samsung Camcorder kann als einziger aus meiner Auswahl HD 720p Aufnahmen erzeugen.
JVC und Sony vertrauen aud AVCHD, welches als einfachere Qualität in 1440x1080i aufzeichnet.
Hier ist nun der Grund, warum ich den Samsung Camcorder gegenüber den JVC Modellen und dem Sony Camcorder weniger empfehlen kann:
An den Proportionen, der Verarbeitung und dem Handling des Samsung Camcorders gibt es nichts auszusetzen. Er liegt gut und ruhig in der Hand, allerdings vermittelt das Außenmaterial aus mattem Kunststoff kein hohes Wertigkeitsgefühl, wie es die lackierten Gehäuse der JVC Camcorder tun.
Das Touchdisplay reagiert sehr gut auf leichten Fingerdruck und ist mit 3" schön groß dimensioniert. Hier punkten Sony und Samsung gegenüber den JVCs, welche nur 2,7" Bildschirmdiagonale bieten und weniger gut auf Eingaben reagieren. Allerdings kann man bei JVC und Sony per Fingertipp auf das Display auch den Zoom gleichmäßig betätigen.
Beim Samsung Camcorder ist die Blickwinkel-Abhängigkeit horizontal sehr schlecht und die Kontraste kippen bereits bei wenig bis überhaupt keiner Neigung und man ist meist dazu gezwungen schräg von unten auf das Display zu schauen. Die Helligkeit ist gut, passt sich automatisch an, wenn gewollt, und reicht auch für sonnige Tage. Das Display ist außerdem um 180° dreh und um 90° schwenkbar, sodass man sich selbst von vorn filmen, oder das Display an den Camcorder anlegen kann.
Der Samsung Camcorder verträgt nur SD und SDHC, aber keine SDXC Karten, welche mehr als 32GB Kapazität bieten würden. Eine Class 6 Karte ist Mindestvoraussetzung um in FullHD aufzeichnen zu können.
Mit der kostengünstigen
Extrememory HyPerformance Secure Digital High Capacity (SDHC) Card 32GB Speicherkarte habe ich gute Erfahrungen gesammelt und kann sie für die Verwendung empfehlen.
Nun stoßen wir aber auf eine unschöne Begebenheit, denn der Camcorder zeichnet den H.264 Codec im MP4 Format auf, statt in Form eines Streams, wie bei AVCHD. Er erzeugt als Tribut an das veraltete FAT32 Dateisystem alle 1,96GB, was ca. 20 Minuten bei HD und 8 Minuten bei FullHD entspricht, eine neue Datei. Beim Sprung zur neuen Datei fehlen aber ca. 3 Sekunden der Aufnahme, was ich nach einem Konzertmittschnitt schmerzlich bemerkte.
Des weiteren sind die erzeugten MP4 Dateien nicht mit Apples iMovie kompatibel, wie die MP4 Dateien, welche vom iPhone erzeugt werden, sodass die Videos beim Import doch wieder in das Platzfressende .mov Format umgewandelt werden. Dies aber nur am Rande.
Als nächstes steht der 5 Megapixel Sensor auf dem Prüfstand. Die Pixeldichte ist bei seinem Maß von gerade mal 1/4" (Ca. 4mm Durchmesser) sehr hoch. Und trotz seiner Backside Illumination Technik, bei der der CMOS Sensor rückwärtig belichtet wird, fängt er durch diese hohe Packdichte bereits sehr schnell an zu rauschen, wenn weniger Licht zur Verfügung steht.
Die Farbgebung empfand ich jederzeit als sehr natürlich, vielleicht einen Hauch zu blass, aber der Weißabgleich funktionierte idR. sehr gut. Bei wenig Licht, z.B. bei einem düsteren Morgengrauen, deutlich besser als der Weißabgleich der JVC Modelle, welcher in solchen Situationen schnell ins Blau umschlagen und manches mal sehr grobe Farbwechsel erzeugen.
Bei meinem Konzertmittschnitt fiel mir neben dem hohen Rauschen aber noch etwas sehr unangenehm auf: Defekte, weiße Pixel. In den dunklen, schwarzen Bereichen kann man im fertigen Film deutlich einen großen und mehrere kleine, weiße Flecken erkennen, die feststehen und auf defekte Pixel hindeuten. Sehr nervig.
Um einen Defekt auszuschließen tauschte ich den Camcorder um. Der Zweite hat bei dunklen Aufnahmen, z.B. die sehr blauen Aufnahmen im Sealife, leider ebenfalls defekte, weiße Pixel vorzuweisen, die, einmal entdeckt, einem dann den ganzen Spaß nehmen können. (Sofern man solch ein Pingelskopp wie ich ist. :-)). Solche habe ich bei den JVC und dem Sony Camcorder bisher nicht entdecken können..
Die Optik mit ihrem 30x Zoom ist meinen bescheidenen Ansprüchen nach wirklich gut, verzeichnet wenig und ich konnte auch nur geringe Randabdunklungen feststellen. Der Zoombereich ist gerade noch im Sinnvollen Bereich, wenngleich es mit 38mm leider nur sehr wenig Weitwinkel gibt. Die 1145mm Tele lassen sich mit Hilfe der Elektronik durchaus mit ruhiger Hand halten (ich behaupte solch eine zu haben) und lässt sich mit der Wippe gut bedienen. Langsame und schnelle Zooms klappen gut, der Motor ist in sehr leisen Situationen leider etwas wahrnehmbar.
Der Autofokus hatte gerade beim Konzert alle Mühe und ist oft nicht zu einem brauchbaren Ergebnis gekommen. Dann half nur komplett zurück zoomen und es erneut zu versuchen. Bei hellem Tageslicht fand er meist recht schnell die Schärfe, konnte sich aber auch hier hin und wieder hinters Licht führen lassen, sobald man den Zoom betätigte. Die JVC Modelle und machen dies zwar nicht sehr viel, aber meiner Meinung nach halt doch besser.
Als letztes komme ich auf den Ton zu sprechen, der sehr kraftvoll bei jeder Aufnahme wirkt. Wirklich dynamisch und .... leider oft übersteuert. Auf dem Konzert wurden Bässe sehr oft übersteuert, was mit der Olympus E-P1 ein Jahr zuvor bestens gelang, und Aufnahmen während einer Autofahrt sind völlig unbrauchbar. Mein Auto hat einen Serienmäßigen Edelstahl Sportauspuff und dieser ist durchaus markant, aber nicht nervtötend laut. Für den HMX-H300 reicht es aber leider aus, um nur noch lautes Knistern zu erzeugen. Die JVC Camcorder sind deutlich leiser und etwas dünner in der Tonaufnahme, dafür übersteuern sie nicht und man kann hier in der Nachbearbeitung durchaus etwas Nachhelfen. Übersteuern zu reparieren hingegen ist kaum machbar. Dies hat mich dann dazu bewogen den Samsung Camcorder nicht zu behalten. Der Sony Camcorder ist kräftiger, als die JVCs und macht es am besten von allen.
Die Akkuleistung des Samsung HMX-H300 ist gigantisch, denn selbst nach weit über 2h Konzertmittschnitts wurde mit doch ein Viertel Restkapazität angezeigt und erst nach weiteren 40 Minuten war Schluß. Durch die Positionierung des Akkus muss man zum starten und stoppen der Aufnahme zwar den Daumen etwas verrenken, aber dies ist bei den JVC Modellen ebenso der Fall. Übung macht hier den Meister. Dafür ist der Akku schnell und einfach ausgetauscht. Auch gegen ein Dritthersteller Produkt. ;-)
Die coole Zeitrafferfunktion des Samsung Camcorders erzeugt ausschließlich HD Format und kein FullHD, wie bei JVC. Außerdem laufen die mit 1 Sekunde Abständen erzeugten Videos komischer weise doppelt so schnell ab, wie bei JVC, bei gleicher Einstellung.
Die Auswahl der Abstände ist dafür bei Samsung von 0,5 Sekunden bis in den Bereich mehrerer Minuten deutlich größer.
Sony bietet beim CX130E keine Zeitraffer-, aber eine Zeitlupen-Funktion an.
Die weiteren Gadgets umfassen Lächelerkennung und diverse Filtermethoden, welche ich nicht weiter beleuchtet habe.
Der Samsung Camcorder bietet die Möglichkeit selber die Blende oder die Belichtungszeit vorzugeben. In dieser Preisklasse ist dies offenbar eher selten anzutreffen.
Am Camcorder ist ein Mini-HDMI Port vorhanden, an dem die Inhalte an einem entsprechendem Gerät mittels optional zu kaufendem Kabel wie z.B.
mumbi mini HDMI-Kabel (Mini HDMI C Stecker auf HDMI A Stecker, 1,5m) wiedergegeben werden können. Übertragungen zum PC oder Mac erfolgen mittels eines klassischen USB Mini Kabels. Über dieses kann auch die auf dem Camcorder liegende Software auf den PC installiert werden. Ein Mac Version gibt es nicht.
Mein Fazit:
Bei Tageslicht gut zu gebrauchen, wenn bei normalen Lichtverhältnissen und normaler Geräuschkulisse gefilmt wird.
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