Bei Katzen und Handys muss man damit rechnen, dass sie vielleicht irgendwann nicht mehr zurückkommen. Mein Samsung E1100 hat sich nicht wieder eingefunden, also musste ein würdiger Nachfolger her. Die Wahl fiel auf das E1150i - wobei das schmucke "Espresso"-Design im Segafredo-Café stylischer wirkt, das Silbergrau einen edleren Business-Look abgibt und das erotische Rot hoffentlich weniger leicht übersehen wird als das Mausgrau des E1100. Zudem sollte das Klappdesign unerwünschte Tastenbetätigungen in der Hosentasche vermeiden helfen.
Da ich - ich bin immer noch nicht stolz darauf - an einen üblen Vertrag geraten war (Vario 30), bei welchem für alles und jedes unglaubliche Gebühren anfallen, musste es ein "altes" Modell sein - ohne WAP, GPRS oder ähnliche Gebührenfallen. Entweder man leistet sich eine Internet-Flatrate oder man lässt es sein - ein Handy, welches sich gar nicht erst verbinden kann, liegt auf der sicheren Seite. Nachfolgemodelle wie das SGH-C270 disqualifizieren sich aus dieser Sicht durch ihre neuere Technik.
Leider sind ältere Designs wie das E1150i noch mit winzigen Schirmchen ausgestattet. Wenigstens gibt es bunte Bildchen für den Hintergrund, aber bei längeren Rufnummern oder Texten behilft man sich mit Scrollen, das ist schon unübersichtlich. Natürlich ist dadurch auch die Schrift nicht eben riesig. Ich habe einen weißen Hintergrund eingestellt, da ist die Lesbarkeit auch draußen recht gut.
Die Tastenreihen sind durch Riefen getrennt, das sieht nicht nur gut aus, sondern hilft auch, "blind" zurecht zu kommen. Den leichten Druckpunkt finde ich sehr angenehm. Weniger gut lässt sich m.E. der Cursor bedienen. Leider fehlte auch das Geld, die Hörer-Tasten rot und grün zu färben - Handy-Ungeübte wie ich verwechseln das schon mal und würgen so leicht mal ein Gespräch ab. Angenehm überrascht hat die Möglichkeit, Kontakten beliebige Einträge zuzuordnen, so kann man problemlos mehrere Rufnummern zu einem Kontakt fügen - von dieser sinnvollen Funktionalität kann das wesentlich teurere Smartphone meiner Frau nur träumen. Bunte Symbole auf wählbarem Hintergrund gestalten die Optik freundlicher als beim E1100. Der Speicher ist mit dem Demo-Sound eigentlich schon fast voll - abgesehen davon benötigt man ein teuer extra zu erstehendes USB-Kabel, um dem Teil neue Töne beizubringen. Die angepriesene hohe Akku-Kapazität habe ich nicht getestet - überraschend kurz sind jedenfalls die Ladezeiten.
Eine ganz pfiffige Funktion nennt sich uTrack: Man gibt ein oder zwei Handy-Nummern ein, die dann automatisch angerufen werden, wenn jemand eine neue SIM-Card in das Handy einlegt. Dabei wird die Rufnummer der SIM-Card gesendet. So könnte man mit etwas Glück einen Menschen ausfindig machen, der "vergessen" hat, das "gefundene" Handy abzugeben.
Das wahlweise metallisch rote, espressofarbene oder silber glänzende Oberteil ist leider aus Plastik - ansonsten sieht das Gerätchen aber echt gut aus und wird von Nicht-Handy-Experten bewundert. Durch den großen Akku liegt das Teil angenehm schwer in der Hand. Telefonieren fühlt sich mit dem Klapp-Teil natürlicher an als mit einem Riegel. Der Netzteil-Anschluss liegt unter einer etwas popeligen gummiartigen Abdeckung, die hoffentlich länger hält als es den Anschein hat.
Es tut, was es soll. Bis mein schlimmer Vertrag abgelaufen ist, wird es vielleicht auch Smartphones geben, die so schnell und elegant bedienbar sind, dass Multimedia und Mailing Sinn & Spaß machen - solange wird es das "karge" E1150i zu meiner vollen Zufriedenheit tun, wenn ich es nicht wieder irgendwo liegen lasse. Aber auch darin liegt ein großer Vorteil dieser einfachen Modelle: Es tut rund 30-mal weniger weh als bei einem aktuellen iPhone...
technik-jury 4* A0970 24.5.2012eg