Die Bewertung des B5722 ist einigermaßen schwierig. Einerseits gibt es nicht sehr viel Auswahl an Dual-Sim-Telefonen, die auch offiziell und mit lokalem Support in Deutschland vertrieben werden. Andererseits ist dies nicht das einzige Kriterium und das B5722 muss sich auch in den "normalen" Funktionen mit anderen aktuellen Geräten messen lassen.
Erster Eindruck / Positives:
Ich hatte zuvor mit dem Samsung C5212 kein Glück und musste es zurücksenden, weil es mit meiner Kombination von SIM-Karten komplett den Dienst verweigerte. Auf ein Fernost-Gerät mit womöglich schlecht übersetzter Software und fehlendem Support/Garantie wollte ich mich nicht einlassen und habe deshalb dem lange angekündigten B5722 entgegengefiebert. Der erste Eindruck war Klasse. Schickes Design, handliche Abmessungen, angenehmes Gewicht, heller und gut auflösender Monitor - und: einwandfreier Betrieb mit beiden SIM-Karten.
Der Lieferumfang ist mit Ladekabel, Datenkabel, Headset, Software und Handbuch vollständig. Auf dem 3-teiligen Desktop gibt es Platz für die wichtigsten Apps/Widgets im Direktzugriff. Die Verwaltung von Kontakten oder Kurznachrichten ist gut gelöst. Es gibt MP3-Player, UKW, Rechner, Kalender, Weltuhr, Umrechner/Einheitenkonverter, Kalender, Stoppuhr, Wecker und weitere nützliche Apps. Die Akku-Laufzeit ist in Ordnung. Entgegen anderen Berichten hält mein Akku bei einigen Gesprächen pro Tag und gelegentlichem Radio- oder MP3-Hören einige Tage und wird auch über das USB-Datenkabel aufgeladen.
Dual-Sim-Betrieb:
Funktioniert problemlos und ist einfach zu bedienen. Man ist auf beiden Karten gleichzeitig erreichbar und kann vor jedem Anruf die gewünschte Karte per Tastendruck an der Seite des Geräts auswählen. Es ist außerdem möglich, eine Karte zu deaktivieren oder eine andere Standardkarte für ausgehende Anrufe zu bestimmen, die dann nach dem Einschalten aktiv ist. Es lässt sich auch ein automatischer SIM-Wechsel aktivieren, der zu bestimmten Tageszeiten die Standardkarte wechselt. Hier lässt sich aber nur ein zusammenhängender Zeitraum pro Karte und Tag bestimmen, unterschiedliche Einstellungen an bestimmen Wochetagen sind leider nicht möglich. Im Telefonbuch werden die Nummern beider SIM-Karten mit Ihrem Speicherort (SIM1/2 oder Telefon) angezeigt, bei einem Neueintrag kann der Speicherort gewählt werden.
Ich gäbe für den Dual-Sim-Betrieb allein sicherlich 5 Sterne, wenn ich nicht eines sehr vermissen würde: Gerade wenn man private und geschäftliche Telefonate trennen möchte, muss man sehr darauf achten, vor dem Anruf die richtige Karte zu wählen. Es wäre sicher ein Einfaches gewesen, hier eine Funktion einzubauen, die je nach Speicherort der Nummer auch die passende SIM-Karte auswählt, oder auch für einen Rückruf die SIM-Karte wählt, über die der Anruf eingegangen ist. Darauf hat Samsung leider verzichtet.
Sterne-Killer:
Es gibt einige Punkte, die mich sehr ärgern und mich zu einer Abwertung veranlassen:
Ganz besonders nervt, dass das Gerät keine automatische Tastensperre hat. Das war auch beim C5212 so und ist in diversen Foren auch Kritikpunkt bei anderen Samsung-Modellen. Zwar sperrt sich das Display nach einer einstellbaren Zeit automatisch, nicht aber die Tasten. Um diese zu sperren muss extra ein Schalter an der Seite des Geräts gedrückt werden. Position und Druckpunkt dieser Taste sind jedoch so ausgeführt, dass sich das Telefon z.B. in der Hosentasche oft entsprerrt. Regelmäßig muss ich deshalb im günstigsten Fall nur die Elemente auf dem Touch-Screen neu ausrichten, immer wieder aber schaltet sich das Gerät auch ab und wieder an. Mit etwas Glück zieht man das Telefon dann mit dem Eingabe-Dialog für die PIN aus der Tasche, zweimal musste ich aber schon die PUK eingeben. Bis man die zur Hand hat, ist das Telefon erstmal unbrauchbar. Das hatte ich zuvor mit keinem anderen Gerät erlebt.
Das Display ist scharf und hell, die Touch-Screen-Bedienung jedoch teilweise sehr träge und hakelig. Die Eingabe der Rufnummern und PINs funktioniert zwar gut, die Platzierung und Benutzung der Widgets auf dem Desktop erweist sich oft als störrisch.
Der MP3-Player erfüllt nur Grundfunktionen: Die Titelliste wird nur alphabetisch ohne Angabe von Album oder Interpret angezeigt, eine entsprechende Sortierung der Liste ist daher auch nicht möglich. Um auf Interpreten oder Alben zuzugreifen, müssen diese in Wiedergabelisten organisiert werden. Songs in Alben werden hier aber auch nur nach Titel und nicht nach Titelnummer sortiert. Die Wiedergabelisten können nicht extern über die Software KIES angelegt werden, am Telefon selbst ist das sehr mühsam. Es ist zumindest möglich, die Songs auf der SD-Karte in Ordnern abzulegen und per Dateimanager darauf zuzugreifen. Der Dateimanager unterstützt aber keine Dateinamen mit mehr als 52 Zeichen und zeigt solche Dateien nicht an. Auch bei der Übertragung mit KIES werden alle MP3s unsortiert auf dem Gerät gespeichert und die Dateinamen nicht optimiert. Für Vielhörer ersetzt das Samsung einen MP3-Player damit nicht.
Ernüchterung:
Die Software KIES wirkt überladen und kommt mit einer Art eigenem Desktop daher, hier wäre weniger mehr. Im Samsung-Shop gibt es kaum brauchbare Apps, eine Konkurrenz zum iPhone ist es damit nicht. Die Kamera macht nur bei unbewegten Objekten und optimalem Licht brauchbare Bilder. Mit der enormen Auslöseverzögerung und bei schlechten Lichtverhältnissen ist sie besonders für Schnappschüsse kaum brauchbar. Es gibt nur einen Samsung-eigenen Anschluss für Datenkabel und Headset.
Nicht bewertet:
Von mir bis dato nicht benutzt und daher nicht bewertet sind Internet-Funktionen (Browser, Communities etc.), Messenger, Spiele
Fazit:
Das Telefon erfüllt die Grundfunktionen und bleibt unter den Dual-Sim-Geräten wohl trotz der Mängel ohne Alternative. Es bleibt nur zu hoffen, dass Samsung nachrüstet und per Firmware Verbesserungen für das Gerät bereitstellt und die Auswahl an Apps steigert.