Hot Fuss war (und ist) gut, ohne Frage. Jung, elektrifizierend, hektisch und immer mitreißend. Dazu eine "stylische" Band mit einem schicken Sänger, der sein gutes Aussehen mit ordentlich viel Eyeliner zu unterstreichen versteht. Was will man mehr? Auf dieser Basis konnte ein zweites Album eigentlich nur noch enttäuschen. Oder?
Zunächst war das Staunen groß, als die vier aus Las Vegas nach zwei Jahren zurück auf der Bildfläche erschienen und kaum wieder zu erkennen waren: Haare zottelig, die Gesichter unrasiert und z.T. mit Schnurbart und Kotletten. Dazu Westernoutfits, die jedem Sergio Leone Film die Ehre erwiesen hätten. Was zum Teufel sollte das?!
Aber da die erste Single "When You Were Young" musikalisch an alte Erfolge anschloss, musste der geneigte Hörer dem Album doch irgendwie eine Chance geben.
Schon mit dem Opener und Titelstück bricht die Platte dann mit aller Gewalt über den Hörer ein und zieht ihn unweigerlich mit: "I've got this energy beneath my feet / Like something underground's gonna come up and carry me..." Ja, das merkt man. Und wohin geht's? Na Klar; mitten in den wunderbaren Ort Sam's Town: "We hope you enjoy your stay..." Ok, dann also munter hineinspaziert.
Was einen dort erwartet, ist ganz großes Kino für die Ohren; wilde Gitarren, bombastische Streicher und dramatische Synthesizer. Dazu phantastische Melodien, einfallreiche Arrangements und Brandon Flowers unnachahmliche Stimme, die den Hörer sofort in ihren Bann zieht. Also doch alles beim Alten bei den Killers?
Nein! Sie sind noch besser! Alle Qualitäten des Debüts finden sich auch auf Sam's Town. Aber im Gegensatz zum Erstling, der faszinierend kühl, aber dadurch auch etwas distanziert klang, ist hier alles warm und zugänglich. Kitschig oder oberflächlich ist das Album dennoch nicht. Im Gegenteil; Sam's Town wirkt geerdet und gereift und, man mag solche Klischees verzeihen, erwachsen. Die Jungs sind angekommen und haben ihre Glamrock Maskerade abgestreift. Ihre Musik klingt ehrlich ohne dabei an Tiefgang und Dramatik zu verlieren. Sie heißt den Hörer willkommen in ihrer Welt, umschließt ihn und gibt ihm ein Zuhause: "But I know that I can make it / As long as somebody takes me home..." Ja, genau!
Und es gibt viel zu sehen in dieser Welt, denn jeder einzelne Song hat das Potenzial zu einem Hit! Gleichzeitig klingt Sam's Town absolut homogen und harmonisch und lässt trotzdem keine Langeweile aufkommen. Ein perfektes Meisterwerk!
Und wenn die Killers einen dann nach knapp 45 Minuten nach Hause schicken, weiß man, dass man ganz, ganz schnell wieder kommt. "We hope you enjoyed your stay..." Oh ja, das haben wir! "Outside the sun is shining / It seems like heaven ain't far away..."
Ach, wenn doch alles nur so schön wäre wie dieses Album!