Mich beeindrucken Gefühlsromane für gewöhnlich sehr schnell, gerne bin ich ratzfatz hin und weg und verdrücke ein Tränchen, wenn es traurig wird. Nach Tagebuch für Nikolas, einem unglaublich schönen Buch, bin ich nun von Sams Briefe für Jennifer nicht begeistert. Auf seltsame Weise bleiben die Protagonisten an der Oberfläche, obwohl es Jennifers Geschichte nun wirklich an Schicksalsschlägen nicht mangelt. Aber nein, so richtig berühren konnte mich das alles nicht, vielleicht war es auch einfach ein bißchen zuviel Pathos, zuviel Schicksal?? Auch kam die als so tief und innig beschriebene Liebe zwischen Großmutter Sam und Enkeltochter Jennifer nicht wirklich zum Tragen. Davon wird immer nur ERZÄHLT, ERFÜHLEN konnte ich das nicht?? Es wird schlicht erwähnt, wie oft Jennifer ins Krankenhaus fährt praktisch, um Sams Dasein noch zu berechtigen, die Geschichte selbst spielt sich jedoch woanders ab.
Auch die Liebegeschichte mit Brendan, sie ist schön, aber sie ist peng da und mir haben die Zwischentöne gefehlt, die Tiefe, die Bewegung, das Mitreißen, das nicht mehr aufhören können zu lesen. Es bleibt an der Oberläche, die sich maximal hin und wieder ein bißchen kräuselt.
Die Briefe von Sam sind auch Nebengeschehen, klar, sie sind schön geschrieben, sie machen neugierig auf den geheimnisvollen Doc, aber es ist dem Autor nicht gelungen, Sam als junge Frau aufleben zu lassen, als Person, mit der ein Leser mitfiebert und bangt. Zuviele Details fehlen einfach, vielleicht ist der Roman nur zur kurz?? Mit etwas mehr Intensität und Liebe zu Kleinigkeiten, mit viel Herz und ohne großes Pathos, wäre es gewiss besser geworden.
Es ist schade, eine gute Idee, allerdings einiges zuviel an Schicksal, an Leidensgeschichte und Dramatik.
Trotzdem ein nettes Buch, welches ich schnell gelesen hatte.