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Der Philosoph Manfred Sommer, Professor an der Universität Kiel, zeichnet den "inneren Bauplan", den Grundriss für eine "Phänomenologie des Sammelns". Das klingt nach blasser Theorie. Kein Eindruck könnte verkehrter sein, denn Sommers Buch ist phänomenologische Praxis vom ersten bis zum letzten Satz. Unbeirrt hält sich Sommer an die Beschreibung des Phänomens Sammeln. Schritt für Schritt, präzise und mit Witz und Understatement, wandern seine Reflexionen (und Spekulationen) vom Jäger und Sammler der Frühzeit bis zum Fakten- und Datensammler im Zeitalter der Informationstechnologie.
Den reinen Typus verkörpert der Sammler von Kunstwerken: Er sammelt, um die Gegenstände anschauen zu können, und sein Handeln richtet sich auf die Bewahrung. Das "ökonomische Sammeln" ist die mindere Variante, in der das Sammeln bloße "Verzögerung des Verschwindens" ist. Vor der Folie dieses Hauptgegensatzes siedelt der Autor seine behutsamen Beschreibungen an, und er hilft dem Leser mit schönen Handzeichnungen, die Logik der einzelnen Vorgänge zu verstehen. Was, zum Beispiel, Abschied und Wiedersehen phänomenologisch bedeuten, das führt uns Sommer wie in Zeitlupe vor. Schön anzusehen.
Anmerkungen und Literaturhinweise wird in diesem Buch niemand vermissen, sie hätten nur abgelenkt. Das Namenregister ist mit 14 Einträgen rekordverdächtig klein, denn es hat innerhalb einer Theorie des Sammelns, die eben keine Kulturgeschichte ist, eigentlich keine Funktion. Anders das Sachregister und vor allem die "Analytische Inhaltsübersicht", die jedes der kleinen Textsegmente von 1-2 Seiten mit einer fein formulierten Überschrift versieht und damit den Leser gut orientiert. --Herbert Wintrich -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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