Oberflaechlich betrachtet handelt das Buch von der Liebe eines Deutschen zu einer an HIV erkrankten Kambodschanerin, die er in seinem Urlaub kennengelernt hat. Es beschreibt die Lebensumstaende in Kambodscha, weist auf die Bedeutung der Familie beim taeglichen Kampf ums Ueberleben hin, zeigt die Rolle des Einzelnen im kambodschanichen Sozialgefuege auf und outet die Backpacker und Rucksacktouristen als die wahren Neckermaenner unserer Zeit, die sich in den weltweit bekannten "Alternativ-Ghettos" treffen, in diesen ausnahmslos verweilen und oftmals jegliche Auseinandersetzung mit der heimischen Kultur ebenso verneinen, wie es die von ihnen so verschmaehten Pauschaltouristen tun.
Doch das Buch ist weitaus mehr. Ein Plaedoyer fuer mehr Menschlichkeit. Ein Plaedoyer fuer Menschlichkeit! Es beschreibt eine Entwicklung, die eines jungen Mannes hin zum jungen Menschen, der sich seiner (unserer?) Verantwortung stellt und nicht, wie ueblich, die Augen vor der Realitaet schliesst, um ihr spaetestens dann zu entkommen. Er uebernimmt Verantwortung fuer den Menschen, in den er sich verliebt hat ... trotz des niederschmetternden Urteils AIDS". Er stellt sich dieser Verantwortung, stellt sich seiner Freundin, aber auch sich selbst, was um so bemerkenswerter ist, da es der schwierigste und oftmals schmerzhafteste Prozess ist, dem sich ein Mensch unterziehen kann.
B. Pruefer vollzieht einen Wandel. Vom ehemals passiven Mitlaeufer zu einem Mann, der Entscheidungen trifft und diese auch umsetzt. Er reflektiert sein (bisheriges) Leben in Deutschland mit all den verbundenen Werten, Normen und Verhaltensmustern, um zu der Erkenntnis zu gelangen, so auf keinen Fall weitermachen zu wollen. Oftmals unverbindliche und nur auf den eigenen Vorteil bedachte in Deutschland praktizierte Beziehungen sind nicht mehr das, was er sucht und braucht. Pruefers Situation, sein ungewoehnliches Handeln, seine kritische Auseinandersetzung mit Deutschland aber auch mit sich selbst aus der kambodschanischen Distanz heraus laesst den Leser nicht unberuehrt und wirft Fragen auf, die zwangslaeufig zu eigener Betroffenheit fuehren muessen. Bei all seinen Ausfuehrungen vermeidet es der Autor, mit erhobenen Zeigefinger auf die anderen (und uns) zu zeigen. Deutschland und Kambodscha sind nicht zu vergleichen, weder schlecht noch gut ... einfach anders. Den Unterschied machen die Menschen und ihre Handlungen, hier wie da.
Pruefers persoenliche Veraenderung ist faszinierend, sein Buch ist voller Lebensweisheit und macht betroffen, zeigt uns unsere eigenen Schwaechen auf. Dennoch macht es Hoffnung, auf eine Welt, in der wir uns nicht mehr verstecken, sondern uns unserer Verantwortung bewusst werden und anfangen, selbstbestimmt zu handeln. Ich waere froh, nur 10% der Courage zu besitzen, die Pruefer aufweist.
Ein Buch, das zur Pflichtlektuere bestimmt ist.