42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Plaedoyer fuer Menschlichkeit ... nichts fuer einen Bohlen, 26. Oktober 2009
Oberflaechlich betrachtet handelt das Buch von der Liebe eines Deutschen zu einer an HIV erkrankten Kambodschanerin, die er in seinem Urlaub kennengelernt hat. Es beschreibt die Lebensumstaende in Kambodscha, weist auf die Bedeutung der Familie beim taeglichen Kampf ums Ueberleben hin, zeigt die Rolle des Einzelnen im kambodschanichen Sozialgefuege auf und outet die Backpacker und Rucksacktouristen als die wahren Neckermaenner unserer Zeit, die sich in den weltweit bekannten "Alternativ-Ghettos" treffen, in diesen ausnahmslos verweilen und oftmals jegliche Auseinandersetzung mit der heimischen Kultur ebenso verneinen, wie es die von ihnen so verschmaehten Pauschaltouristen tun.
Doch das Buch ist weitaus mehr. Ein Plaedoyer fuer mehr Menschlichkeit. Ein Plaedoyer fuer Menschlichkeit! Es beschreibt eine Entwicklung, die eines jungen Mannes hin zum jungen Menschen, der sich seiner (unserer?) Verantwortung stellt und nicht, wie ueblich, die Augen vor der Realitaet schliesst, um ihr spaetestens dann zu entkommen. Er uebernimmt Verantwortung fuer den Menschen, in den er sich verliebt hat ... trotz des niederschmetternden Urteils AIDS". Er stellt sich dieser Verantwortung, stellt sich seiner Freundin, aber auch sich selbst, was um so bemerkenswerter ist, da es der schwierigste und oftmals schmerzhafteste Prozess ist, dem sich ein Mensch unterziehen kann.
B. Pruefer vollzieht einen Wandel. Vom ehemals passiven Mitlaeufer zu einem Mann, der Entscheidungen trifft und diese auch umsetzt. Er reflektiert sein (bisheriges) Leben in Deutschland mit all den verbundenen Werten, Normen und Verhaltensmustern, um zu der Erkenntnis zu gelangen, so auf keinen Fall weitermachen zu wollen. Oftmals unverbindliche und nur auf den eigenen Vorteil bedachte in Deutschland praktizierte Beziehungen sind nicht mehr das, was er sucht und braucht. Pruefers Situation, sein ungewoehnliches Handeln, seine kritische Auseinandersetzung mit Deutschland aber auch mit sich selbst aus der kambodschanischen Distanz heraus laesst den Leser nicht unberuehrt und wirft Fragen auf, die zwangslaeufig zu eigener Betroffenheit fuehren muessen. Bei all seinen Ausfuehrungen vermeidet es der Autor, mit erhobenen Zeigefinger auf die anderen (und uns) zu zeigen. Deutschland und Kambodscha sind nicht zu vergleichen, weder schlecht noch gut ... einfach anders. Den Unterschied machen die Menschen und ihre Handlungen, hier wie da.
Pruefers persoenliche Veraenderung ist faszinierend, sein Buch ist voller Lebensweisheit und macht betroffen, zeigt uns unsere eigenen Schwaechen auf. Dennoch macht es Hoffnung, auf eine Welt, in der wir uns nicht mehr verstecken, sondern uns unserer Verantwortung bewusst werden und anfangen, selbstbestimmt zu handeln. Ich waere froh, nur 10% der Courage zu besitzen, die Pruefer aufweist.
Ein Buch, das zur Pflichtlektuere bestimmt ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Leben schreibt die besten Geschichten?!, 6. Februar 2011
Benjamin Prüfer reist als junger Mann auf einem Selbstfindungstrip nach Asien. Dort begegnet er Sreykeo, einer Kambodschanerin und verliebt sich in sie. Nach und nach wird aus einer unverfänglichen Liebschaft eine Beziehung mit Höhen und Tiefen, mit Problemen und Misstrauen.
Eines Tages erhält er die Nachricht, die sein Leben verändert: Sreykeo ist HIV-positiv. Für beide beginnt eine schwere Zeit, die Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt und Benjamin muss eine Entscheidung treffen zwischen der Verantwortung für Sreykeo und seinem eigenen Leben' doch was ist sein Leben ohne Sreykeo?
Die Geschichte von Benjamin Prüfer und seiner Sreykeo habe ich persönlich dort gelesen, wo sie zum ersten Mal niedergeschrieben wurde: In der Zeitschrift Neon.
Seit dem habe ich sie nie ganz vergessen, als mal ein Fernsehbericht kam, wusste ich sofort, worum es geht, als das Buch erschien, wollte ich es haben und die Entstehung des Filmes habe ich ebenfalls verfolgt.
Ich kann nicht sagen, woher diese Faszination oder einfach dieses Interesse kommt. Vielleicht, weil es hier trotz aller Widrigkeiten eine besondere Liebesgeschichte gibt?
Weil die Geschichte zeigt, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will? Weil die Liebe siegt? Weil es noch Menschen gibt, die Verantwortung übernehmen?
Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass der Bericht mich damals berührt hat.
Nein, so kitschig, wie es klingt, ist diese Geschichte ganz und gar nicht. Nicht so aufgebläht, nicht so pathetisch, nicht gar so sehr den Zeigefinger schwingend. Sie ist echt. Und das macht sie besonders.
Anderen mag das, was geschehen ist, kitschig, einigen anderen vielleicht sogar banal vorkommen.
Und vielleicht ist es das auch. Vor allem aber zeigt es die seltsamen Wege, die das Leben manchmal geht.
Das Buch ist schonungslos. Benjamin Prüfer nimmt kein Blatt vor den Mund und berichtet von all den Abgründen, in die er geblickt hat. Von den Fehlern, die begangen wurden.
Von Streits und Tränen, von Dreck, Elend und Leid. Von Verrat und Verzweiflung. Von den Verhaltensweisen, die man manchmal an den Tag legt, um andere zu schützen, Verhaltensweisen, die Außenstehenden übertrieben oder anmaßend vorkommen.
Und das nimmt der Handlung das mystische, aber nicht ihren Zauber. Es ist ein wenig so, als würde man ein Kissen auf die Fensterbank legen und die Nachbarschaft beobachten, nur dass es irgendwie intensiver ist.
Bei alldem kommt manchmal die Frage auf, ob es nicht anmaßend oder beschämend ist, sich so stark in das Privatleben anderer einzulesen, ob das Buch nicht etwas zu voyeuristisch ist. Nein, das ist es nicht. Diese Geschichte möchte erzählt werden ' die Moral mag jeder für sich selber daraus finden.
Bei seinen Erzählungen findet der Autor leider immer wieder Entschuldigungen für seine Handlungen, auch wenn diese Fehler waren. Das mag nur natürlich sein, denn immerhin gab es Gründe, aus denen er sich so entschieden hat. Aber es schwingt immer ein klein wenig eine Rechtfertigung mit, die nicht immer passend oder nötig ist.
Ein kleiner Kritikpunkt wäre noch zu erwähnen: Als jemand, der sich (gezwungenermaßen) stark mit dem HI-Virus auseinander gesetzt hat und als Mann mit einer HIV-positiven Frau an seiner Seite sollte es ihm doch daran gelegen sein, eine Trennung zwischen einer HIV-Infektion und einer AIDS-Erkrankung zu zeigen. Auch wenn das theoretisch bekannt ist und zumindest aus dem Zusammenhang auch klar wird, was gemeint ist, so ist im allgemeinen Sprachgebrauch beides gleich gesetzt, was medizinisch falsch ist.
Prüfer führt im Buch auf, ab wann von AIDS gesprochen wird, schafft somit ein Bewusstsein auch für eine sprachliche Trennung, erwähnt dann aber in einem Kontext, in dem es um positive Testergebnisse geht, die Phrase einer AIDS-Erkrankung und verwischt die geschaffenen Grenzen somit selber wieder.
Zusammenfassend lässt sich nur sagen, dass man hier ein besonderes Buch in den Händen hält. Eines, das sprachlich im Mittelfeld anzusiedeln ist und dessen Geschichte aus einem Hollywoodfilm zu stammen scheint. Dass es eben nicht so ist und dass einer der beiden, die das alles erlebt haben, aus seiner Sicht und in seinen Worten berichtet, macht vieles greifbar.
Ob einem das Buch gefällt oder nicht, mag daran liegen, inwiefern man bereit ist, sich auf die Schicksale anderer einzulassen.
Lesenswert ist es in jedem Fall und sei es nur um einem zu zeigen, wie das Leben spielen kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein