Im Alter von fünf Jahren erlernte Lucie Silvas das Klavierspielen. Während andere Mädchen ihres Alters Tagebuch schrieben, ließ die heute 26jährige fünf weitere Jahre später Gedanken zu Songtexten werden. Diese stellte sie als junge Musikstudentin bald englischen Nachwuchstalenten wie Rachel Stevens, Gareth Gates und Macy Grey zur Verfügung, was sie zu einer gefragten Songwriterin und Komponistin werden ließ.
Nachdem große Namen in der Musikindustrie auf ihre besondere Stimme aufmerksam geworden waren, begann sie, den eigenen Texten gesanglich Ausdruck zu verleihen und erarbeitete sich schrittweise den eigenen Plattenvertrag.
Ein weites Spektrum an Begabung, das Lucie Silvas eindrucksvoll in ihren Songs zu vereinen weiß und sie selbst zu einem Ausnahme-Talent werden lässt.
Nach dem hervorragenden Debut 'Breathe in' 2004, dass hierzulande aufgrund von mangelnder Promotion keine nennenswerten Erfolge verbuchen konnte, folgt zwei Jahre darauf mit 'The same side' ein würdiger Nachfolger.
Die Produktion ist wesentlich akustischer im Vergleich zum Vorgänger ausgefallen. Ein authentisch und lebendig klingender Sound mit verstärktem Upbeat. Das Grundgerüst stellt eine reduzierte Instrumentierung dar, in der Akustik-Gitarren dominieren und reichlich Entfaltungsmöglichkeit für stimmliche Qualitäten der Interpretin geboten wird.
Jazzig angehauchter Folkpop, Soul-Elemente und hymnischer Piano-Pop reflektiert im dezenten Rahmen Silvas' feinsinniges Gespür für filigrane Kompositionen und facettenreiche Melodien.
Die musikalische Untermalung stellt eine Veränderung und damit die eigentliche Weiterentwicklung zum Debut-Album dar. Es wurde weniger auf bewährte Klavierklänge vertraut; vermehrt kam es zur Integration frecher Harmoniewechsel und treibender Rhythmen. Das Resultat ist frischer und vielschichtiger, aber weniger opulent.
Lucie Silvas gesangliche Fähigkeiten sind verlässlich und qualitativ gleichbleibend hochwertig. Sie gehört zu den wenigen Interpretinnen, denen es gelingt, jede einzelne Zeile einer Strophe mit einem Höchstmaß an Persönlichkeit und Ausdruck zu füllen, dass Gefühle schwerelos transportiert werden und jedes Wort einen besonderen Charme entwickelt.
Im direkten Vergleich zum vielseitigen Debut hat das Album im Gesamten an Abwechslung etwas verloren und einzelne, insbesondere sehr ruhige Songs, haben an Austauschbarkeit gewonnen.
Auch einen Kritikpunkt stellt für mich persönlich im Gegensatz zu 'Breathe in' dar, dass ich auf einen stimmlich überwältigenden Song wie 'Forget me not' diesmal vergeblich gewartet habe.