Im Filmdrama >Same Same But Different< zeigt sich mir, besonders schön, der mögliche Übergang vom bloßen Verliebtsein zur wirklichen Liebe. Das Drehbuch folgt dem autobiographischen Roman >Wohin du auch gehst< (2007) von Benjamin Prüfer. Der Filmtitel >Same Same But Different< ist eine thai-englische Redewendung für »ganz gleich und doch anders«. Was ist gemeint, worum geht es in dieser Geschichte? Und was will sie uns sagen?
Zur Story: Ben, ein deutscher Abiturient, ist mit einem Freund in Kambodscha unterwegs. Die beiden suchen zuerst nur den Spaß, sie denken an Abenteuer und besonders an Sex. In einer Diskothek lernt Ben das Bargirl Sreykeo (»Frau aus Glas«) kennen. Bald wird ihm klar, dass das Mädchen eine Prostituierte ist. Gleichwohl verliebt er sich in sie und haust mit ihr in einem halb verfallenen Wohnblock. Wegen ihres chronischen Hustens bringt er sie zum Arzt und schenkt ihr einen Ring. Zurückgekehrt nach Deutschland bleibt Ben mit Sreykeo in Kontakt. Er sendet ihr Geld für wichtige Arztbesuche. Eines Tages erhält er einen Anruf von seiner Freundin Sreykeo. Sie teilt ihm mit, dass ihr HIV-Status positiv sei. Ihr lakonisches Telefonat beendet sie mit den Worten »see you next life«, »auf Wiedersehen im nächsten Leben«.
Ben selbst ist nicht infiziert. Um Sreykeo zu treffen und dem Mädchen eine Therapie zu finanzieren, fliegt er erneut nach Kambodscha. Trotz der, wohl tödlichen, Krankheit des Mädchens macht er sich Gedanken über eine baldige Heirat. In Deutschland aber rät ihm ein Freund zur Trennung von Sreykeo: Sie sei dem Tode geweiht, eine Eheschließung mit ihr wäre verrückt! Ben ist verunsichert. Zuletzt jedoch reist er nach Kuala Lumpur, um die Freundin wiederzusehen. Im Hotel freilich wird Sreykeo, als HIV-infizierte Prostituierte, des Hauses verwiesen. Ben indessen bekennt sich als ihr Verlobter und will künftig in Kambodscha leben.
Mit einem religiösen Hochzeitsritual endet das Filmgeschehen. Ein buddhistischer Mönch gießt Wasser über das mutige Brautpaar. Und am Ende des Abspanns erfahren die Kinobesucher: Ben und Sreykeo leben heute in Deutschland. Sie haben ein gemeinsames Kind, einen gesunden Jungen.
Wie ist die Story zu bewerten? Von grenzenloser Naivität eines verliebten Paares könnte man reden. Denn nach menschlichem Kalkül wird diese Ehe, wahrscheinlich, in die Brüche gehen. Oder sie wird so enden wie die >Love-Story<, das berühmte Filmmelodram über die Liebe von Jenny und Oliver: Die beiden heiraten, allen Widerständen zum Trotz. Zuletzt aber stirbt die krebskranke Jenny in den Armen ihres jungen Ehemannes Oliver.
Handeln Paare wie Jenny und Oliver oder Sreykeo und Ben >vernünftig<? Hat ihre Liebe keine Zukunft? »Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt« heißt es in den Notizen des französischen Philosophen und Mathematikers Blaise Pascal. Ben und Sreykeo verhalten sich wie alle Verliebten - »und doch anders«. Allein nur von der Ratio her beurteilt, gehen sie einen höchst problematischen Weg. Aber die Liebe sieht tiefer. Sie folgt einer anderen, metaphysischen, Logik.
Was aus meiner Sicht zählt, ist die Echtheit der Liebe. Eines ist den Filmdramen >Love Story< und >Same Same But Different< gemeinsam: Es wird gezeigt, wie sich die Verliebtheit zur Liebe entwickeln kann. Was mir speziell in >Same Same But Different< imponiert: Ben entscheidet sich konsequent für Sreykeo. Sie ist ihm unbedingt wichtig, um ihretwillen ist er bereit, alles Oberflächliche, alles Minderwertige aufzugeben, das sein Leben bisher bestimmte. Das aber ist Liebe - zumindest in anfanghafter Gestalt.
Im übrigen wird der Transzendenzbezug in der Filminszenierung offenkundig: Es geht nicht nur um DIESES Leben, es geht zugleich um das künftige, das jenseitige Leben. Die Ehe von Ben und Sreykeo ist transparent für eine Liebe, die auf Erden schon anfanghaft gelebt wird und die in der Ewigkeit Gottes - unwiderruflich - ans Ziel kommt.