Jung-Redakteur Prüfer reist mit Anfang 20 nach Kamobdscha und lernt in einer zwilichtigen Bar die Prostituierte Sreykeo kennen, was den Anfang einer gleichwohl schönen als auch schwierigen Liebesbeziehung markiert. Diese Verbindung bricht auch nach Prüfers Rückkehr nach Deutschland die Distanz, man hält Kontakt über Mail, SMS und Telefon, wofür beide Seiten tief in die Tasche greifen müssen. Hauptsächlich aus der Ferne agierend, unterstützt Prüfer seine Freundin auch finanziell bishin zur Selbstaufgabe, um ihr den Absprung aus der Prostitution zu ermöglichen. Auf eine besonders harte Probe wird die Beziehung gestellt, nachdem Sreykeo die Diagnose "HIV-Positiv" erhält. Das wird zur Zerreißprobe, denn Sreykeo kann von ihrer Familie keine Unterstützung erwarten und ist als Positive Ex-Prostituierte in Kambodscha mehr oder weniger eine "Unperson".
Besonders positiv an diesem Buch ist mir Prüfers sachlich-neutrale Schilderung der Ereignisse aufgefallen, die weder "wunderbar zärtlich", wie die zitierte FAZ auf dem Buchrücken konstatiert, noch kühl oder distanziert ist. Es handelt sich viel mehr um eine ehrliche Berichterstattung, ohne Rücksicht auf eigene Sympathieverluste - geschönt wird nichts, auch Sreykeo hebt der Autor nicht auf ein hohes Podest, auf dem er sie unnötig glorifiziert; er gibt auch zu, wo er sich für sie geschämt hat oder welche negativen Seiten er an ihr schätzt. Erfrischend realistisch auch die Ansicht, dass ein Beziehungsstreit nicht das Ende einer Partnerschaft darstellt, sondern eine Chance. Auch direkt vor den Altar lässt Prüfer sich nicht zerren. Weiterhin werden auch Familienprobleme, (nicht vorhandene) Kulturschocks, kambodschanischer Behördenirrsinn, Beziehungsstress, Leben an der Armutsgrenze und natürlich HIV und Sexualität bei HIV abgedeckt. E-Mails, SMS, Artikelausschnitte, Gästebuch-Einträge aus damaliger Zeit finden sich im Wortlaut 1:1 im Text wieder.
Überzeugt hat mich vor allem Prüfers Verantwortungsbewusstsein und die Erkenntnis, dass Liebe auch ein Arrangement gegenseitigen Auskommens ist, nicht aber eine Verbindung, von der er "höchstes Glück zu jederzeit" erfordert und bei der kleinsten Schwierigkeit verschwinden würde.
In sofern ist das Buch nicht einem Publikum zu empfehlen, das hauptsächlich auf der Suche nach einer Lovestory war; hier wird sich viel mit Fakten, Ehrlichkeit und vielen dunklen Seiten auseinandergesetzt, vor denen man speziell in Liebesromanen doch gerne mal die Augen verschließt. Das Buch soll wohl mit den Vorurteilen aufräumen, dem sich das Paar oft ausgesetzt sieht, und die viele Männer trifft, die sich in eine Frau aus einem asiatischen Entwicklungsland verlieben. Prüfers Gedanken können dazu beitragen, dass mit diesen Verurteilungen aufgeräumt ist; andererseits werden viele vermutlich aber trotzdem die Köpfe schütteln.
Das einzige, was ich zu bemängeln habe, ist, dass Sreykeo insgesamt etwas blass beschrieben bleibt; es fällt etwas schwer, sie charakterlich einzuschätzen. Hauptsächlich sind es doch Prüfers Gedanken, die die Hauptrolle in diesem Buch spielen. Eine umfassendere Charakterisierung Sreykeos hätte m.E. mehr dazu beigetragen, mit den Voruteilen aufzuräumen, so bleiben viele ihre Gedanken, Träume, Absichten im Dunkeln - außer, dass sie ein Kind möchte und aus Kambodscha auszuwandern wünscht.
Am interessantesten wäre unter Ergänzung der Entwicklung bis heute eine zweite Perspektive dieses Buches - diesmal aus Sreykeos Blickwinkel.