Im Jahr 1865 bahnt sich im österreichischen Ausseer Land etwas Unheilvolles an. Ein verrückter Wissenschaftler versucht, arkane Magie mit Dampfkraft zusammenzuführen, um so eine Waffe zu bauen, die Menschen vernichtet und Fey als Munition benutzt. Doch seine Machenschaften sind nicht unerkannt geblieben. Menschen verschwinden in den Bergen und auch die Kaiserin selbst schickt Spione aus, um herauszufinden, was sich in den geheimnisvollen Gipfeln des Toten Gebirges abspielt.
Die Weiterführung des Romans 'Das Obsidianherz' setzt praktisch dort an, wo wir die Charaktere verlassen haben. Nur ein halbes Jahr ist vergangen, seit Corrisande und Delacroix den Bund fürs Leben schlossen, und doch befinden sie sich schon wieder in Gefahr. McMullens Neffe ist im Salzkammergut verschwunden und der alte Freund bittet den Ex-Agenten um Hilfe. Sie machen sich auf in die Berge und kommen einem Geheimnis auf die Spur, dass auch schon andere auf den Plan gerufen hat. Denn auch die beiden jungen bayrischen Offiziere von Orven und von Görenczy sind in geheimer Mission in diese unwegsame Wildnis aufgebrochen, um herauszufinden, was hier vor sich geht und gegebenenfalls das Schlimmste zu verhindern. Bei diesem Schlimmsten spielt ein alter Bekannter eine wichtige Rolle - nämlich Graf Arpad, der der Höllenmaschine im Berg als magische Munition dienen soll. Die handelnden Personen werden wieder in einen Strudel von Abenteuern gesogen, in dem es diesmal nicht nur um ihr eigenes Überleben geht, sondern um das der gesamten Welt. Nicht nur Sí, auch Menschen würden dieser Waffe zu Opfer fallen und das Gefüge der Welt würde unweigerlich im Chaos versinken.
Auf den ersten Blick unterscheiden sich diese beiden Romane nicht besonders von ihrem Vorgänger. Die gleiche Zeit, die gleichen Personen und ein nur allzu bekannter Bösewicht bilden das Gefüge der Geschichte. Gerade die Vertrautheit macht es aber für den Leser umso spannender, in diese Welt einzutauchen. Es muss nicht mehr lange erklärt werden, man kann sich neuen, interessanten Dingen zuwenden, sieht die Auswirkungen der vergangenen Geschehnisse und lernt alles besser kennen.
Den wirklichen Reiz der Erzählung macht aber nicht unbedingt die Spannung und auch nicht die Erotik aus, die zeitweise ihren Weg in diese düstere Welt findet, sondern die Akribie, mit der der Autor den Mythos mit der Wirklichkeit verknüpft ' oder wie die Sí sagen würden, mit dem, was wir für Wirklichkeit halten.
Wie schon im 'Obsidianherz' sind die Geschichte, die Geographie und auch die handelnden Personen genau recherchiert und auch das Benehmen und die Sprache der Charaktere lässt dem Leser diese Vergangenheit sehr lebendig und realistisch erscheinen. Allerdings geht Honisch hier noch viel weiter als in der ersten Geschichte. Manchmal liest sich das Geschriebene fast wie eine philosophische Anhandlung über die Natur der Menschen, ihre Unzulänglichkeiten und die teilweise lächerlichen Regeln, die sie für sich aufstellen, um, wie sie meinen, zivilisiert und moralisch zu sein. Dabei flaut der Roman aber nie ab oder wird langweilig. Im Gegenteil, es ist sogar äußerst spannend, da der Autor es versteht, sich in die Gedankenwelt dieser andersartigen Wesen zu versetzen. Dabei baut er bei den Fey-Charakteren sehr auf die Recherche des alten Volksglaubens und der Fabeln, die sich wie ein Leitfaden durch die Alpen ziehen. In jedem See lebt laut Legende ein Wassermann oder eine Nymphe, jeder Berg hat seine Bewohner und jeder Albtraum hat seinen Ursprung in den gleichnamigen Wesen. Diese Legenden sind uns vertraut, auch wenn wir sie immer nur als Märchen angesehen haben, und wir hatten zumindest als Kinder eine klare Vorstellung davon, wie diese Wesen aussehen würden und welche Macht sie doch hatten - eine Macht, die sie für Gutes und Böses einsetzen können, genau wie die Menschen.
Diese Wesen werden nun in den Büchern Wirklichkeit und es ist eine herrliche und furchteinflößende Wirklichkeit, die Honisch zeichnet. Sie führt dem Leser auch allzu gern die Beschränktheit der menschlichen Gesellschaft und ihre Borniertheit vor Augen, denn genau diese Fehler sind es, die die Geschichte vorantreiben. Die Spannung lässt bis zum Ende nicht nach, auch wenn man sich sicher ist, dass nach all dem Unglück und den Strapazen ein gutes Ende kommen muss ' und sei es nur, dass man einen Bergsee nie mehr mit den gleichen Augen sehen wird.
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