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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
127 von 130 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wunderbarer Roman - ein Kultbuch der arabischen Welt,
Rezension bezieht sich auf: Salzstädte (Gebundene Ausgabe)
"Salzstädte sind Siedlungen, die keine dauerhafte Existenz ermöglichen. Wenn Wasser eindringt, lösen schon die ersten Wellen das Salz auf, und diese großen gläsernen Städte versinken im Nichts" (A. Munif).Der Verfasser Abdalrachman Munif wurde 1933 in Amman/Jordanien geboren; sein Vater stammt aus Saudi-Arabien, seine Mutter aus dem Irak. Munif studierte Jura und Ökonomie und promovierte im Fachgebiet Erdölwirtschaft und arbeitete jahrelang in dieser Branche sowie als Berater für die OPEC. "Salzstädte" ist Teil eines fünfbandigen Werkes, nach dessen Beendigung die saudi-arabische Regierung dem Autor A. Munif die Staatsbürgerschaft entzog, seine Werke wurden auf den Index gesetzt. Trotzdem jedoch erreichte jedes neue Buch Munifs, die er aus dem Exil schrieb, auf Schleichwegen Saudi-Arabien, wo sie heimlich weitergereicht werden. Munif starb 2004 in Damaskus. "Salzstädte" beschreibt die in den 30er Jahren beginnende Jagd der US-Amerikaner nach dem schwarzen Gold in den Golfstaaten: Über Jahrhunderte hinweg haben Karawanen ihren Schritt beschleunigt, wenn sie die sanfte, wohltuende Brise der Oase einsogen und die Kamele das Wasser witterten. Doch eines Tages dringt die Moderne in Gestalt einiger Amerikaner in die idyllische Oase am Persischen Golf ein. Ihre Mission ist es, die Erdölvorkommen zu erschließen. Von Stund an ändert sich das Leben in Wadi al-Ujun, dem Tal der Wasserquellen. Anfängliches Erstaunen und die Neugier de Dorfbewohner weichen bald großer Unruhe und bösen Vorahnungen. Eines Morgens werden sie aus dem Schlaf gerissen vom ohrenbetäubendem Lärm der Bulldozer, die alles Leben dem Erdboden gleichmachen. Mut'ib Haddal, Nachfahre der stolzen Utum-Krieger, beobachtet den Anfang der Zerstörung, doch er wartet ihr Ende nicht ab... Munifs Roman verbindet Fachwissen und epische Gestaltungskraft, die den Wandel der Gesellschaft und ihrer sozialen Beziehungen spannend, lebendig und bildhaft einfängt. Das Einfinden in die arabische Welt wird durch ein kommentiertes Personenverzeichnis zu Beginn des Buches und ein Glossar der arabischen Begriffe zum Schluß des Buches erleichtert. "Salzstädte" schildert die große Wandlung einer archaischen, vormodernen Wüstengesellschaft in eine vom Kapitalismus korrumpierte und veränderte Welt, in der aber nie Schwarzweißmalerei betrieben wird und beispielsweise die Amerikaner, die dort in der Wüste nach Öl bohren und eine ganze Ölindustrie aufziehen, die Hauptschuldigen abgeben. Auch wirken Munifs Figuren niemals statisch oder eindimensional. Fazit: "Salzstädte" ist ein wunderbarer Roman, der nicht nur zum Verständnis der arabischen Welt beiträgt, sondern auch zeigt, wie das Öl, die Amerikaner und die örtlichen Machthaber das Leben in einem Golfstaat bestimmen; ein Roman, der dennoch aufwühlt, die Phantasie des Lesers beflügelt und uns mitnimmt in das Saudi-Arabien vor und nach den ersten Ölfunden. Unbedingt lesen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
124 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Mit dem Katapult in die Moderne,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Salzstädte (Gebundene Ausgabe)
Der Roman "Salzstädte" des unlängst verstorbenen Schriftstellers Abdalrachman Munif zeigt exemplarisch, wie eine traditionelle arabische Gesellschaft innerhalb weniger Jahre aus ihrem archaischen Dasein förmlich gezerrt wird und sich mit ihren Bräuchen, ihrem Verhaltenskodex und ihrer Rationalität in der modernen Welt wieder findet. Ûber Jahre und Jahrzehnte bestimmen "nur der Regen, die Karawanen und das Gebet" den Lebensrhythmus der Menschen. Doch dann wird Õl gefunden, und alles ändert sich schlagartig: Amerikaner kommen, und mit ihnen Geld, "Verträge", technische Neuerungen, unzüchtige Kleidung, eigenartige Verhaltensweisen.Der wunderbar langsame Fluss der Erzählung steht im Kontrast zu den drastischen Umwälzungen, die aus dem einstmals gottverlassenen Weiler Harran eine kleine Stadt werden lassen. Eine Hauptperson oder tragende Personengruppe gibt es nicht; vielmehr wird die Entwicklung Harrans anhand verschiedener Einzelschicksale und aus Sicht der "Modernisierten" aufgezeigt. So lernt man Mut'ib Haddal kennen, der von Beginn an die Anwesenheit der Amerikaner ablehnt und zum Symbol des Widerstandes wird, oder Agob, den armenischen Lasterfahrer, der die Neuerung mit seiner ersten Lkw-Verbindung in die nächstgelegene Stadt voran treibt und später doch deren Opfer wird. Humorvoll ist der Roman immer dann, wenn dem Emir von Harran technische Neuerungen erklärt werden, wie Automobil, Stethoskop oder Telefon - ob man mit letzterem auch mit Toten in Kontakt treten könne oder ob es auch nachts funktioniere, möchte der Provinzfürst beispielsweise gerne wissen. Trotz ihrer "Opferperspektive" ist die Erzählung durchaus kritisch gegenüber der arabischen Gesellschaft - Munif zeigt eine Welt, in der Schmeichelei ein wesentliches Element im alltäglichen Beziehungsgefüge ist, in der Frauen höchstens am Rande vorkommen und in der die politischen Machthaber nicht unbedingt durch schnelle Auffassungsgabe glänzen. Allerdings drängt sich, besonders zu Beginn des Romans, so manches Mal der Eindruck auf, der Autor habe auch eigene Abneigungen gegenüber US-Amerikanern im Roman verarbeitet - zumindest werden diese von ihrem ersten Auftreten an sehr penetrant mit negativen Attibuten belegt. Der Erzählstil des Romans wirkt im Deutschen sehr authentisch; die Sprache ist lebhaft, ohne übertrieben zu wirken. Auf überflüssige Exotisierungen in der deutschen Schreibweise wurde glücklicherweise verzichtet - ein arabischer Markt ist ein Suk und kein Zouq oder Souq. Man darf mit Spannung auf die Ûbersetzung der weiteren Erzählungen des insgesamt fünfbändigen Werkes warten. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
76 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein fabelhaftes Verstehbuch,
Von Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Salzstädte (Gebundene Ausgabe)
Der kürzlich verstorbene Schriftsteller Abdalrachman Munif, war halb Iraker, halb Saudi. Aufgewachsen in Saudi Arabien und Jordanien, Manager der Erdölindustrie, Erdölwissenschaftler. Irgendwann hat er sein ungeheures Erzähltalent entdeckt und ein fünfbändiges Werk geschrieben. Der erste Band Salzstädte erzählt die irrsinnige Geschichte, wie in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, amerikanische Ölexploratoren in der Saudischen Wüste auftauchen und dort nach Flüssigkeit graben. Die Beduinen, deren Leben bisher durch Gebete, Karawanen und Regen bestimmt wurde, glauben zunächst die Amerikaner graben nach Wasser. Doch als sie merken, dass Öl gesucht und gefunden wird, da wird innerhalb kürzester Zeit die Welt auf den Kopf gestellt. Die traditionelle arabische Gesellschaft mit ihren frühzeitlichen Lebensformen gerät aus den Fugen.An Hand von verschieden Einzelschicksalen, Hauptpersonen und Helden gibt es nicht, wird gezeigt, welche Auswirkungen die Ölfunde, die Amerikaner, das Geld, die technischen Neuerungen und die knebelnden Verträge, auf die Menschen haben. Oasen werden dem Erdboden gleich gemacht, es finden gewaltige Zerstörungen statt. Und im Land entsteht eine korrupte arabische Oberschicht, die Hand in Hand mit den Amerikanern arbeitet. Der Autor zeigt auf der anderen Seite, wie in so unbeschreiblich reichen Ländern, wie Saudi Arabien und den Golfstaaten, so viele arme Menschen leben, deren Leben ohne jegliches Ziel ist. Wenn auch der Autor nie seine Kritik gegenüber der arabischen Gesellschaft verhehlt, so bringt er auf der anderen Seite seine Abneigung gegenüber den Amerikanern klar zum Ausdruck. Wenn auch keine direkten Schurken in dem Buch vorkommen, so haben doch die Amerikaner das seltene Talent alles verkehrt und alles kaputt zu machen. Und Munif schildert in eindrucksvoller Weise, weshalb sich diese beiden Kulturen so wenig mischen, zu einander stehen wie Feuer und Wasser. Auf der einen Seite waren da die Amerikaner, die nur Öl und Geld sahen, auf der anderen Seite diese Menschen, die mit den anrollenden Maschinen, ihre traditionelle Welt, ihre Hierarchien und ihre Glaubenssätze verlieren. Hinter diesem Hintergrund wird verständlich, warum der 11. September 2002 passieren musste und passieren konnte. Alle damaligen Attentäter kamen aus Saudi Arabien. Aus dieser Sicht ist das Buch traurig, aber bei der orientalisch breiten Erzählweise enthält es auch zahlreiche Abschnitte die lustig und humorvoll sind. Ohne Frage aber ist es vordergründig ein literarisch, sehr schönes, gut zu lesendes Buch, welches dem Leser die Augen öffnet, was damals aus Sicht der Araber passiert ist. Es ist ein brillant erzähltes Verstehbuch, das vom Inhalt einige Erinnerungen an Gabriel García Márquez Hundert Jahre Einsamkeit aufkommen lässt, wo dieser vom Leben und Sterben der Buendías berichtet, die erleben was die Bananenkompanie aus Nordamerika in Kolumbien angerichtet hat. Schön, dass dieses Buch Salzstädte geschrieben wurde. Zum besseren Verständnis vieler Dinge, die heute in dieser Welt passieren ist dieses Buch eine große Hilfe. Ich empfehle es mit Nachdruck und Leidenschaft, aus vielen Gründen und freue mich schon auf den nächsten Band von Munif. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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