Der kürzlich verstorbene Schriftsteller Abdalrachman Munif, war halb Iraker, halb Saudi. Aufgewachsen in Saudi Arabien und Jordanien, Manager der Erdölindustrie, Erdölwissenschaftler. Irgendwann hat er sein ungeheures Erzähltalent entdeckt und ein fünfbändiges Werk geschrieben. Der erste Band Salzstädte erzählt die irrsinnige Geschichte, wie in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, amerikanische Ölexploratoren in der Saudischen Wüste auftauchen und dort nach Flüssigkeit graben. Die Beduinen, deren Leben bisher durch Gebete, Karawanen und Regen bestimmt wurde, glauben zunächst die Amerikaner graben nach Wasser. Doch als sie merken, dass Öl gesucht und gefunden wird, da wird innerhalb kürzester Zeit die Welt auf den Kopf gestellt. Die traditionelle arabische Gesellschaft mit ihren frühzeitlichen Lebensformen gerät aus den Fugen.
An Hand von verschieden Einzelschicksalen, Hauptpersonen und Helden gibt es nicht, wird gezeigt, welche Auswirkungen die Ölfunde, die Amerikaner, das Geld, die technischen Neuerungen und die knebelnden Verträge, auf die Menschen haben. Oasen werden dem Erdboden gleich gemacht, es finden gewaltige Zerstörungen statt. Und im Land entsteht eine korrupte arabische Oberschicht, die Hand in Hand mit den Amerikanern arbeitet. Der Autor zeigt auf der anderen Seite, wie in so unbeschreiblich reichen Ländern, wie Saudi Arabien und den Golfstaaten, so viele arme Menschen leben, deren Leben ohne jegliches Ziel ist.
Wenn auch der Autor nie seine Kritik gegenüber der arabischen Gesellschaft verhehlt, so bringt er auf der anderen Seite seine Abneigung gegenüber den Amerikanern klar zum Ausdruck. Wenn auch keine direkten Schurken in dem Buch vorkommen, so haben doch die Amerikaner das seltene Talent alles verkehrt und alles kaputt zu machen. Und Munif schildert in eindrucksvoller Weise, weshalb sich diese beiden Kulturen so wenig mischen, zu einander stehen wie Feuer und Wasser. Auf der einen Seite waren da die Amerikaner, die nur Öl und Geld sahen, auf der anderen Seite diese Menschen, die mit den anrollenden Maschinen, ihre traditionelle Welt, ihre Hierarchien und ihre Glaubenssätze verlieren. Hinter diesem Hintergrund wird verständlich, warum der 11. September 2002 passieren musste und passieren konnte. Alle damaligen Attentäter kamen aus Saudi Arabien.
Aus dieser Sicht ist das Buch traurig, aber bei der orientalisch breiten Erzählweise enthält es auch zahlreiche Abschnitte die lustig und humorvoll sind. Ohne Frage aber ist es vordergründig ein literarisch, sehr schönes, gut zu lesendes Buch, welches dem Leser die Augen öffnet, was damals aus Sicht der Araber passiert ist. Es ist ein brillant erzähltes Verstehbuch, das vom Inhalt einige Erinnerungen an Gabriel García Márquez Hundert Jahre Einsamkeit aufkommen lässt, wo dieser vom Leben und Sterben der Buendías berichtet, die erleben was die Bananenkompanie aus Nordamerika in Kolumbien angerichtet hat.
Schön, dass dieses Buch Salzstädte geschrieben wurde. Zum besseren Verständnis vieler Dinge, die heute in dieser Welt passieren ist dieses Buch eine große Hilfe. Ich empfehle es mit Nachdruck und Leidenschaft, aus vielen Gründen und freue mich schon auf den nächsten Band von Munif.