Ihre 'krummen Touren' haben fast schon Kultstatus. Denn Renate Just führt ihre Leser dahin, wo es ihr selbst gefällt ' wie man es eben bei guten Freunden macht. Nachdem sie Bayern und die Nachbarn Österreich und Böhmen erkundet hat, jetzt also Salzburg. Die Stadt, in der sie sich ständig verfährt, was jeder nachvollziehen kann, der schon mal in Salzburg eine bestimmte Adresse gesucht hat. Warum Salzburg sich bei der Autorin trotzdem einer 'etwas peinlichen Anhänglichkeit' erfreut, das schildert sie auf 206 ebenso kurzweiligen wie informativen Seiten. Und es kann passieren, dass der Sehnsuchtssog, von dem Renate Just spricht, just nach der Lektüre dieses Büchleins auch den Leser erfasst ' vor allem, wenn er literarisch interessiert ist.
Denn die Stadt hat von jeher die Literaten angezogen. Günter Eich und Ilse Aichinger lebten hier, Thomas Bernhard hat an Salzburg gelitten und Peter Handke auch, Stefan Zweig hielt in der Stadt Hof, bis der antisemitische Hass ihn vertrieb, und Wolf Haas hat seinen bösen Krimi 'Silentium' im Salzburg des Festspielsommers angesiedelt. Renate Just führt ihre Leser zu den Häusern der Literaten, zu den Cafes und Beisln, wo sie gerne saßen, und sie nimmt ihn mit in eine Buchhandlung, die als eine der besten im deutschsprachigen Raum gilt. Es wäre aber weit verfehlt, würde man dieses Salzburg-Büchlein mit einem literarischen Reiseführer gleichsetzen. Renate Just ist ebenso sehr Genießerin wie Leserin, ein Augenmensch, der Schönes liebt und sich vor Hässlichem gruselt, das es auch in Salzburg gibt ' 'fad-grässliche Neubau-Villen in cremefarbenem Putz' etwa. Aber die Stadtberge, 'fremdartige Inseln im Zentrum urbaner Hochzivilisation', die liebt sie, und die Schlösschen und Klöster der Stadt, die man so gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden kann. Und immer wieder kann die Autorin Geschichten erzählen über die Menschen der Stadt, die alten Fürstbischöfe und die jungen Köche, die Stars und die Nobodys, den Red-Bull-King Mateschitz und auch über einen Porsche-Erben, der eine 'Lebensschule' für Kinder aus schwierigen Verhältnissen finanziert.
Dazu gibt es Tipps für schöne, ausgefallene Übernachtungsmöglichkeiten, für außerordentliche Cafes und für Restaurants, in denen auch die Salzburger gerne einkehren. Wer all das abarbeiten will, braucht allerdings mehr als die zwei bis drei Tage, auf die Renate Just ihre Leser im Eingangskapitel vorbereitet.