In den 1990er Jahren führte der Journalist Peter Seewald zwei lange Gespräche mit dem damaligen Chef der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger (heute Papst Benedikt XVI.). Die daraus entstandenen beiden Bücher liegen hier nun sinnvollerweise als Doppelband vor.
Im ersten Band geht es um Ratzingers Person und Werdegang, um die Stellung der katholischen Kirche in der Welt und um den Glauben in einem weitestgehend säkularisierten Umfeld. Ein erheblicher Teil dieses Bandes befasst sich mit Fehlern der Kirche, aber auch und besonders mit den Chancen, die sie den Gläubigen und der Welt in einem Jahrhundert voller Umbrüche bieten kann.
"Gott und die Welt" ist ein Buch über den katholischen Glauben selbst. Im Prolog findet eine Auseinandersetzung mit zentralen Glaubensschwierigkeiten und Gottes Unbegreiflichkeit statt, etwa am Beispiel Hiobs. Anschließend werden alle wesentlichen Aspekte des Glaubens angesprochen. Der Abschnitt über die Kirche umfasst Aspekte aus der Vergangenheit bis hin zu künftigen Aufgaben, wobei auch sensible Themen wie etwa die Stellung der Frau und der Zölibat nicht ausgespart werden.
Es ist schwierig, den Inhalt zweier umfangreicher Bücher kurz und doch repräsentativ zusammenzufassen, zumal Peter Seewald den Themenbogen innerhalb der einzelnen Kapitel und Unterkapitel sehr weit spannt. Seewald, ein versierter Journalist, weiß dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation so weit entgegenzukommen, dass dieser sich frei äußern kann, aber er stellt auch sehr kritische Fragen und hakt bei Bedarf schon einmal nach.
Ratzinger versteht es, die wesentlichen Dinge des Glaubens und der Kirchen"politik" in einfacher, unkomplizierter und dennoch sehr präziser Sprache verständlich zu vermitteln. Er weicht auch den provokativen Fragen nicht aus und vertritt seine Meinung konsequent, ohne sie als alleinige Wahrheit hinzustellen. Liest man seine Ausführungen im Zusammenhang, so entsteht ein ganz anderes Bild ab als jenes, das die Medien seit jeher von Ratzinger zeichnen, die ihn nunmal überwiegend nicht mögen.
Wenn einem das Christentum völlig fremd ist, wird einen das Buch nicht "bekehren". Sehr dienlich dürfte es jenen sein, die sich vom Katholizismus entfernt haben und einer neuen Annäherung offen gegenüberstehen.