Wem Roger Spottiswoodes "Under Fire" gefallen hat, dem möchte ich empfehlen, sich auch mal Oliver Stones "Salvador" anzusehen. Wurde in "Under Fire" eine spannende Handlung über mehrere US-Journalisten während des Freiheitskampfes der Sandinisten in Nicaragua thematisiert, befaßt sich Oliver Stone mit dem Kampf des Volkes von El Salvador gegen die einheimischen Unterdrücker und die dahinter stehenden USA in der Übergangsperiode von Jimmy Carter zu Ronald Reagan. Wieder sind es zwei amerikanische Journalisten, die u.a. Zeitzeugen der Ermordung des Erzbischofs von San Salvador Oscar Romeros am 24. März 1980 während eines Gottesdienstes wurden, ferner der Verschleppung und Ermordung von vier amerikanischen Nonnen, die ins Land gekommen waren um den Armen zu helfen, durch die Todesschwadrone. Man spürt hautnah den von der Regierung ausgeübten Terror gegen die Bevölkerung, man sieht Berge von Leichen, die von den Todesschwadronen und ihren amerikanischen Hintermännern im Namen der westlichen Freiheit und der einheimischen Bourgeoisie angerichtet wurden. Aber auch die moralische Verkommenheit von Journalisten der Mainstream-Medien, da anstatt kritisch zu berichten sich einen schönen Tag im Schatten der Obrigkeiten machten. Dann die Situation, in der der absehbare Wahlsieg Ronald Reagans Anlaß war, das durch seinen Vorgänger verhängte Waffenembargo aufzuheben, was die Befreiungsbewegung um den schon greifbaren Sieg brachte.
Das alles in einer äüßerst spannenden Rahmenhandlung mit einem glänzenden James Wood als kaputtem Typen und beruflich gescheitertem Journalisten. Kein strahlender Held wie Nick Nolte in "Under Fire".
Wenn ich die Filme Oliver Stones bewerten soll, bekommt "Salvador" einen Platz ziemlich weit oben an der Spitze. Das er sich beim deutschen Publikum nicht durchgesetzt hat, dürfte politische Gründe haben, da er dem Zeitgeist der achziger Jahre entgegen gesetzt war. Immerhin wurde die Videokassetten-Version von dem damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Jürgen Wohlrabe (von Herbert Wehner oft als "Übelkrähe" tituliert) vertrieben. Wer also sehen will, wie unsere Freiheit, die heute unter kriegsähnlichen Bedingungen am Hindukusch verteidigt wird vor einigen Jahren noch in Lateinamerika zur Begründung unmenschlicher Unterdrückung und Grausamkeit herhalten mußte, sollte sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen.