Das Album von Céline Rudolph ist eine Hommage für den verstorbenen Sänger Henri Salvador (1917-2008). Der französische Chansonnier gilt als Begründer des französischen Rock'n'Roll, war aber in den Jahren vor seinem Tod auch der lateinamerikanischen Musik zugetan. Er sang zusammen mit Gilberto Gil und Caetano Veloso und feierte im Jahr 2000 ein vielbeachtetes Comeback mit seinem Longplayer »Chambre Avec Vue«, der Kompositionen von Benjamin Biolay und Keren Ann enthielt.
Céline Rudolph erinnert an »Salavador« mit 11 Neuinterpretationen von großen und kleinen Hits des Franzosen, die sie zu sanften brasilianischen Rhythmen und einschmeichelnden Gitarren besingt - eine betörende Melange aus Chanson, Bossa Nova und Jazz. Ihre Stimme kommt dabei der Sanftheit und Weichheit Henri Salvadors sehr nahe, übertrifft sie aber an Präzision, Ruhe und Ausdruck um Nuancen. Man muss einfach hören, wie Céline Rudolph bestimmte Vokale und Silben betont, wie sie die Wörter dehnt und den Liedzeilen dadurch ein eigenes Leben verleiht. Alle Texte dieses Albums (bis auf Track 10) hat sie eingedeutscht und dabei irrsinnig schöne Bilder gefunden. Aus »Maladie d'Amour« macht sie eine »Liebesachterbahn«, »Vagabond« wird zum »roten Boot« und »Chambre Avec Vue« (unbedingter Anspieltipp!) elektrisiert durch seine erotisch hingehauchten Wörter. Im Booklet stehen Zeilen wie »Ein Womöglich, einmal und nie zurück«, aber gesungen wird das zu einem Tongemälde allererster Güte.
»Salvador« ist eine CD mit Gefühl/Einfühlung und Stimme, Poesie und sprachlicher Neugier. Immer auf der Suche nach einer eigenen Ausdrucksform. Den Großteil der Aufnahmen machte Céline Rudolph in São Paulo mit Musikern wie dem Bassisten Rodolfo Stroeter, dem Pianisten Hélio Álves und dem Akkordeonisten Toninho Ferragutti. Weitere Einspielungen entstanden in Deutschland mit Jazzmusikern wie Bassist Marc Muellbauer und Schlagzeuger Wolfgang Haffner. Das passt - und es passt zusammen. Ein kongeniales Miteinander - zudem im Studio perfekt abgemixt.