Travia-Novizin Hesinja steht kurz vor ihrer Weihe. Doch der Graf von Salsweiler gibt sie nicht als Leibeigene frei, sondern nimmt sie als Magd auf. Das intrigenreiche Leben am Hof beginnt schnell, die Moral der jungen Frau zu untergraben...
Alexander Nofftz liefert mit "Salsweiler" eine ausgesprochen stimmige Geschichte ab, die durch kleine Details wie das lebende Inventar der Kneipe richtig lebendig wird. Der Autor schafft es sogar, aus den alltäglichen Herausforderungen am Grafenhof ein kurzweiliges Abenteuer zu machen. Auch die Verknüpfung der beiden Handlungsstränge wirkt nicht aufgepropft, sondern sinnvoll und und in die Geschichte passend.
Da die Handlung sehr ruhig vor sich hinschreitet, müssen die Figuren die Hauptlast der Geschichte tragen, und das klappt durch die gelungenen Charakterzeichnungen sehr gut. Die Charaktere sind glaubwürdig, aber überwiegend klischeefrei, und besonders die Hauptfiguren, Hesinja und Joost, sind sehr vielschichtig und nicht das, für das man sie in ihren ersten Szenen hält. Auch Hesinjas Charakterentwicklung ist stimmig, glaubhaft und nachvollziehbar. Da verzeiht man auch, dass einige Figuren wie die Gräfin etwas blass bleiben.
Punktabzug gibt es für die schlampige Recherche des Autors, der den aventurischen Hintergrund praktisch ignoriert. Der Überwals müsste das Überwals heißen und ein Hexenknoten sollte nicht auf nicht Sumpfranzen wirken, aber das sind eher kosmetische Fehler. Wesentlich schlimmer ist da, wie die Satzungen zur Leibeigenschaft ignoriert werden, um den Plot zu ermöglichen. Bronnjaren mögen auf ihrem Besitz fast allmächtig sein, Leibeigene freilassen oder ihnen die Weihe verweigern sind aber zwei Dinge, die sie explizit nicht können. Ersteres ist gegen die bornische Gesetzgebung, zweiteres gegen den Willen der Götter - ein Graf, der auf weltliches und göttliches Recht spuckt und dann mit dem Wahrer der Ordnung droht, passt höchstens in einen Sketch von Monty Python. Leider ist die Szene völlig ernst gemeint und wirkt ähnlich glaubhaft wie ein Galotta, der sich in seinem Nachtgebet über die mangelnde Praiosfrömmigkeit der Thorwaler beschwert. Die eigentlich unmögliche Tatsache, dass eine Geweihte mit einem Leibeigenen verheiratet ist, stört da auch nicht mehr.
Weitere Kritikpunkte sind das etwas herausforderungsarme Finale und der Epilog, bei dem ein bisschen dick aufgetragen wird.
Wer sich nicht an der DSA-Tradition stört, Regeln und Satzungen dem Plot zu opfern, bekommt mit "Salsweiler" ansonsten eine gelungene, kurzweilige Geschichte geboten. Nur Actionfreunde werden enttäuscht sein, da sich die Handlung fast ausschließlich auf die Charakterentwicklung konzentriert.
Noch zwei Kritikpunkte am Buch selbst: Die Pointe quasi im Text auf dem Buchrücken zu verraten, trägt nicht unbedingt zu Freude des Lesers bei. Außerdem scheint der Verlag eine neue Klebetechnik zu benutzen (ähnlich der DSA3-Abenteuer), die leider dafür sorgt, dass das Buch ständig von allein zuschlägt und man es mit sanfter Gewalt offen halten muss. Den Lesekomfort erhöht man auf diese Weise nicht, das hat mit den Vorgängerbänden mehr Spaß gemacht.