Zuerst einmal: Ich habe dieses Büchlein sowie Musik, Videos und Rhythmusmaschine der beiligenden CD mit Gewinn konsumiert. Es bleibt aber einige Kritik.
Wichtig: Es handelt sich hierbei NICHT um einen Salsa-Kurs! Es werden zwar die grundlegenden Salsaschritte (Basic, Cucaracha) ausführlich in den Videos gezeigt, es gibt sogar eine Seite mit einem Foto über "Tanzhaltung", jedoch gar nichts über Drehungen, Führung, Hüfte, Shines,...
Anliegen des Autors - eines in Deutschland recht bekannten Salsa Lehrers - ist vielmehr das "Tanzen auf die Musik", eine Angelegenheit, die bei Salsa komplexer ist als bei europäischen Märschen und Walzern. Amüsiert hat mich seine Bemerkung, dass es durchaus nicht reicht, Latino oder Latina zu sein, um gut Salsa zu tanzen.
Kurz gesagt geht es um Folgendes: Der Clavero teilt die 4 Takte einer musikalischen Mambo-Phrase in 16 "Slots", in die er 5 Schläge setzt, nach einem festen Muster entweder 3/2 oder 2/3. Gleichzeitig enthalten diese 4 Takte auch die 4 regelmäßigen "down-beat" Betonungen (oft durch ein Melodie-Instrument oder die Gesangstimme akzentuiert) und 4 "off-beats".
Der Tänzer hat in diesen 16 "slots" während seiner Basic-Figur nun 6 Fußbewegungen und 6 Fußplatzierung, etwas vereinfacht: 6 "Schritte".
Wo genau liegen die?
Damit die Sache nun nicht zu einfach wird, haben sich vor allem zwei Tanzformen herausgebildet ("on one" und "on two"). "On one" gilt als einfacher; in der Tanzschule zählt man: "1-2-3--- // 5-6-7---" ("quick, quick, slow, quick, quick, slow"; für den Herren links,rechts,... für die Dame rechts, links,...)
Tanzen "auf 2" ist nun nicht eine einfache Verschiebung dieses Musters auf den "off-beat" (doch auch diese Variante gibt es), sondern auch eine Akzentuierung auf den zweiten Teil der "slows".
Der europäische Rumba-Tänzer kennt dies als Gewichtsverlagerung beim Seitschritt - wenn er Rumba "auf 2" tanzt.
Man zählt "Mambo auf 2" also am besten "2-3---5 // 6-7---1
Das Büchlein führt im 2. und 3. Kapitel nun sehr ausführlich (manchmal m.M. nach etwas zu umständlich) durch diese Problematik, mit vielen Tabellen, die Percussion und Fußbewegungen deutlich darstellen. Ein auf der CD beiliegendes JAVA-Simulationsprogramm erlaubt außerdem ein "Herumspielen" damit.
Das 1. Kapitel heißt "Kurze Geschichte der karibischen Rhythmen und Tänze", wird diesem Anspruch allerdings höchstens in Bezug auf "kurz" gerecht. Es ist zu viel undeutlich und unerklärt und typisches "Kreuzworträtselwissen": "Bolero ähnlicher kubanischer Volkstanz mit 6 Buchstaben?" - Logisch! "Danzon"! Aber was ist "Danzon"??? Die meiste - wenige - Information findet sich auch woanders im Internet unter Geschichte des Mambo o.ä. Zur "Merengue" schreibt der Autor z.B.: "Über die Ursprünge der Merengue herrscht allgemeine Unklarheit." :-)
Allerdings findet man in diesem Kapitel viele berühmte Namen der Mambo- und Salsa-Szene.
Etwas irritierend die langen Vorworte und dazwischen geschaltete Interviews, die zusätzlich noch im spanischen Original wiedergegeben werden, aber wenig Erhellendes liefern.
Die beiligende CD enthält Salsa-Rhythmen (Clave, Clave+Conga, Clave+Conga+Piano, 2/3 Clave, 3/2 Clave,....) als Audio Tracks, sowie auf dem Digitalteil Buchkapitel begleitende Briefmarken große Videos mit dem Setzen der Damen- und Herrenschritte und eine Rhythmusmaschine, mit der verschiedene Percussion-Muster in verschiedener Geschwindigkeit erzeugt werden können, auch mit animierter Fußbewegung.
Dies ist durch Browser-Seiten benutzbar, Videos und Bilder liegen aber auch frei zugreufbar in einem CD-Verzeichnis. Im letzten Buchkapitel finden sich Installationshilfen, falls die CD nicht von alleine loslegt.
Ich musste aus unerfindlindlichen Gründen noch einmal Quicktime nachinstallieren. Und ein zugegebenermaßen sehr alten CD-Spieler erkannte nicht die Audiospuren auf der Mixed-Mode CD.
Interessant ist dieses Büchlein sicherlich für Tanzschullehrer und "Hard Core Salseros".