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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Salon - ein Skandalon,
Von
Rezension bezieht sich auf: Salon Deutschland: Geist und Macht 1900-1945 (Gebundene Ausgabe)
Die ästhetische Moderne - sie gab sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im Salon des Münchner Verlegerpaares Hugo und Elsa Bruckmann ein Stelldichein. Alles, was Rang und Namen hatte und sich mehr oder weniger dazu zählte, war hier vertreten: Künstler und Literaten, Philosophen und Psychologen. Klangvolle Namen durchweg - wie Rilke und Thomas Mann, Stefan George und Karl Wolfskehl, Wölfflin und Klages, Gundolf und nicht zuletzt der unselige Chamberlain und viele mehr. Und Hitler...Es war so schrecklich modern und "schmückte" eine großbürgerliche Familie so sehr, einen solchen Salon zu führen. Und so stand dies auch Elsa Bruckmann zu. Dass sie es geschickt anfing, die geistige Elite der Zeit zu sich einzuladen, muss man ihr lassen. "Von den Gästen musste jeder etwas von seinem Geist und seinen Gedanken mitbringen, man ging dort auf geistigen Stelzen." Was allerdings aus diesem Salon von 1899 an bis 1945 wurde, steht auf einem anderen Blatt. Wolfgang Martynkewicz führt den Leser sachkundig und geschickt durch die Zeit, in den Salon und zu den Protagonisten, mit eindrucksvollen Porträts. Er skizziert den Anspruch der geistigen Elite, die Welt neu zu sehen - oder neu zu erfinden. Und er zeigt zumindest am Beispiel des Salon Bruckmann, der allerdings etwas übertrieben "Salon Deutschland" benannt wurde, wie unvereinbar letztlich doch Geist und Macht sind - beziehungsweise: welche oft perverse Komplizenschaft gegeben war. Die Schilderungen zum und über den Ersten Weltkrieg - der Geist verlor seine Unschuld - machten das deutlich. Ab 1920 tauchte Adolf Hitler in diesem Salon auf, begeistert, in jedem Fall von Elsa Bruckmann, aufgenommen. Das großbürgerlich Publikum und die kunstsinnige Elite zeigten sich von seiner "Art Dämonie" angetan. Die politische Ereignisse der kommenden Jahre sollte zeigen, welcher Art die Dämonie war. Das Ende ist bekannt. Der Salon wurde zum Skandalon. Martynkewicz' Buch bündelt die geistige Strömungen der Zeit zu einem einzigartigen Porträt; es weist auf die Ereignisse hin und weiß die Verstrickungen der Akteure der Zeit abzubilden. So ergibt sich ein umfassenden Bild der Periode und damit - festgemacht am Salon Bruckmann - ein höchst interessante Stück Zeit- und Ideengeschichte. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bildungsbürgertum sub specie Nazi,
Von
Rezension bezieht sich auf: Salon Deutschland: Geist und Macht 1900-1945 (Gebundene Ausgabe)
Salon Deutschland: Geist und Macht 1900-1945 Das Werk ist eines der wenigen Bücher, die solides geistes- und literaturgeschichtliches Wissen mit einer lebendigen Darstellung von Zeitgeschichte verbinden. Ich möchte es mit einem Strom vergleichen, der sich aus einer Vielzahl kleiner Nebenflüsse speist und im trüben Meer der ideologischen Verblendung mündet. Fast zwei Drittel des Buches ist komprimierten Darstellungen der im Hause des Münchener Verlegers Bruckmann und seiner Frau Elsa, geborener Prinzessin Cantacuzène, verkehrenden Intellektuellen und Dichter und ihrer Gedankenwelt gewidmet. Aus ihnen schafft der Autor ein buntes Mosaik der verschiedensten geistigen Strömungen, die von Houston Chamberlain zu Franz Marc, von Hofmannsthal zu George, von Kassner zu Klages, von Thomas Mann zu Rilke, von Hellingrath zu Wolfskehl reichen. Allen diesen Personen ist gemeinsam, dass sie im geistig Ungefähren leben und schaffen. Unter ihnen ist kein kritischer Geist wie Maximilian Harden oder Karl Kraus zu finden. In diesem ideell übersättigten, ja dekadenten Zirkel bildet sich langsam, fast unerkennbar die Erwartung, ja fast die Hoffnung auf eine große Menschheitskatastrophe heraus, die dann mit dem Ersten Weltkrieg auch eintritt.Nach dem für Deutschland verlorenen Krieg findet dieses elitäre kleine Reich nicht etwa zur Republik und der Demokratie wie zum Beispiel Rathenau, sondern driftet ins resigniert Übelnehmerische ab. Aus dieser miesen Stimmung findet diese alternde Gruppe um das Ehepaar Bruckmann Erlösung durch die jugendliche Gestalt des noch unverbrauchten AH. Er und Rudolf Hess bilden die Stützen einer versuchten Wiederaufrichtung aus dem Chaos der Münchener Räterepublik. Und so nimmt das Schicksal der Verblendung seinen Lauf. In diesen Kreisen, zu denen auch die Frau des Klavierfabrikanten Bechstein und die Hüterin des Bayreuther Grals, Winifred Wagner gehören, übersieht man das Verbrecherische und Zerstörerische der NS-Bewegung oder will es nicht wahrhaben und stürzt sich und das von ihr repräsentierte Bildungsbürgertum ins Verderben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Feuilletonistischer Tratsch statt dichter Beschreibung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Salon Deutschland: Geist und Macht 1900-1945 (Gebundene Ausgabe)
Wer die umfangreiche Studie von Wolfgang Martynkewicz zur Hand nimmt, der wird wissen, dass sich in den deutschsprachigen Metropolen - vor allem in Berlin und Wien - um 1900 ein hochbrisantes Gemisch aus Hochkultur, Rassismus und völkischem Denken zusammengebraut hat. Eine glänzende Studie dazu liegt seit einiger Zeit mit Brigitte Hamanns Monographie Hitlers Wien" (1998 ff. bei Piper) vor.Auch Martynkewicz scheint der Historie der Mesalliance zwischen deutschem Geist und deutschem Ungeist zwischen 1900 und 1945 nachspüren zu wollen. Methodisch hat sich der Autor an Clifford Geertz' Konzept der "dichten Beschreibung" orientiert und eine kleine "Brennweite" gewählt: An der Geschichte des Verlegerehepaares Bruckmann exemplifiziert Martynkewicz die Verstrickung der deutschen "Hochkultur" in die geistige Genese der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. So jedenfalls der Anspruch. Das Ergebnis indes fällt in weiten Teilen ernüchternd aus. Den beiden Rezensenten, die sich bislang lobend und charmante Nettigkeiten austauschend über Martynkewicz' Arbeit geäußert haben, muss bedauerlicherweise widersprochen werden. "Salon Deutschland" löst die hochtrabenden Ansprüche keineswegs ein. Und man kann nur spekulieren, woran das liegen mag: am dann doch überfordernden Sujet, an der eher kargen Quellenauswertung oder aber - und vielleicht am wahrscheinlichsten - an der fehlenden kritisch-historischen Ausbildung. Methodisch steht die Arbeit Lothar Galls "Bürgertum in Deutschland" (1989) nahe. Gall zeichnet die Sozial- und Mentalitätengeschichte des deutschen Bürgertums am Beispiel der Familie Bassermann nach. Bis heute ein geschichtswissenschaftliches Meisterwerk. Und zwar vor allem deshalb, weil Gall es virtuos versteht, die "Brennweiten" zu wechseln, weil er es versteht, aus einem bürgerlichen Makrokosmos Rückschlüsse auf die großen geistes-, sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklungen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert zu ziehen - et vice versa. Gall hat in herausragender Weise gezeigt - um ein Wort Droysens zu paraphrasieren -, wie aus Geschäften Geschichte wird. Daran scheitert Martynkewicz gründlich; er bleibt dem Privaten, dem Biographischen, verhaftet und beschreibt amouröse Tändeleien, wo der Leser ein Aufblenden ins Politische, Geistesgeschichtliche, Historische erwartet, ja erwarten darf. Die Affinität zum Apolitischen ist ein Grundzug dieses gut sechshundertseitigen Werkes von Anfang bis Ende. Er erklärt, warum "Salon Deutschland" substantiell nicht an Arbeiten wie etwa die von Hamann heranreichen kann: Ideen und Ideologien bleiben durchweg punktuell und individuell; ja sie bleiben Privatsache. Alldeutsche, völkische Bewegungen werden aus dieser engen Perspektive ebenso wenig erkannt wie soziale und wirtschaftliche Impulse, wie die spätestens seit den 1920er Jahren systematisch betriebene Mobilisierung der Massen, wie die Gegenläufigkeit von Germanenkult und gesellschaftlicher Modernisierung usw. So beschreibt Martynkewicz eine Welt, in die der Kanonendonner der Weltkriege, der Lärm der Revolution 1918/19 und zuletzt das Elend der durch das NS-Regime Gepeinigten und Gemordeten nicht dringen kann. Eine alles in allem mental zwar etwas krude, aber harmlose Welt. Aus der erhofften Plastizität von Martynkewicz' Beschreibung wird so ein bisweilen affirmativ anmutender antiseptischer Diskurs. Einer der allzu kühl und distanziert wirkt, einer, dem die kritische Interpretation und Aneignung - methodisch und sachlich - fremd zu bleiben scheint. Bei allem Engagement, das dem Verfasser zweifelsohne zugestanden werden muss, ist zu hoffen, dass diese Form der Zeitgeschichtsschreibung nicht Schule machen wird. Inhaltlich ist die Geschichtswissenschaft - namentlich die deutsche und die englische - über dieses Stadium bereits in den 1980er Jahren hinaus gewesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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