Katja Behrens
Salomo und die anderen
In sieben Geschichten erzählt Katja Behrens vom jüdischen Leben.
Es geht nicht um den Holocaust damals, sondern um die Auswirkungen heute.
Da ist Juliette, die in einem Kloster versteckt wurde und heute immer noch darunter leidet, da ist ein alter Mann am See Genezareth, der aus Deutschland zu kommen scheint, der einmal ein distinguierter Herr gewesen sein muß, dem Schreckliches widerfahren sein muß, der sich nun gerne mit deutschen Touristen unterhält, ihnen nichts Konkretes von seinem Schicksal verrät, und doch alles zwischen den Zeilen offenbart.
Da ist die Schriftstellerin, die sich im kleinen Ort S. auf die Suche nach dem verschollenen jüdischen Arzt Arthur Mayer macht, und immer noch auf eine Mauer des Schweigens und der Angst stößt. Ganz zu schweigen von den antisemitischen Drohungen in ihrem Briefkasten, die ihre Nachforschungen begleiten.
Und da ist die Geschlagene und Getretene, die nun ihr Kind schlägt. Denn wer gequält wurde, der muß wieder quälen. Eine Lebensweisheit, die auch auf das Leben von Leonid zutrifft, der in sowjetischen Lagern war und nun andere Menschen mit seinen inneren Dämonen quält. Niemand kann es in seiner Nähe aushalten.
Mir gefiel das Buch nur so mittelmäßig. Obwohl ich die Intention des Buches gut fand, zu zeigen, wie sich der Holocaust immer noch auswirkt, wie die Opfer immer noch auf Unverständnis stoßen, die Täter dagegen mit Verständnis rechnen dürfen, wie immer noch gerne alles unter den Teppich gekehrt wird und der Deckel draufgehalten (ein Ausdruck aus dem Buch), hat mich das Buch doch merkwürdig kalt gelassen.
Es hat einen hohen literarischen Anspruch, bedient sich einer sehr distanzierten Sprache und Darstellung. Das Ich in den einzelnen Geschichten blieb merkwürdig blass.
Auch gefällt es der Autorin, dem Leser wenig Anhaltspunkte zu geben, er muß sich zum großen Teil selbst in der Geschichte zurecht finden. Manche Spielereien in der Art sind ganz originell, da wird Israel nicht benannt, sondern das Land der Nasen genannt, und Deutschland das Land, aus dem das Gas kam. Doch in anderen Fällen wurde die Verschleierung und Kargheit der Darstellung ein wenig zu weit getrieben, und Leser, die nicht den gleichen Referenzrahmen wie die Autorin haben, verstehen möglicherweise nicht alles in der Geschichte.
Obwohl mich das Thema des Buches also sehr interessiert hat, hat mich die Umsetzung doch enttäuscht.