Es schwingt immer noch in mir.
Wir befinden uns weit ab vom weltlichen Trubel, in Alaska in dem kleinen Ort Kotzebue, unweit von Bleiminen. Das Leben ist hart und unerbittlich. Wenige Freuden können genossen werden. Bingo ist der Höhepunkt.
Und es gibt eine Bibliothek. Eine Mitarbeiterin, Roswitha 46 jährig, stammt aus einem fernen Land, welches damals DDR genannt wurde. 1969 versucht sie 24 jährig mit ihrem Mann durch einen Tunnel nach Westberlin zu fliehen. Sie werden verraten und ihr Mann verblutet vor ihren Augen. Kein Halten gibt es mehr in Deutschland, sie will fort, so weit wie möglich . Die Jahre gehen ins Land, gedanklich kann sie ihre Geschichte jedoch nicht verarbeiten, sie ist noch wie am ersten Tag verletzt. Sie erbaut um sich ein Schutzwall, richtet ihr Leben in Einsamkeit voll im Gedenken ihres Mannes ein, der noch in ihrem Herzen lebt. Um diese Illusion auf recht erhalten zu können, weckt sie jedes Jahr Beeren ein, denn sie und ihr Mann haben leidenschaftlich gern Beeren gesammelt. Ihr Schlafzimmer besteht aus einem Bett und die Wände und Fenster zieren Einweckgläser voll mit roten Beeren. Somit entsteht eine besondere Lichtatmosphäre, hüllt sie ein und lässt ihr Leben erträglicher werden.
Eines Tages steht eine Person in der Bibliothek, sehr still, ihr mit dem Rücken zu gewandt und verlangt ein Buch über Kotzebue. Wie sich heraus stellt ist es eine junge Frau. Auch eine einsame Seele, jedoch bedürftig ihre Herkunft und Geschichte zu erfahren, denn sie ist ein Findelkind. In einer Pappkiste aufgefunden, zusammen mit einer Kette und ein auf Pappe geschriebener Name 'Kotzebue'.
Wir sind dabei, wie sich langsam zwischen den beiden verletzten Seelen eine tiefe emotionale Beziehung entwickelt. Es ist für beide wie eine Naturgewalt, der sie sich nicht entziehen können und erkennen, dass sie nicht mehr allein sind. Sie geben einander einen anderen Namen, mit dem sie jeweils der Anderen ihre Liebe und Respekt zeigen. Die junge Kotzebue erwünscht sich körperlich mehr. Doch Roswitha kann ihr diese Nähe zu diesem Zeitpunkt nicht schenken. Schon allein wegen dieser Szene, die unheimlich sensibel gedreht wurde, ist der Film absolut sehenswert.
Ein Film der mich sehr beeindruckte und sich tief in meinen Sinnen festgesetzt hat.