„Wahnsinnskarriere", „Die Gründer", „Da waren's nur noch neun", und sechs Jahre nach der ersten Publikation nun das neuste Geschichtenbuch „Sales Tales, - Die 20 größten Irrtümer über den Verkauf". Der 1961 geborene Geologe, Marketingexperte Wolfgang Schur und der drei Jahre ältere Diplomkaufmann und Softwarevertreiber Günter Weick haben heute eine gemeinsame Beratungsfirma. Und sie schreiben Bücher.
Positioniert haben sie ihre bisherigen Werke durch die Verpackung. Denn sie weben ihre Tipps, Erfahrungen und Ratschläge in eine Geschichte ein. Regel, Story, Erläuterungen und Fazit. Dieses Rezept haben sie zwar nicht erfunden, aber im deutschen Sprachraum konsequent angewendet und populär gemacht. Das Vorwort verleitet allerdings zur Annahme, dass den beiden der Erfolg etwas in den Kopf gestiegen ist. Denn so umwerfend neu sind ihre Erkenntnisse nun auch wieder nicht, um dieses Verkaufsbuch als einsame Perle inmitten von Wissensmüll zu bezeichnen. Doch immerhin bringen sie Verstreutes unter einen Hut, der durch seine Form sehr viel anziehender wirkt als die pädagogischen und komplizierten Konkurrenzprodukte.
Die zwanzig Irrtümer, von denen sich Verkäufer schleunigst verabschieden sollten, sind gut ausgewählt. Die Gefahr besteht allerdings, dass sie durch den Irrtum ersetzt werden, Wolfgang Schur und Günther Weick seien im Besitz der Wahrheit und das Abschwören von bisherigen Verkaufsmythen genüge, um Berufskollegen hinter sich zu lassen. Wer jedoch dieser Versuchung widersteht, wird von der Lektüre profitieren, weniger schematisch und stur auf Kunden zugehen und mehr vom Umfeld des Verkaufens begreifen.
Die Story an sich ist weder schlecht noch berauschend. Das liegt wohl in der Natur der Sache, wenn man trotz aller gegenteiligen Beteuerungen Lehrvorträge literarisch verpacken will. Man spürt die Absicht und ist verstimmt, wurde dieser Ansatz von Altmeister Goethe bezeichnet.
Trotz all dieser Vorbehalte ist mir dieses Verkäuferbuch noch immer sehr viel sympathischer als die meisten „How to do -Versionen" der Konkurrenz. Und ich glaube auch, dass Schur/Weick mit ihren Verpackungsgeschichten grössere Wirkung erzielen als vermeintlich präzisere Rezeptbücher mit genauen Mengenangaben und Ablaufplänen.