Nachdem die Fans in den Vergangenen Jahrzehnten bisher leider nur mit sehr wenigen gut zu nennenden Stephen-King-Verfilmungen verwöhnt wurden, und leider Gottes gerade seine spannendsten Werke (siehe ES, Christine' etc.)oftmals in derart peinliche Filme gepackt wurden, dass man nicht wusste ob man lachen oder weinen sollte, war es nun endlich mal wieder Zeit, dass sich die treue King-Leserschaft an einer gelungenen und handwerklich soliden Filmadaption eines seiner stärksten Werke erfreuen durfte.
Prinzipiell lassen sich Stephen-King-Verfilmungen in zwei Kategorien unterscheiden, nämlich in solche, die den '>>stephen-kingschen Grundtonus<<' zu transportieren versuchen und solche die diesen Anspruch gar nicht erst haben nicht haben. Interessanter Weise sind bislang aus beiden Kategorien sehr gute Filme wie auch absolute filmische Katastrophen hervorgegangen. Erinnern wir uns bspw. an die erste Shining-Verfilmung mit Jack Nicholson, die ja eine seeeeeehr freie Interpretation der Buchvorlage darstellte - aber heraus kam schließlich doch ist ein genialer Film'.
Das Remake von Salems Lot ist prinzipiell der ersten Kategorie zuzurechnen und auch wenn man es nicht unbedingt als Sternstunde des modernen Horrorfilms bezeichnen kann, stellt es eine ordentliche Arbeit mit viel Respekt vor der Romanvorlage dar, an welcher die Romanliebhaber ihren Spaß haben dürften. Denn man merkt dem Film einfach an, dass hier Menschen am Werk waren, die viel Arbeit und Herzblut investiert haben, um neben der Handlung selbst auch die wichtigsten der im Buch beschriebenen Gedanken und Eindrücke des Hauptprotagonisten Ben Mears sowie allgemeine aber bedeutsame atmosphärische Beschreibungen und Erklärungsansätze zur Stadt, ihrem Charakter und ihren Einwohner in den Film einzubinden - eben jene Kleinigkeiten auf welchen die Atmosphäre jedes King-Roman fußt. Und das Resultat lässt sich sehen! Herausgekommen ist ein rundes Werk, das in kingscher Manier die einzelnen Facetten des Kleinstadtlebens (was schleichend, nach und nach völlig aus den Fugen gerät)zu beleuchten weiß ohne dass es langweilt oder aufgesetzt wirkt.
Auch die Besetzung der einzelnen Rollen überzeugt größtenteils. Allen voran Dan Byrd, der in der Rolle des Mark Petrie trotz seiner Jugend viele seiner Erwachsenen Kollegen an die Wand zu spielen weiß und Rob Lowe, der mit den Jahren immer besser wurde und die Rolle des gebrochenen Helden Ben Mears perfekt ausfüllt. Als einzigen Kritikpunkt wäre vielleicht Samantha Mathis zu nennen, die als Susan Norton mehr als blass wirkt (bösartige Menschen könnten bzgl ihres schauspielerischen Talentes den Vergleich zu Darstellern vorabendlicher Soaps ziehen). Aber angesichts der übrigen Besetzung ist dies zu verzeihen.
Natürlich wurden, um sich in den tausen nebenhandlungessträngen der Vorlage nicht zu verlieren, in der Handlung einige Änderungen vorgenommen. Aber auch diese sind im Großen und Ganzen gelungen und stimmig. So werden Handlungsstränge, die im Buch auf mehrere Personen verteilt sind gepackt oder angedeutete Beziehungen etwas weiter ausgebaut (z.B. zwischen Weasel und Eva) - dies aber alles so gekonnt, das keine der Änderungen wirklich störend wirkt. Ach wurde die ursprüngliche Rahmenhandlung des Buches gestrichen und durch eine neue ersetzt, die dem Medium Film mehr entgegenkam - dies aber ebenfalls '>>im Sinne des Meisters<<'. So schlägt der Film (was vor allem die 'Dark-Tower'-Leserschaft begeistern dürfte) u.a. in seiner Rahmenhandlung die Brücke zur Saga des dunklen Turms, wo Pater Callahan als Leiter eines Obdachlosenheims wieder auftaucht. Man sieht: Hier hat sich jemand mit dem Stoff, den er verfilmte beschäftigt! Bravo!
Der einzige Grund, weshalb ich nach soviel Lobhudelei keine 5 Sterne vergeben kann ist die Umsetzung der im Buch sehr drastischen und Nerven zerreißenden Szenen des Finales. Habe ich bei dem Lesen des Buches vor Spannung fast mein Kopfkissen zerkaut, so wirkt die filmische Umsetzung einfach nicht wirklich erschreckend und ziemlich brav. Dies liegt vor allem an der Regie- und Kameraarbeit, die sich, wie es scheint, zu sehr darauf konzentrierten, die Szenen originalgetreu wieder zu geben und darüber den Spannungsbogen zeitweise aus den Augen verloren. Und was, wie man weiß, in einem Roman erschreckt, funktioniert auf der Leinwand eben oftmals nicht...leider. Wo eigentlich effektive Zwischenschnitte und dramaturgische Raffinesse gefragt gewesen wären sehen wir statt dessen den Vampir in voller Breite wie er spricht, mit den Augen rollt, böse grinst.....und einfach nicht erschreckt. Schade! Hier hätte man sich doch etwas mehr Zeit für Schnitte und Feinheiten nehmen sollen.
Fazit: Salem's Lot ist eine gelungene und lange überfällig gewesene Neuverfilmung des King Bestsellers, die mit Liebe zum Detail, die vor allem Freunden des Buches sehr gefallen dürfte. Mit toller Filmmusik und stimmungsvollen Bildern weiß der Film seine Geschichte atmosphärisch dicht und überzeugend zu präsentieren. Kleinere Schwächen gibt es zwar '- wie bei jedem Film -' auch zu benörgeln, aber diese können das positive Gesamtbild nicht überschatten. Deswegen:4 Punkte