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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
23 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kleiner Mann liebt große Frau.,
Von
Rezension bezieht sich auf: Salami Aleikum (DVD)
Diese Geschichte ist ja nicht gerade neu, aber sie wurde selten so schön, komisch und anrührend, wie in Ali Samadi Ahadis Film -Salami Aleikum- erzählt. Der 38jährige deutsche Regiseur, der im Iran geboren wurde, hat seinen Film in einer Art Symbiose aus Jean Pierre Jeunets -Fabelhafte Welt der Amelie- und Fatih Akins -Im Juli- auf Zelluloid gebannt. Das ist verspielt, experimentell, hochkreativ und absolut lustig gelungen.Mohsen Taheri(Navid Akhavan) ist der Sohn eines Schlachters in Köln. Sein Vater Abdul(Michael Niavarani) will, dass Mohsen die Schlachterei übernimmt. Aber Mohsen kann kein Blut sehen. Viel lieber sitzt er in seinem Zimmer und strickt. Als es zur Konfrontation zwischen Vater und Sohn kommt, versucht Mohsen seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, in dem er angibt, die Schlacherei zu übernehmen. Als erstes schließt er ein Geschäft mit einem windigen Landsmann ab, um "prima Musterschaf" aus Polen einzukaufen. Auf dem Weg dorthin bleibt Mohsen in dem kleinen, ostdeutschen Kaff Oberniederwalde hängen. Dort wird er in der Gaststätte von Herrn Bergheim(Wolfgang Stumph) so empfangen, wie man sich das als Migrant in seinen schlimmsten Träumen vorstellt. Lediglich Bergheims Tochter Anna(Anna Böger), die eine Reperaturwerkstatt im Ort betreibt, kümmert sich um Mohsen. Und der verknallt sich in die ehemalige Kugelstoßerin. So kommt es, wie es kommen muss. Mohsen erzählt den Dorfbewohnern Märchen und die glauben, dass er der Sohn eines reichen iranischen Textilmagnaten ist. Was läge da näher, als die leerstehende VEB-Oberhemden-Fabrik wieder aufzubauen. Eine Fabrik, an der Vater Bergheims ganzes Herz liegt. Dafür gibt er seine Anna gern an Mohsen ab. Als dann jedoch Mohsens Vater samt Gattin in Oberniederwalde erscheint, droht das Fantasygebäude Mohsens zusammenzubrechen... Ali Samadi Ahadi hat das perfekt hinbekommen. Er spielt mit der Geschichte, blendet die Realität aus, wann immer es ihm passt. Lässt die Kulissen durch Bilder oder animierte Landschaften ersetzen, nötigt seinen Protagonisten immer wieder ab, ein paar erklärende Worte, außerhalb der Spielhandlung versteht sich, in die Kamera zu sprechen und begleitet sein Schelmenstück mit einer weiblichen Erzählstimme, die in jedem Brüder Grimm Märchen auftauchen könnte. Ahadi haut uns die Vorurteile, Klischees und Eigenheiten unserer Gesellschaft nur so um die Ohren, allerdings ohne, dass es weh tun würde. Im Gegenteil, vermutlich kann nur ein Migrant die Dinge so sehen, wie sie sich in der Wirklichkeit manchmal abspielen. Dabei ist sich Ahadi auch nicht zu schade, beide Seiten der Medaille ungeniert auf die Schippe zu nehmen. Ihm ist es völlig schnuppe, ob es um Fremdenfeindlichkeit, die Unterdrückung der Frau, oder Doping zu DDR Zeiten geht. Ahadi lässt nichts aus. -Salami Aleikum- ist gnadenlos gut besetzt. Egal ob Stumph, Akhavan oder Böger, die Akteure sind ganz große Klasse in ihrem Wirken. Mein persönlicher Favorit war jedoch Michael Niavarani. Wie er den Vater Abdul spielt und dabei 50 Jahre Gastarbeitertum in Deutschland provoaktiv und urkomisch in diese Rolle packt, das hat mich vor Lachen fast vom Stuhl gehauen. Schauen sie sich das also an. Wenn Mohsen mal wieder schluckt, weil er nicht weiß, wie es weitergehen soll, oder panisch zu den Stricknadeln greift. Ich habe mich von Ahadis Film fantastisch unterhalten lassen und kann ihnen dieses Kleinod deutsch/iranischer Kulturgeschichte im Westentaschenformat nur wärmstens ans Herz legen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Metzgersohn trifft auf Vegetarierin,
Von
Rezension bezieht sich auf: Salami Aleikum (DVD)
Erzählt wird die Geschichte des strickenden Metzgersohnes Mohsen, der als Endzwanziger noch bei seinen Eltern lebt und kein Blut sehen kann. Er ist Deutsch-Iraner und sein Vater schwärmt fortlaufend von der guten alten Zeit, in der er noch ein 'General' war. Jetzt ist er aber, wie gesagt, nur noch Metzger in Köln und lässt selten ein gutes Haar an seinem einzigen Nachkommen. Dieser lässt sich auf ein dubioses Schaf-Geschäft mit einem Polen ein, als er gerade mal den Laden führen muss. Auf dem anschließend Weg nach Polen versagt seine alte Karre und er landet in einer sehr ländlichen Gegend im Osten. Die Dorfbewohner empfangen ihn nicht gerade mit offenen Armen, aber er lernt die einst gedopte Ex-Kugelstoßerin Ana kennen, die Tochter des Dorfwirts und ihres Zeichens Autoschrauberin. Sie versucht seinen Wagen wieder flott zu bekommen, aber natürlich kommt es dabei zu einem Unfall, Mohsen ist außer Gefecht gesetzt und Ana muss nun den Wagen nach Polen lenken. Dabei kommt man sich in diversen skurrilen Situationen (gerade an der Grenze) gewollt oder ungewollt näher.Aufgrund diverser Halb- und Unwahrheiten verstrickt sich Mohsen immer mehr in die Geschichte, dass er Abkömmling eines reichen Textilmoguls ist. Der Vater von Ana wittert Morgen(land)luft. Die inzwischen stillgelegte Textilfabrik am Ort liegt ihm besonders am Herzen und er ist plötzlich unglaublich zuvorkommend und freundlich gegenüber Mohsen, wie ausgewechselt, da er den benötigten Rubel heranrollen sieht. Als dann noch unerwartete die Eltern von Mohsen, auf der Suche nach ihrem verschollenen Sohn im Ort auftauchen, ist die Verwirrung perfekt..... Erinnert von der Machart ein wenig an "Die fabelhafte Welt der Amelie". Im Verlauf fließen filmische Elemente von Animation und Bollywood (Tanzszenen) ein. Sehr bunt, sehr schrill aber recht harmlos. Anna Böger, in ihrer Rolle als burschikose Ana hat mir besonders gut gefallen. Aber auch Navid Akhavan als Mohsen kommt gut herüber. Klar, dass ganz ist ziemlich überdreht, aber für einen vergnüglichen DVD-Abend genau das Richtige. Ich habe den Film im Programmkino gesehen und kam jedenfalls recht beschwingt aus der Vorstellung. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wunderbar - Völkerverständigung nicht nur für Exiliraner und Ossis!,
Von jazz-stern "jazz_stern" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Salami Aleikum (DVD)
Die Komödie Salami Aleikum spricht durch ihren Plot natürlich in erster Linie eine bestimmte Zuschauergruppe an - oder eigentlich zwei, nämlich zum einen Exiliraner in Westdeutschland und zum anderen Ostdeutsche. Beide Gruppen werden in dieser Komödie im wahrsten Sinne des Wortes "verwurstet" - schließlich handelt es sich beim Iraner Mohsen um den Sohn eines Schlachters - aber dies geschieht auf eine so liebevolle, augenzwinkernde Weise, dass man sich als Angehöriger einer der beiden Gruppen auf gar keinen Fall auf den Schlips getreten fühlt. Wer nur einen Funken Humor hat, findet sich in der skurrilen, etwas überdrehten Story wieder, auch wenn er keiner der beiden Gruppen angehören sollte.Zunächst mal besticht der Film durch die nette Plotidee und die schrulligen Charaktere. Mohsen, der schüchterne, zierliche Schlachtersohn aus Köln, der gerne strickt, kein Blut sehen kann und überhaupt recht "unmännlich" daherkommt; sein in der Vergangenheit des glanzvollen persischen Reiches schwelgender Vater; Ana mit dem engelgleichen Lächeln, die ehemals gedopte deutsche Eiche der schauerlichsten ostdeuschten Provinz; Anas Eltern, die in ihrem Kaff niemals die "blühenden Landschaften" kennengelernt haben und mit ihrer spießigen provinziellen Engstirnigkeit für einen großen Teil des (nicht nur ostdeutschen!) Volkes stehen - wenn diese Charaktere aufeinandertreffen, ist Chaos vorprogrammiert. Nun ist Salami Aleikum beileibe nicht die erste Komödie, die deutsch-deutsche Befindlichkeiten aufs Korn nimmt und sich an den Konflikten zwischen Ost und West (in diesem Fall eigentlich eher "Ost" und "noch östlicher") aufreibt. Dennoch sind die Gags nicht ausgelutscht - manche sind sogar wirklich grandios. Eine der besten Szenen ist das Saufgelage der beiden Väter, die sich bei einem Schnaps nach dem anderen näher kommen, sich ihre ausgedienten Uniformen längst untergangener Staaten vorführen und dabei einen Dialog führen, der hintersinnig skurril ist. Anas Vater, ganz der weltunerfahrene, ein bisschen prollige und latent ausländermisstrauische Ostdeutsche, nennt Mohsen immer unabsichtlich mit dem hebräischen Namen "Moses". Natürlich wird er permanent von Ana, Mohsen oder dessen Eltern verbessert. Dieses Verbessern hat sich Mohsens Vater so angewöhnt, dass er es auch im Suff noch tut - ausgerechnet dann, als Anas Vater tatsächlich endlich korrekt "Mohsen" sagt und dessen Vater im Affekt "Moses!" verbessert. Herrlich. Auch die Szene, in der Mohsen sich auf den Weg von Köln nach Polen macht, ist hervorragend umgesetzt. Just, als er in ostdeutsche Gefilde einfährt, wird es Abend und schließlich Nacht - ein schönes Bild für "Dunkeldeutschland", wie Ostdeutschland ja heute noch von vielen (die oft selber nie dort waren), bezeichnet oder gedacht wird. Andere Gags sind platter und vorhersehbarer, aber deshalb nicht weniger unterhaltsam - so der unvermeidliche "Dorfrechte", der die von Anas Vater in der Dorfkneipe gekochten persischen Gerichte als "endlich mal vernünftige Küche" bezeichnet. Und natürlich ist der Schluss überspitzt und auf glanzvolles Happy End getrimmt - aber das ist gewollt und passt zum Stil eines Märchens aus tausendundeiner Nacht. Bei allem Witz und Skurrilität dominieren im Film auch die stillen, besinnlichen und tiefsinnigen Töne. So klischeehaft sich die Charaktere benehmen - von Mohsen und Ana abgesehen - so nachvollziehbar ist ihr Handeln, und so findet man sich als ehrlicher und amüsierter Zuschauer auch in ihnen wieder. Der Blick wird tiefer gelenkt - weg vom äußerlichen Gehabe, hin zum inneren Antrieb des Handelnden. Es ist eben mehr als ostalgisches Lamentieren, wenn Anas Vater den Niedergang der örtlichen Textilfabrik beklagt, und es steckt mehr hinter dem überspitzen persischen Patriotismus von Mohsens Vater als das despotische Gehabe eines Paschas. Die schöne Quintessenz aus diesem kunterbunten Fleckenteppich der Klischees lautet: So unterschiedlich die Gruppen sind, die hier aufeinanderprallen; irgendwie sind sie sich doch sehr ähnlich. Anas Vater mag "Ausländern" gegenüber recht unaufgeschlossen sein, ganz der "typische" Ostdeutsche - aber Mohsens Vater ist es nicht minder; dies wird wunderbar deutlich in der urkomischen Szene, in der sich beide gegen "die Chinesen" verbünden. Vorurteile, Misstrauen und Missverständnisse gibt es also auf beiden Seiten, und das Unterhaltsamste ist, dass beide Seiten eigentlich ursprünglich gar nicht daran interessiert sind, sich diesbezüglich weiterzuentwickeln. Es ist ja auch so praktisch, in alten Denkweisen stecken zu bleiben. Aber zum Glück sind da Mohsen und Ana, die mit ihrer unkonventionellen Liebe das Märchen der Völkerverständigung wahr werden lassen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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