Ein nicht unerheblicher Distinktionsgewinn innerhalb der Popmusik kann das Ausleben der eigenen Wut sein. Tegan And Sara müssen dies erkannt haben und legen mit "Sainthood" ein erstaunlich rockendes Album vor, das zu keinem Zeitpunkt die wütende Entstehungsgeschichte vergessen lässt.
Komme was wolle, derzeit sind Tegan And Sara die beliebtesten Geschwister des Independent. Im vergangenen Herbst verkauften sie das Berliner Astra komplett aus, obwohl The Gossip parallel spielten, die Zielgruppe ähnlich sein dürfte und es kein neues Album vom Duo gab. Was nun endlich nachgeschoben wird: "Sainthood" könnte als aggressivstes Werk der Schwester in die Bandgeschichte eingehen, denn Tegan And Sara können kaum an sich halten.
Bereits die Single "Hell" wird zur Beziehungskrise: Die Gesprächbereitschaft der beiden Protagonisten ist nach endlosen Streitereien am Nullpunkt angelangt und mit massiven Gitarrenschichten unterlegt, entwickelt sich der Song zu einem derb schroffen Pop-Monstrum. Ein Paradebeispiel für viele weitere Beiträge auf "Sainthood" - einem Longplayer, der genau das ist, was gemeinhin als Ohrwurm bezeichnet wird.
Nur eines könnte die Stimmung trüben: Obschon "Sainthood" so verboten chatchy ist, nutzen sich die Tracks erstaunlich schnell ab und einige Kritiker beschweren sich bereits, dass die Platte zu viel A(dult)O(riented)R(ock) besäße. Was sie übersehen - das facettenreiche Songwriting der beiden Schwestern vergräbt die Dissonanz diesmal unter der Oberfläche: Schwierige Rhythmuswechsel, Klangspielereien und Experimente entfalten sich auf "Sainthood" wie guter Wein: Sehr langsam.
Zu entdecken auf einem Longplayer, wie er bezeichnender kaum sein könnte: "Sainthood" soll der Vorbote einer längeren Pause sein, den "Abschluss einer Schaffensperiode" markieren. Keine Frage, Tegan And Sara haben sich endlich die Last von den Schultern gespielt.
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