Camille Saint Saëns - das ist "Der Karneval der Tiere", die "Orgelsinfonie" und der "Danse macabre". Was gibt es aber noch zu entdecken von einem französischen Komponisten (1835-1921), der zu den produktivsten der Romantik zählt, der die Gabe hatte, für jedes seiner Stücke schöne, charakteristische Melodien zu finden und der ungeachtet von Hohn und Spott seine Werke publizierte? Im Bereich der Kammermusik hinterließ uns Saint Saëns einige seiner brillantesten und individuellsten Stücke. Seine beiden Klaviertrios, die hier in einer grandiosen Einspielung vorliegen, dürfen getrost als Musterbeispiele ihres Schlages gelten.
Bereits das frühe Trio op. 18 in F Dur erfreut sich ungetrübter, kompositionstechnischer Meisterschaft. Da sind es nicht nur die pastoralen Anklänge im Allegro des Kopfsatzes, sondern insbesondere die lyrischen Tiefen und die melodische Schönheit des langsamen Satzes. Das flinke Scherzo stört die Kontemplation kaum. Auch der Finalsatz atmet Frieden und Ruhe, fließt gelassen und heiter seinem Ende entgegen.
Von besonderer Schönheit ist das zweite Trio in e moll op. 92. Saint Saëns erweitert die übliche Satzfolge auf fünf Sätze. Der zarte Kopfsatz enthält einige der schönsten Momente des Oeuvres des französischen Tonschöpfers. Von Trauer und Wut ist hier keine Spur, eher von Nostalgie und Melancholie. Spielerisch perlt der zweite Satz dahin. Leider ist der langsame Satz viel zu kurz, um wirklich Ruhe und Einhalt zu spenden. Auch der vierte Satz ist nur mäßig schnell. Erst im Finale geruht der Meister, mit dem geneigten Hörer einen spannungsreichen, freudigen Kehraus zu feiern.
Das relativ unbekannte Joachim Trio spielte diese beiden Perlen im Oktober 1993 ein. Die Aufnahme liegt in bester Tonqualität vor. Das Spiel der drei Akteure ist fließend und perlend, stets nuancieren sie ihren Vortrag farbenfroh und warm, der Hörer meint, über blühenden, duftenden Lavendelfeldern zu schweben. Dezent setzen sie Akzente, die - ebenso wie der herrliche Kontrastreichtum durch die passende Tempowahl - die innere Spannung der Kompositionen aufrecht erhalten. Hinzu kommt die völlige Transparenz der Darbietung. Ein Album, das als großer Verdienst an einem Komponisten angesehen werden muss, der leider immer noch auf wenige Werke reduziert wird.