Wer darüber nachdenkt, ein älteres Kind zu adoptieren oder in Pflege zu nehmen, muss dieses Buch lesen: Zur Vorbereitung auf Konflikte, die damit unter Umständen auftauchen können. Und zur Ermutigung: Trotz aller Probleme ist am Ende auch Gelingen möglich.
Wer ein älteres Kind aufgenommen hat, sollte dieses Buch lesen: Vieles darin wird ihm vielleicht bekannt vorkommen, nicht zuletzt das Eingeständnis, manchmal mit seiner Weisheit einfach am Ende zu sein. Dass es anderen auch so geht, kann erleichternd und manchmal sogar ermutigend sein.
Wer sich ganz allgemein fragt, wie Familie gelingen kann, wird dieses Buch mit Gewinn lesen: Die geschilderten Konflikte sind beträchtlich, der Leser fragt sich häufig, wie die Autorin über Jahre die Kraft aufgebracht hat, das alles auszuhalten. (Erst gegen Ende bricht sie fast zusammen.) Aber ein Mensch ist glücklicherweise doch belastbarer als man annimmt.
Was auffällt: Die Autorin klagt kaum über die Umwelt (Behörden, Lehrer, Nachbarn ...) - hier scheinen keine so großen Probleme gelegen zu haben. Sie nimmt sich selbst in den Blick, ihren Sohn und dessen Freunde und Verwandte. Sie liefert keine leichtgängigen Erklärungsversuche für das belastete Verhältnis zwischen Kind und Pflegeeltern und erteilt im Übrigen auch keine Ratschläge. Ihre schlichte, genaue und gekonnte Schilderung eines verzweifelten Kindes und Jugendlichen erlaubt es dem Leser, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Und Hoffnung zu schöpfen, wenn er selbst gerade Ähnliches erlebt: 'Die durchgestandenen Krisen bildeten mit der Zeit eine Art Vertrauens-Kapital, von dem Said dann zunehmend zehren konnte' - heißt es an einer Stelle sinngemäß.
Danke für dieses Buch!