DU BIST ZU SCHNELL war der erste Roman, den ich von diesem Autoren las. Las? Unfug, den ich reinzog, am Stück. Kann einer so was wiederholen? Der Mann kann es.
Während ich bei dem vorerwähnten Thriller ständig befürchtete beim Lesen unterbrochen zu werden, vergaß ich bei SAG MIR, WAS DU SIEHST einfach die Zeit und alles um mich herum. Obgleich: Kein Thriller. Einer dieser gerade so modernen Fantasie-Romanen? Vor so was schrecke ich zurück. Da sage ich lieber, es ist die Schilderung eines esoterisch angehauchten möglichen Erlebens. Wie sonst soll ich es bezeichnen?
Es war auch NICHT NUR dieser Winter-Rabe auf dem Cover (mein Totem, wie eine sehr sympathische Dame für mich einmal erkannte) der mich sogleich faszinierte, sondern wieder die schnörkellose, sachliche und doch so reiche, eigene Sprache von Zoran Drvenkar, die mich von der ersten Zeile an fesselte.
Und haben wir nicht alle, irgendwann bei einem dieser seltenen und außergewöhnlichen Momente, diese Schatten (diese Rabenvögel) genau als das erkannt, was sie sein könnten?
Alissa und Evelin, die Protagonisten dieses Romans, kommen in Kontakt mit diesen Schattenwesen und sie lassen sich, zunächst aus unterschiedlichen Gründen auf dieses Abenteuer ein, gehen unterschiedlich mit dem um, was ihnen widerfährt. Und doch finden die beiden Freundinnen, die sich zwischendurch beinahe entfremden, auf sehr beeindruckende Weise wieder zueinander.
Also, aufpassen wenn eine seltsame Pflanze auf ungewöhnlichem Untergrund wächst. Sich der Folgen bewusst sein, wenn man sie pflückt, insbesondere dann, wenn sie aus der Brust eines toten Jungen rankt. Denn alles wird sich wandeln. Nichts ist mehr wie zuvor. Und betrachtet auf jeden Fall diese faszinierenden Rabenvögel dieser Welt mit anderen, mit wachen Augen. Ein tolles Buch.
Der 1967 in Krizevci/Kroatien geborene Autor kam als Dreijähriger mit den Eltern nach Berlin. Wie ich über ihn las, fing er mit fünfzehn Jahren an zu schreiben. UNGLAUBLICH PATHETISCHE KITSCHIGE GEDICHTE, WEIL ICH VERLIEBT WAR, sagt er. Und er hat lange warten müssen, bis er einen Verlag fand, dem er heute alle seine Werke einreichen kann. Ich möchte sagen, ein Glück für diesen Verlag, denn es gibt nicht viele deutschsprachige Autoren, die in der Lage sind ein altersmäßig breit gefächertes Lesepublikum nicht nur zu erreichen, sondern auch zu faszinieren. HMcM