Brisantes Thema, gut dargestellt: die Arbeit der Polizei, die politische Situation in Finnland bezüglich Integration und Nicht-Integration von Ausländern sowie rassistische Ansichten und Vorurteile verschiedener Personen und Gruppen, Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Ehrenmorde und der Afghanistan-Krieg. Maria Kallio ist um die 40, ihr Privatleben ist anders als früher, alte Lena-Lehtolainen-Fans können miterleben, wie sich Maria Kallios Leben verändert - das alles spricht mich an und unterscheidet diesen Krimi wohltuend von anderen.
Aber trotzdem ist es mir ab etwa der Hälfte des Romanes immer wieder schwer gefallen, mich zu konzentrieren. Und so manches Mal bin ich eingeschlafen beim Lesen.
Ich hab mich gefragt, woran das liegt. Lena Lehtolainen hat so viele verschiedene Personen in diesen Krimi eingearbeitet, dass es ein bisschen schwierig wird, den Überblick zu behalten. Es ist immer mal wieder so, dass man erstmal nachdenken muss, wer denn jetzt die Person ist, die zu dem Namen gehört, der gerade auftaucht. Das stoppt den Lesefluss unnötigerweise. Was mir außerdem unangenehm auffiel, waren Passagen, in denen nachträglich etwas erklärt wird, das bereits vor einiger Zeit passiert ist. Keine kunstvoll aufgebauten Rückblenden, sondern kleine Einschübe von etwa einer halben Seite oder weniger, die den Fortgang der Erzählung stören. So etwas ist ungeschickt und "tödlich" für den Spannungsaufbau. Erst recht gilt das für Verhöre/Gespräche in indirekter Rede, die manchmal lustlos schnell runtergeschrieben zu sein scheinen, als ob Lena Lehtolainen plötzlich eingefallen wäre: "Ach ja, darüber muss ich ja a u c h noch berichten, na, dann schnell eine Zusammenfassung."
Aufgrund der vielen verschiedenen Handlungsstränge und der schwächen in Aufbau und Dramaturgie zerfasert der Krimi zum Ende hin ziemlich. Es gibt immerhin eine überraschende Auflösung, die jedoch nicht alles retten kann.
Dennoch gebe ich 4 Sterne, da dieser Krimi inhaltlich so viel zu bieten hat, dass es sich lohnt, ihn zu lesen, wenn man bereit ist, über die Schwächen im Aufbau, Dramaturgie und Stil hinwegzusehen.