Kurz nach dem Erscheinungsdatum von "Safe Trip Home", so ungefähr nach zwei-, dreimaligem Hören des Albums, hätte ich hier am liebsten einen wuterfüllten Verriss verfasst. Wie kann eine hochtalentierte, sehr erfolgreiche und gleichermaßen beliebte Sängerin ihre Fangemeinde nach fünf Jahren Wartezeit mit elf (in der Standard-Version) uninspirierten, dahinplätschernden Songs abspeisen? Wie kann sie guten Gewissens eine derart trantütige, nichtssagende und unspektakuläre Single wie "Don't Believe in Love" veröffentlichen, die sich immherhin mit extrem erfolgreichen Hits wie "White Flag" und "Here With Me" messen lassen muss?
Gut, dass ich den Veriss nicht gleich geschrieben habe - denn meine Meinung hat sich seitdem doch erheblich geändert. Okay, "Don't Believe in Love" ist zwar immer noch kein echter Gassenhauer, aber wenigstens nicht mehr dieser eindimensionale Rohrkrepierer wie zu Beginn. Und ja, das vielerseits hochgelobte Blockflöten-Geheule aus "Grafton Street" nervt immer noch gewaltig. Und es lässt sich auch schwer von der Erkenntnis abrücken, dass viele der elf Songtexte erschreckend banal sind für eine Sängerin, die sich doch ein recht positives Image der scheuen, nachdenklich-klugen Künstlerin aufgebaut hat. Wobei sich das mit der scheuen Zurückhaltung auch ein wenig revidiert hat - zwar zeigt sich Dido immer noch eher selten in der Öffentlichkeit und wirkt auch sonst recht verschlossen, doch punktgenau zur Veröffentlichung ihres neuen Albums beantwortet sie auf ihrer Homepage generös auch anspruchsvollere Fragen wie die nach ihrer bevorzugten Schokoriegelsorte. Da passt irgendetwas nicht ganz zusammen, was allerdings natürlich in keinem Zusammenhang mit der Güte des Albums steht.
Letzteres stellt sich nach längerer Einhörphase als durchaus gelungene Einheit einer Reihe von gut harmonierenden, sehr atmosphärischen Songs heraus. Zwar bleibt bei "Safe Trip Home", das sich auch gut als entspannte Hintergrunduntermalung eignet, der Knalleffekt aus, aber auf dem zweiten Blick erschließen sich auch beachtenswerte Kunstwerke wie "The Day Before The Day" oder das sommerliche "US 2 Little Gods" dem Hörer. Auch "Never Want To Say It's Love" und "Quiet Times" stechen positiv hervor, für den Titel "Grafton Streets" gilt mit der oben genannten Einschränkung dasselbe.
Zwar war auch schon früher bei Dido an der falschen Adresse, wer in ihrem Portfolio nach elektrisierenden Partybangern fahndete, doch geht "Safe Trip Home" auch jene Energie ab, die "Life For Rent" zu mehr als adrett anzuhörender Hintergrundmusik machte. "Safe Trip Home" ist wesentlich subtiler, was sich allerdings auch an einem Rückgang an eingängigen Refrains und hervorstechenden Melodien ermessen lässt.
Dido ist mit "Safe Trip Home" also ein bemerkenswert unaufdringliches, oder anders formuliert, ein sehr stilles Comeback gelungen, das den hohen und spezifischen Erwartungen ihrer Sympathisanten nicht im vollen Umfang nachkommt. Dennoch lohnt eine eingängigere Beschäftigung mit dem Werk, denn ohne Reiz ist das atmosphärische, wenig charttaugliche Album nicht.