Eins vorab: Dieser Film ist kein tiefgründiger Einblick in Leben und Werk des Marquis de Sade. Er zeichnet vielmehr eine kurze Episode auf, in der die noch recht junge französische Republik auf verschiedenen Ebenen beginnt, ihre Kinder zu fressen.
Zunächst sieht es danach aus, als ob es den libertären und dem sinnlichen Leben zugewandten Sade erwischen könnte, was diesen jedoch nicht davon abhalten kann, an seinem unbändigen Willen und Trieb zum Leben und zur Lust festzuhalten. Daniel Auteuil verkörpert die Rolle des alternden Exzentrikers mit großer Lässigkeit und angemessener physischer Präsenz, was den Film an sich schon zu einem Genuss macht. Im weiteren Verlauf der Geschichte dreht sich dann - den historisch bewanderten Zuschauer nicht überraschend - der Wind, und die Gefahr für Leib und Leben ist gebannt.
Dieser Film ist an sich weniger ein historisches Sittengemälde, obwohl er einen schönen Einblick in die Endphase von Robespierres Herrschaft gibt. Vielmehr ist "Sade - Folge deiner Lust" eine zeitlose Aufforderung dazu, überkommene Konventionen zu hinterfragen und sein eigenes Leben zu entdecken. Nonkonformistische Menschen wie Sade sind auch heute in weiten Teilen der Gesellschaft nicht gut angesehen, da sie den Mächtigen zu aufwieglerisch und den träumenden Massen zu provozierend und aufregend erscheinen.
Die Einladung dieses Films ist die gleiche, die schon Joseph Campbell aussprach: "Follow your Bliss!"