Dies ist wieder mal so eine erfreuliche CD, bei der die mögliche Gesamtspielzeit fast ausgeschöpft wurde. Doch Zusatzpunkte hierfür sind überhaupt nicht nötig, denn die Scheibe ist vollgestopft mit fetziger Musik, die fünf Sterne locker verdient hat.
In einer Zeit, da manches Studioalbum von Santana nicht so berauschend ausfiel, behielt die Gruppe als Liveact ihren Esprit, wie ich in Konzerten immer wieder feststellen konnte. Das südamerikanische Pflaster aber gab den Musikern offenbar einen zusätzlichen Schub, und so legen sie ein beseeltes Spiel hin, das diese CD zu einem echten Erlebnis werden lässt.
Ein erster Höhepunkt ist das mit Reggae- und Dub-Elementen gewürzte "Esperando". Es folgt "No One To Depend On", das wie "Guajira" und "Toussaint L'Overture" (übrigens der Name eines Kämpfers für die Unabhängigkeit Haitis) ein nicht so häufig gespieltes Superstück vom dritten Santana-Album (1971) ist. Schön, dass diese Songs mal wieder ausgegraben wurden. Die fast neunminütige Version von "Black Magic Woman/Gypsy Queen" ist die vielleicht mitreißendste und explosivste auf irgendeinem Santana-Album. Das heiße "Oye Como Va", "Samba Pa Ti", "Soul Sacrifice/Don't Try This At Home", "Europa" und "Jin-Go-Lo-Ba" sind bekannte und bewährte Hits, die bei Santana einfach dazu gehören. Sie werden auch nach Jahrzehnten mit einer Hingabe gespielt wie am ersten Tag und machen es völlig unmöglich, still sitzen zu bleiben. Das ruhige, soulige "Make Somebody Happy" stammt vom vorherigen Album "Milagro", ist seitdem fester Bestandteil der Konzerte und wird gerne von Carlos genutzt, um ein paar besinnliche Sätze an das Publikum zu richten.
Abgemischt wurde dieses Album in einem warmen, durchsichtigen Sound, der den Charakter der Musik wunderbar unterstreicht. Daher kann ich nur raten: Auch wenn Sie bereits andere Livealben von Santana haben - diesen berauschenden Silberling sollten Sie sich unbedingt gönnen! Lassen Sie das "Sacred Fire" im Wohnzimmer brennen...