Dieses Buch birgt vor allem eine Überraschung: Gunter Sachs ist bei weitem nicht die interessanteste Figur in dieser Familie. Schon Vater Willy und Großvater Ernst waren weit mehr als nur erfolgreiche Industrielle, sie lebten ihr Leben mindestens ebenso intensiv wie der "einzige deutsche Playboy." Was hier an Emotionen, an Erfolg und Mißerfolg, Macht und Ohnmacht, Glück und Unglück, Bewunderung und menschlichen Abgründen zum Vorschein kommt, bietet wirklich eine überaus spannende Lektüre. Man wird mitgerissen von echter Bewunderung für das Genie Ernst Sachs, der eine Dynastie begründen wollte, und leidet mit dem ewigen Sohn Willy. Ohne dessen Verstrickungen in den Nationalsozialsmus, die engen Kontakte zu Himmler und Göring, zu verharmlosen, zeichnet Rott ein ehrliches und wohl auch ausgewogenes Porträt des Konsuls und SS-Obersturmbannführers. Gunter Sachs erzählt in seinen Memoiren fast nichts über über Vater und Großvater. Das distanzierte Verhältnis zu den eigenen Vorfahren, denen er seinen Reichtum verdankt, ist sicher eine der Merkwürdigkeiten im Leben des Gunter Sachs. Überzeugend legt Rott dar, wie es dazu kam. Insgesamt ein unerwartet spannendes Buch, das neben einem Panorama aus 100 Jahren deutscher Geschichte auch gute Unterhaltung bietet.