Diese Einführung hat mich überzeugt. Es ist mutig, eine solche zu starten: Das Werk des Hans Sachs nimmt quantitativ schon biblische Dimensionen an, Interpretationen sind nur aufgrund seiner Werke möglich, da keine Urkunden o.ä. tradiert ist.
Eckhard Bernstein, Professor für Deutsche Philologie, entwirft zunächst in blutvoller wie pointierter Sprache ein Bild der Reformationszeit und des Nürnbergs im 16 Jh. Davon ausgehend stellt er Sachs als Menschen mit außergewöhnlicher Beobachtungsgabe dar, der in zweierlei Form revolutionär wirkt, seinem und sich von den typischen Meistersingern dieser Zeit unterscheidet: zum einen durch den appellativen Charakter ans Publikum, zum anderen durch seine propagandistische Tätigkeit für die Reformation - "trotz" seines Illiteraten-Daseins und Sohn eines Schneiders, selbst im Handwerkermilieu als Schuhmacher lebend.
Hier vertieft Bernstein seine Gedanken zu einem der bekanntesten Spruchgedichte Sachs: "Die Wittenbergisch Nachtigall" und interpretiert die mögliche Wirkung im Kontext der Zeit.
Gedanken über den Mythos Sachs und seine Umfunktionierung als bescheidener, loyaler Untertan zur Zeit des Nationalsozialismus wie die Skizzierung seiner Rezeption zur Aufklärung, Romantik und Deutschland im 19 Jh. sind überzeugend.
Interessant ist die Mischung aus Darstellung von Fakten, die immer wieder in interpretatorisch wertvolle Gedanken münden. Der Leser vertieft sich in die Welt vielleicht auch aufgrund des herausragenden Schreibstils, der keineswegs wissenschaftlich aufgeladen wirkt, sondern sich in einem Fieber-Zug durchlesen lässt.
Ich bin begeistert von diesem Büchlein - zur Zeit gibt es kein Vergleichbares zu Hans Sachs und seiner Zeit. Höchste Leistung - unglaublich für diesen Preis.