Zwar hatte ich bereits den 2. Band der Sacer Sanuis Reihe gelesen, als ich diesen Band anfing, allerdings war das schon so lange her, dass ich mich an nichts mehr erinnern konnte, und da mir gesagt wurde, dass man ruhigen Gewissens auch mit Band 1 beginnen könnte (die vom Autor vorgesehene Reihenfolge ist ja 2, 3, 1), habe ich den 3. nun kurzerhand ausgelassen.
Die Handlung lässt sich nicht mit wenigen Worten umreißen, da es ungewöhnlich viele Handlungsschauplätze und Charaktere gibt. Die Erzählperspektive ist dabei nicht ganz klar - zwar hat man als Leser teil an den Gedanken der Figuren, trotzdem werden sie von außen geschildert. Es gibt also überhaupt keine Erzählperspektive, sondern mehr ein Perspektivenmischmasch, das sich nicht auf einen oder mehrere Hauptcharaktere, sondern schlichtweg alle Charaktere verteilt. Dadurch ist es für den Leser schwer, eine Beziehung zu den Figuren aufzubauen, diese bleiben über das ganze Buch hindurch eher flach und blutleer. Anfangs ist es schwer, einen Überblick über alle Namen zu behalten, denn es werden Schlag auf Schlag neue Charaktere in die Geschichte geworfen, die manchmal kurze Zeit darauf wieder getötet werden.
Die Haupthandlung des Buches ist im Naturhistorischen Museum in Wien angesiedelt. Ein Fundobjekt, das lange Zeit nicht mit Namen benannt wird (was das Lesen ein wenig mühsam gestaltet), ist dort gelagert und wird von einer Gruppe von Wissenschaftlern untersucht. Der Mossad überwacht den Vorgang durch seinen Agenten Alon, der sich als Assistent einer Wissenschaftlerin ins Team mogelt. Allerdings ist er nicht der einzige, der incognito an diesem Projekt beteiligt ist. Eine Organisation, die in diesem Band namenlos bleibt, hat es auf das Objekt abgesehen und schreckt auch vor Mord nicht zurück, um es in seine Finger zu bekommen.
Eine Nebenhandlung ist in Rumänien angesiedelt, wo in einem Labor an Menschen herumexperimentiert wird. Auch hier erfährt der Leser noch keine Hintergründe und ist somit auf die Folgebände verwiesen ...
Die letzte Nebenhandlung, die ich erwähnen möchte, spielt in Israel, wo Chess und ihr Bruder dem "Brunnen der Gebeine" auf der Spur sind. Auch diese Handlung verläuft, zumindest in Band 1, mehr oder minder im Sand.
In diesem Fall wäre ich wohl doch besser beraten gewesen, Band 2 nochmal und Band 3 überhaupt zu lesen, bevor ich mich an Band 1 gemacht habe, da ich merke, dass ein Unwissender doch viele Lücken in der Handlung mit Vermutungen füllen muss.
Ein Punkt, den man dem Autor zu Gute halten muss und auf den er selbst wohl sehr viel Wert legt, sind seine Nachforschungsarbeiten. Man spürt doch deutlich durch, dass hier ein Mann am Werk war, der die Orte, von denen er spricht, bereits besucht hat. Wirklich bedeutend ist das für mich allerdings nur im Naturhistorischen Museum selbst, weil der Wiedererkennungswert das Lesevergnügen steigert. Da mir alle übrigen Schauplätze ohnehin unbekannt sind, könnte man mir von den besagten Orten wohl alles erzählen, und es würde die Geschichte für mich nicht negativ beeinträchtigen. Aber gewiss gibt es da reisefreudigere Leser, die sich über Realitätsnähe freuen ...
Der Schreibstil selbst ist eher schlicht gehalten, Fehler im Buch gibt es dafür kaum, wobei sich die Arbeit zahlreicher fleißiger Testleser bemerkbar macht. Einzig im Layout gab es einmal einen oder zwei Fehler, was die Kursivschrift anbelangt, ansonsten wurde da gewissenhaft gearbeitet. Große Publikumsverlage haben eine höhere Fehlerquote.
Im Großen und Ganzen hinterlässt dieses Buch ebenso wie der Vorgänger, den ich vor einigen Jahren gelesen habe, keinen bleibenden Eindruck beim Leser. Ihn als 1. Band der Reihe zu lesen, funktioniert beinahe gar nicht, denn vieles bleibt so gähnend offen, dass man durch die Löcher im Handlungsgeflecht durchfallen könnte ...
Was mich allerdings am meisten gestört hat, waren die schnellen Handlungswechsel und die zahlreichen Figuren, die mit Namen eingeführt wurden, ohne dass dem Leser ausreichend Zeit bleibt, ihren Charakter zu verinnerlichen.
Ansonsten ein ganz solides Werk, das rasch durchgelesen ist. WienerInnen wird es aufgrund des Handlungsschauplatzes sicher zusätzliche Freude bereiten.