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Sabra und Schatila: Ein Augenzeugenbericht. Libanon 1982
 
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Sabra und Schatila: Ein Augenzeugenbericht. Libanon 1982 [Broschiert]

Robert Fisk
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Broschiert: 93 Seiten
  • Verlag: Promedia, Wien (10. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3853713262
  • ISBN-13: 978-3853713266
  • Originaltitel: Terrorists. Pity the Nation
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11 x 0,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 583.173 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Robert Fisks klassische Reportage über die Gräueltaten in den Palästinenserlagern Sabra und Schatila im September 1982

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... wie viele Tote machen ein Massaker aus?" (S. 38)

Vom 16. bis 18. September 1982 fand in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila in Beirut ein Massaker statt.
Täter: die christlich orientierte Phalange, unterstützt von der israelischen Armee.
Opfer: Ca. 2.000 bis 3.500 Menschen. Frauen, Kinder, Männer.

Es handelte sich um einen Racheakt für die Ermordung des gerade gewählten libanesischen Präsidenten und Anführers der Phalange, Bashir Gemayel. Einen Tag nach dem Attentat waren die Israelis in Beirut einmarschiert. Und wiederum einen Tag später begann das Gemetzel.

Robert Fisk war einer der ersten Journalisten, die vor Ort von dem Massaker berichteten. Seit 1976 lebt er in Beirut, arbeitet als Nahost-Korrespondent zunächst für die TIMES, später für den INDEPENDENT. Der vorliegende Text ist ein Kapitel aus seinem Buch Pity the Nation: Lebanon at War. Er basiert auf einem TIMES-Artikel, der überarbeitet und durch andere Aufzeichnungen ergänzt wurde. Wer The Great War for Civilisation. The Conquest of the Middle East gelesen hat, wird den einen oder anderen Absatz, die eine oder andere Aussage, wiedererkennen. Es lohnt sich dennoch dieses Buch zu kaufen, da es die Abläufe, das damalige Geschehen zusammengefasst wiedergibt.

Zusätzlich zu dem Text von Robert Fisk findet der Leser ein Vorwort des Herausgebers Stefan Kraft sowie eine Übersicht des libanesischen Bürgerkrieges. Im Vorwort wird auf die Person Robert Fisk eingegangen. Seine Lebenseinstellung. Seine Arbeitsweise. Robert Fisk ist einer von den Journalisten, die keine vorgefertigten Pressemeldungen übernehmen, und als eigene Meinung ausgeben. Er recherchiert selber, hinterfragt. Vor Ort. Als Augenzeuge. Er nimmt teil am Geschehen und berichtet was er sieht, läßt seine Gefühle in den Text einfließen. Das ist es, was seine Ausführungen so überzeugend macht. Man meint die Toten selber zu sehen.

Das vorliegende Buch beschreibt zum einen die Geschehnisse, zum anderen die Suche nach den Schuldigen, die Recherche von Fisk. Des Weiteren sind Informationen über die Denkweise, die Vorgehensweise der Israelis enthalten. Warum sie die Palästinenser als Terroristen bezeichneten. Fisk erlaubt sich einen Vergleich zum Zweiten Weltkrieg bzw. er erläutert, warum das damalige Geschehen und die Ereignisse im Libanon nicht miteinander vergleichbar sind: die israelische Demonstration als Protest gegen das Massaker zeigte, dass die Bevölkerung eben nicht damit einverstanden war, dass sich ihre Regierung "wie Nazi-Deutschland" (S.71) verhielt. Die Ausführungen von Fisk beinhalten auch die Instrumentalisierung des Holocaust:

"Avneri sah die Angelegenheit zynischer. 'Ich will Ihnen etwas über den Holocaust erzählen', sagte er. 'Es wäre schön zu glauben, dass Menschen, die großes Leid durchleben mussten, durch das Leiden geläutert wurden. Aber das Gegenteil ist der Fall, es macht sie schlimmer. Es verdirbt sie. Da gibt es etwas im Leiden, das eine Art Egoismus erzeugt. ... (gekürzt)... Du bekommst so eine moralische Generalvollmacht, einen Freibrief, alles zu tun, was du willst - weil nichts mit dem zu vergleichen ist, was uns widerfahren ist...'" (S.78)

Bemerkenswert an dem vorliegenden Buch ist, dass Fisk immer nur beschreibt, nicht verurteilt. Dies passt zu seiner Berufseinstellung, dass er sich nie als Zeuge vor Gericht äußern wollte. "Wir sind Journalisten, keine Detektive", so sagt er. Er könne keine Interviews mit Kriegsherrn führen und hinterher die Aussagen als Beweis bei Gericht vortragen. Des Weiteren lasse er sich von niemanden erklären, wer ein Kriegsverbrecher sei, und wer nicht. Deswegen habe er es abgelehnt in Den Haag über die Verbrechen der bosnischen Serben zu berichten. Wenn schon, dann möge man alle Kriegsverbrecher anklagen. Warum aber wurde Sharon nie vorgeladen? Warum nicht Olmert, als er Gaza angriff? (vgl. S.14)

Mein Fazit:

Ein beeindruckendes, erschütterndes Zeitzeugnis. Es freut mich, dass sich endlich ein Verlag gefunden hat, der einen Text von Robert Fisk in deutscher Sprache veröffentlicht. Persönlich würde ich mir wünschen, dass auch The Great War for Civilisation. The Conquest of the Middle East übersetzt wird.

Als Schlussgedanke zwei Zeilen aus Christina Rossettis Gedicht REMEMBER, die von Robert Fisk in THE GREAT WAR auf Seite 1286 zitiert werden:

Better by far you should forget and smile
Than that you should remember and be sad.
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