Wenn von Kleinkampfverbänden die Rede ist, so handelt es sich meist um das wohlbekannte Gebiet der Kampfmittel wie das Kleinst-Uboot, Seehund genannt, worüber es eine umfangreiche Literatur gibt. Anders verhält es sich mit den Meeerskämpfern, die als Kampfschwimmer zwar ein Begriff sind, deren Einsatz bisher aber nicht systematisch erfasst und dargestellt wurde. Der Autor, Leiter des Hans-Hass-Institutes für Submarine Forschung und Technik, hat sich nach jahrelangen Nachforschungen nun dieser Aufgabe gestellt. Er gibt einen kurzen Überblick über die frühen Anfänge des militärischen Tauchens, nennt Leonardo da Vinci mit seinem Werkzeug zum Aufhebeln von Schiffsplanken und erinnert an einen Einsatz des Potsdamer Garde-Pionierbataillons, dem am 17. August 1915 ein russischer Dampfer vor Kowno zum Opfer fiel. Bis 1944 gab es dann in der Kriegsmarine nur Arbeitstaucher ohne Kampfauftrag. Die weitere Entwicklung, angeregt und mitbestimmt durch die Expeditionen von Hans Hass und seinen Jura studierenden Kommilitonen Alfred v. Wurzian, wird dem Leser ebenso klar gemacht, wie die Probleme mit der Ausstattung der Kampfschwimmer mit Tauchgeräten, geeigneter Bekleidung und Navigationsmitteln. Auch die Notwendigkeit des Wachbleibens (Weckamine) und die Frage der Nachtsichtigkeit werden angesprochen. Das militärische Interesse wurde geweckt, als am 11.7.1942 Vizeadmiral Erich Förste die Expedition von Hass und v. Wurzian besuchte und Letzterer ihm das Tauchgerät und die damit verbundenen Möglichkeiten darstellen konnte. Der Autor schildert die Entwicklung des K-Verbandes, nicht nur innerhalb der Marine, sondern auch die Verbindungen der italienischen Seite, die früh Erfahrung sammelte mit Zweimanntorpedos und sogenannten Froschmännern. Ein Kleinkampfverband der Kriegsmarine (KdK) unter Konteradmiral Heye wurde am 20.4.44 aufgestellt, das KdK-Lehrkommando 700 am 21.6.44. Ausführlich werden die gründliche Ausbildung in Valdagno auf der Insel San Giorgio in Alga und die Vorausbildung in der SS-Junkerschule in Bad Tölz mit all ihren Schwierigkeiten wiedergegeben. Diese bestanden in wechselnder und sich überschneidender Zuständigkeit von Abwehr von Reichssicherheitshauptamt (RSHA) der Waffen SS und der Kriegsmarine, die nicht ohne Folgen blieb auf das Verhältnis der an der Front Handelnden. So blieben Schwierigkeiten nicht aus, als die Führung des Lehrkommandos 700 dem Marinestabsarzt Dr. Armin Wandel übertragen wurde, der sich der ständigen Einflussnahme der Waffen SS, vertreten durch den berühmten SS-Sturmbannführer Otto Skorzeny, zu erwehren hatte. Probleme gab es naturgemäß auch dadurch, dass die Waffen-SS Männer zur Frontbewährung in den K-Verband kommandierte, der im übrigen sich nur aus Freiwilligen rekrutierte. Alles dies ist mehr aus Erinnerungen und Aufzeichnungen der Zeitzeugen abzulesen, zu denen auch das im persönlichen Besitz erhalten gebliebene KTB des Dr. Wandel zählt, als aus Dokumentationen, die, etwa im Bundesarchiv, nicht erhalten sind. Das schlägt sich im Literaturverzeichnis nieder. Diese persönlichen Schilderungen geben einen guten Einblick in die Lebensverhältnisse der Meereskämpfer, die zum Teil mit Todesverachtung schließlich einige bemerkenswerte Erfolge erzielten. Es blieb aber bei Nadelstichen, die sie dem Gegner zufügen konnten, beispielsweise bei Aktionen gegen zwei Orne-Brücken am 22.6.44 und Orne-Schleusen am 28.7.1944. Erst zu diesem Zeitpunkt galt die Ausbildung der ersten 20 Meereskämpfer als abgeschlossen. Das Marine-Einsatz-Kommando 60 führte insgesamt 24 Angriffe durch, die meisten erfolgreich. Am 15./16. September konnte Kreuzschanzschleuse in Antwerpen zerstört werden und am 29.9.44 wurden Eisenbahn- und Straßenbrücken über die Waal bei Nijmwegen unter großen Schwierigkeiten, die in persönlichen Berichten geschildert werden, gesprengt. Hier kamen allerdings von 12 Kampfschwimmern nur zwei zur eigenen Stellung zurück, der Rest war getötet, verwundet oder in Gefangenschaft geraten. Neben Einsätzen dieser Art gibt der Autor auch andere mit zum Teil weit gestecktem Ziel an, die wegen Mangels an Transportmitteln und Betriebsstoff nicht mehr ausgeführt werden konnten. Der letzte Einsatz auf deutschem Boden war wohl das Sprengen einer Pontonbrücke bei Lauenburg in der Nacht vom 3. zum 4. Mai 1945. Zum Schluss ist die Bilanz ernüchternd, aber das mindert nicht die Anerkennung von Tapferkeit und Opfermut der jungen Soldaten, die in der vorgelegten Arbeit deutlich werden, ohne sie in den Vordergrund zu stellen. Das Buch ist gut zu lesen, es beruht auf gründlicher Recherche, und die sachliche Form der Darstellung der Ereignisse ist ganz angemessen.