Wenn ich König wäre, würde ich von jedem Einwohner der Schweiz den Nachweis verlangen, dass er wenigsten einmal in seinem Leben ein Jahr im Ausland war. In einem Land, das jedem Königsanspruch reflexartig den Kampf ansagt, wird eine solche Aussage als schlechter Scherz betrachtet. Aber damit will ich meine Erfahrung zum Ausdruck bringen, dass man Ausstiege nicht zuletzt deshalb fördern sollte, weil davon auch die Umgebung profitiert. Zwangsmassnahmen sind nicht das Ding von Elke Pohl. Sie setzt auf Informationen und Geschichten von temporären Aussteigern. Und die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Lektüre ihres Buches zum letzten Kick führen kann, den es für einen so schwierigen Entscheid braucht. Denn grosse Tradition hat die Sabbatical-Kultur hierzulande noch nicht. Die meisten Personalabteilungen deuten den Wunsch nach einem Unterbruch als erstes Zeichen für mangelnden Einsatz, Burnout oder abfallende Frustrationstoleranz. Das ist schade, auch für das Unternehmen selbst.
Nach dem ermunternden Vorwort erklärt die Autorin den Begriff Sabbatjahr. Dann führt sie die häufigsten Gründe auf, weshalb Menschen aussteigen wollen. Nach einer Aufzählung der Für und Wider sagt Elke Pohl ihren Lesern, was sie während der Auszeit tun könnten. Dieser Abschnitt hat mich allerdings etwas enttäuscht, da nur die üblichen Ideen vorgeschlagen werden: Eine grosse Reise machen, im Kloster leben, sich sozial engagieren oder mal im Ausland arbeiten. Es braucht nicht unbedingt eine Extraportion Fantasie, um sich andere Lückenfüller vorstellen zu können. Im nächsten Kapitel werden Fragen zum Einbezug von Partner und Familie erörtert. Wie Arbeitgeber zum Sabbatical stehen und überzeugt werden können, erfährt der Leser in den beiden nächsten Kapiteln. Alle rechtlichen Belange gehören ebenfalls zur Auslegeordnung, allerdings nur für Deutschland. Die letzten drei Kapitel widmen sich den Fragen, was es an Organisatorischem zu berücksichtigen gibt, wie die Rückkehr geplant wird und was den Wiedereinstieg erleichtern kann. Zahlreiche Lektüreempfehlungen, Kontaktadressen und ein Stichwortregister runden das Ganze ab.
Mein Fazit: Ein nützlicher Ratgeber für alle, die ein Sabbatical konkret planen oder zumindest ins Auge fassen. Was man in dieser speziellen Zeit machen könnte, wird nur sehr konventionell behandelt. Und nach meiner Erfahrung müssten die Zögernden noch besser motiviert werden, als dies die Autorin tut. Aber vielleicht geht sie einfach davon aus, dass sie für diese Aufgabe nur am Rand zuständig ist.