Sabatina James, eine 21-jährige Österreicherin pakistanischer Herkunft, erzählt in ihrem Buch die Leidensgeschichte ihres noch so jungen Lebens. Detailliert schildert Sabatina zunächst ihre Kindheit, die sie - abgesehen von den ersten Lebensjahren in Pakistan - im österreichischen Mühlviertel verbringt. Naturgemäß gerät sie bald in die "Zange" zweier verschiedener Kulturen, allerdings auf besonders drastische Weise: Ihren Eltern, die nicht einer gemäßigten Form des Islam, sondern einer extremistischen, den Westen ablehnenden Haltung anhaften, ist die Heranwachsende bald zu "westlich" (in puncto Kleidung, Treffen mit Freundinnen in Kaffeehäusern u. Ä. m.), wofür sie oft regelrechte Schimpforgien und Prügelexzesse ihrer Mutter über sich ergehen lassen muss.
Als sie 16 Jahre alt ist, reist ihre Familie mit ihr nach Pakistan unter dem Vorwand, urlauben zu wollen. Doch dort erlebt Sabatina eine böse Überraschung nach der anderen: Ihre Eltern zwingen sie, bei Verwandten in Pakistan zu bleiben, und kehren ohne sie nach Österreich zurück. Sie wird genötigt, eine Koran-Schule zu besuchen, in der sie schlimme Erniedrigungen, furchtbarste hygienische Zustände und in Folge dessen schwere Krankheiten durchmacht. Weiters soll sie ihren Cousin, den sie kaum kennt und auch nicht liebt, heiraten, und sie muss sich auch sexuelle Übergriffe dieses Cousins gefallen lassen.
Erst als sie monatelang das "brave", angepasste Mädchen vorspielt, sich den Gepflogenheiten ihrer Familie scheinbar unterordnet, deren Anordnungen befolgt und sich sogar mit ihrem Cousin verlobt, holen ihre Eltern sie wieder nach Österreich. Dort kommt Sabatina in Kontakt mit sehr gläubigen Christen und somit auch mit dem Christentum an sich. Durch erstaunliche Begegnungen und wundervolle persönliche Erlebnisse, die sie im Buch genau schildert, findet sie zu Jesus und wird praktizierende Christin.
Als sie eines Tages ihren Eltern eröffnet, dass sie ihren Cousin niemals heiraten werde und noch dazu gläubige Christin geworden sei, kommt es zum Eklat: Wieder erhält sie Schläge, und ihre Familie erklärt ihr wütend, dass diese "Sünde" mit dem Tod bestraft werden müsse. Sabatina flieht aus der elterlichen Wohnung in eine Notschlafstelle in Linz und übersiedelt einige Zeit später nach Wien. Dort schreibt sie sich, nun in einer geheimen Wohnung und unerkannt lebend, ihre leidvollen Erfahrungen und Erlebnisse von der Seele.
"Sabatina - Vom Islam zum Christentum" ist zweifellos ein spannend zu lesendes und zugleich betroffen und nachdenklich machendes Buch - besonders die schonungslosen Schilderungen, wie Sabatinas Mutter sie immer wieder mit ordinärsten Schimpfwörtern demütigt und auf sie losprügelt, bis ihre Lippen aufplatzen und sie am ganzen Körper aus mehreren Wunden blutet, gehen dem feinfühligen Leser unter die Haut. Und es ist ein Buch mit keinem "happy end", sondern einem ungewissen "open end", denn den Ausgang dieser Geschichte wird wohl das Leben selbst schreiben.
Bei ihrer Buchpräsentation unter Polizeischutz antwortete Sabatina James auf die Frage, was sie sich für die Zukunft erhoffe: "Auch wenn ich mir eine Versöhnung mit meinen Eltern wünsche, so weiß ich, dass sie nie dazu bereit sein werden. Deshalb hoffe ich nur, dass sie die Todesdrohungen zurücknehmen und mich einfach in Frieden meinen christlichen Glauben leben lassen."
Ob Sabatina je ein völlig angstfreies, unbeschwertes Leben führen wird können? - Ich weiß es nicht, und NIEMAND sonst weiß das, aber EINES getraue ich mich zu prophezeien, seit ich vor einiger Zeit die Ehre hatte, Sabatina persönlich kennen zu lernen: Diese junge, starke Frau wird mit Gottes Hilfe auch zukünftige Schwierigkeiten meistern. Möge das Leben ihr ein "happy end" schreiben!
Christian Vollmann