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Für die Russen ist der vergangene Krieg (aus sehr verständlichen Gründen) immer noch ein relevantes und empfindliches Thema. Um so mehr stellen für mich die Ausführungen von denen, die in diesem grausamen Kriege auf der anderer Seite der Kampflinie in den Schützenlöchern sassen und genauso wie die russischen Soldaten das Schlimmste über sich ergehen liessen, ein grosses Interesse dar. In diesem Sinne war für mich das Lesen des Buches ein wahres Erlebnis.
Das Buch von H.Brunnegger ist für jeden interessierten Leser auch deshalb empfehlenswert, weil der Autor (er ist ja ein Insider!) sehr lebendig, zutreffend und (was auch sehr wichtig ist) nicht apologetisch der Hintergrund der Waffen-SS (Erziehungssystem,Art und Weise der Truppenfürung, Beziehungen innerhalb der Truppe) schildert. Im Vergleich zu vielen anderen Erinnerungen ehemaliger Angehörigen der Waffen-SS ist das Buch objektiv und sehr berührend.
Ich glaube,das Buch muss auch in Russland herausgegeben werden, zumal bisher Werke solcher Art in Russisch niemals erschienen und deswegen für ein breites Publikum hierzulande unzugänglich bleiben. Natürlich bin ich mir klar, dass so ein Buch bei uns nicht von allen eindeutig positiv eingeschätzt werden würde, lässt aber sicherlich niemanden kalt.
Dem Verfasser reiche ich als Zeichen der Versöhnung unserer Völker die Hand und bedanke mich bei ihm für ein schon längst nicht erlebtes Lesensvergnügen.
Herbert Brunnegger ist es gelungen, den jungen Mann, der er vor dem Kriege und während desselben war, auferstehen zu lassen, indem er bewusst auf die Einflechtung von Ein- und Ansichten, die er erst nach dem Krieg gewonnen hat, verzichtete, und nicht in Kenntnis des Ausganges und der Folgen des 2. Weltkrieges Interpretationen vorgenommen hat. Dadurch erlangt sein Werk ein hohes Maß an Authentizität.
Die Entwicklung des 15-Jährigen aus schwierigen familiären Verhältnissen, der, wie er von sich selbst sagt, nicht verwöhnt gewesen ist, zu einem ernsten und nachdenklichen Mann, liest sich nicht nur fesselnd, sie bringt dem Leser auch den unvorstellbaren Verlust, zu dem der 2. Weltkrieg geführt hat, nahe: Einen Verlust an Menschen, Menschlichkeit, an Kultur und gewachsenen Strukturen, der nicht auszugleichen ist.
Herbert Brunnegger hat nicht nur seine Jugend verloren, die in Hunger und Not, in Blut und Schlamm, in Eis und Läusen untergegangen ist, sondern wurde nach dem Krieg auch noch dafür bestraft, indem man ihm die Anerkennung für sein Opfer für das Land, dem er sich zugehörig fühlte, versagte, und ihn statt dessen als Angehörigen einer bestimmten militärischen Einheit pauschal zum Kriegsverbrecher brandmarkte.
Anfänglich sicherlich naiv und begeisterungsfähig, wie Millionen anderer junger Menschen, sah er in dem nationalsozialistischen Regime eine Chance auf eine Verbesserung der allgemeinen Lebensverhältnisse. In der vorherrschenden geistigen Strömung der Zeit schwimmend, war er überzeugt, das Richtige zu tun, sah keine Alternative, handelte nach „Treu und Glauben".
Im Krieg fühlte er sich aufgehoben und geborgen in der Kameradschaft, die er in der Truppe erlebte, und die er so nie zuvor erfahren hatte, bis seine Kameraden nach und nach fielen und er in immer anderen, zumeist bunt zusammen gewürfelten Einheiten eingesetzt wurde.
Er durchlebte Tage, Wochen, Monate, Jahre gar im Kampf, allein ein ganzes Jahr davon in einer einzigen Stellung in Rußland. Er stellte sich den Herausforderungen und Aufgaben, die ihm zugedacht wurden, selbst, wenn sie ihm nicht bewältigbar erschienen und er seinen Tod für wahrscheinlich erachtete. Er hungerte, er fror, war krank, dreckig und stank, verlor aber niemals die Hoffnung, selbst dann nicht, wenn er wieder einmal von einem Vorgesetzten auf ein „Himmelfahrtskommando" entsandt wurde, das darauf abzielte, sich seiner zu entledigen, weil er Zeuge eines Kriegsverbrechens geworden war, das besagter Vorgesetzter begangen hatte.
Gegen Ende des Krieges fühlte Herbert Brunnegger nur noch die Verpflichtung, sein Land und dessen Menschen vor den Invasoren aus dem Osten, deren Handeln er bereits hatte miterleben müssen, zu schützen, obgleich wissend, dass er einen aussichtslosen Kampf angesichts der an Truppen und Ausrüstung weit überlegenen Gegner führte.
Als der Krieg verloren war, war er es auch. Nichts existierte mehr von dem, woran er geglaubt hatte, wofür er eingestanden war mit seinem Leben. Und - er wurde ausgestoßen; ausgegrenzt aus der Gemeinschaft. Ein Paria, mit dem niemand mehr etwas zu tun haben mochte, da er als Inkarnation des vormals Verehrten jetzt symbolhaft für dessen Untergang stand. Die Menschen, für die er gekämpft hatte, zogen sich vor ihm zurück. Seine historische Wahrheit sank ab in eine Geschichte ohne Anspruch auf Größe.
„Alle meine Wege sind leer", beschloss Herbert Brunnegger sein Buch. - Ich hoffe für ihn, dass er einen neuen Weg für sich gefunden und ein erfülltes Leben geführt hat. Gerne hätte ich ihn persönlich danach gefragt, aber der Verlag teilte mir mit, dass er nach der Veröffentlichung seines Werkes gestorben ist.
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