Das Buch "Sturz ins Chaos" ist das neuste auf Deutsch erschienene Werk des britisch-pakistanischen Journalisten und Autors Ahmed Rashid. Es behandelt die Entwicklung Afghanistans und Pakistans in den letzten neun Jahren.
Der Autor beginnt mit einer kurzen Darstellung des Taliban-Regimes in Afghanistan und dessen enger Verbindung mit Al-Qaida sowie dem Sturz dieser islamischen Gotteskrieger nach dem "11. September" durch die Nordallianz und die USA. Die Bedeutung des Drogenanbaus am Hindukusch wird ebenso beschrieben wie die Förderung der Warlords durch die Regierung Bush zur Bekämpfung der Taliban. Thematisiert wird auch die Rolle Pakistans, insbesondere des Geheimdienstes ISI und des Militärs. Diese förderten die Taliban auch noch nach deren Sturz in Afghanistan, indem ihnen die pakistanischen Stammesgebiete als Rückzugsraum zur Verfügung gestellt wurden. Als Folge dieser Politik konnten die Taliban sich neu formieren und den Kampf gegen die afghanische Regierung von Hamid Karzai sowie die US- und NATO-Truppen wiederaufnehmen. Außerdem gelang es den Taliban weite Teile der westlichen pakistanischen Provinzen selbst zu übernehmen, um schließlich auch diesen Staat zu destabilisieren. Der späte Versuch der pakistanischen Regierung die islamischen Gotteskrieger im eigenen Land einzudämmen und in verschiedenen Offensiven militärisch zu bekämpfen (wie etwa im Frühjahr 2009 im Swat-Tal), ist ebenfalls ein Thema dieses Buches.
Ahmed Rashid ist ein ausgewiesener Kenner der politischen Verhältnisse in Afghanistan und Pakistan, mit denen er sich bereits seit Jahrzehnten intensiv beschäftigt. Das Buch "Sturz ins Chaos" ist eine präzise und detaillierte Analyse dieser Verhältnisse und der Hintergründe, das dennoch spannend und flüssig zu lesen ist. Nach der Lektüre wird die Rolle Pakistans in diesem Konflikt, aber auch die Unfähigkeit der USA und der übrigen NATO-Staaten (auch Deutschlands) mit Hilfe einer einheitlichen Strategie, Frieden am Hindukusch herzustellen, überaus deutlich.
Wie bereits ein anderer Rezensent geschrieben hat, ist die deutsche Ausgabe gegenüber der englischen um neun Kapitel gekürzt worden. Dafür ist das letzte Kapitel speziell für die deutsche Ausgabe geschrieben worden. Die Kürzung stellt meiner Ansicht nach aber keinen Mangel dar und beeinflusst die Qualität des Buches nicht negativ.
Fazit: Wer ein aktuelles, informatives und gut lesbares Buch zum Thema "Afghanistan und Pakistan" sucht, wird mit "Sturz in Chaos" sicher fündig.