Was den Verantwortlichen der F.A.Z. lange ein Schreckgespinst war, hat sich zum geheimen Liebling gemausert. Die Bildergeschichten von Volker Reiche sind inzwischen so populär, dass der Aufschrei groß war, als die Meldung durchsickerte, Paul & Co. würden ab 2009 nur noch in der Samstagsausgabe ihr Unwesen treiben und den Weltengang kommentieren. Aber was den einen Leid, ist des andern Freud. Denn als Schweizer kaufte ich die drei großen deutschen Zeitungen ohnehin nur am Wochenende. Daran konnte selbst meine Liebe für Comic nichts ändern.
"Strizz, Das siebte Jahr" bietet den Freunden von Volker Reichs Bild- und Sprachkunst alle Folgen von 2008 im A4-Format. Dass diese Sammelbände ab dem fünften Jahr auf Aktengrösse wuchsen, bedauerten vor allem Fans mit knappen häuslichen Platzverhältnissen. Mir waren allzu popelige Darstellungen aber schon zuwider, als meine Mutter - ehemalige Buchhändlerin! - ihren Sohn durch Entsorgen des Comic-Schunds vor intellektueller Verwilderung schützen wollte. Damals glaubte ich auch noch, dass Entenhausen in unserem Nachbarland liegt und Micky Mouse Deutsch spricht. Ein Irrtum, den auch Dr. Erika Fuchs verantwortet, die dem deutschen Comic eine eigene Sprache gab und Volker Reiche bestimmt beeinflusste.
Da sich eine Zeitung wie die F.A.Z. auch für die Beibehaltung oder Steigerung sprachlicher Ausdrucksfähigkeit einsetzt, darf das Vorwort natürlich nicht abfallen. Wer also wieder einmal eine Einleitung lesen möchte, die mehr als nur Pflichtübung, Ritual oder Platzhalter ist, wird am ironisierenden Akademikergeplapper von Rosè-Maria Gropp seine helle Freude haben. So eingestimmt, steht es dann jedem frei, ob er das Jahr nochmals chronologisch Tag für Tag durchlesen und -sehen will, oder ob er seinen Intellekt lieber häppchenweise nähren möchte. Da ich der Portionentyp bin, ließ ich mich von einzelnen Bildern oder vom Zufall leiten. Spaß machen jedenfalls beide Vorgehensarten.
Mein Fazit: Volker Reiche gehört ohne Zweifel zu den deutschen Comiczeichnern, die Vergleiche mit amerikanischen, englischen oder französischen Kollegen nicht zu fürchten brauchen. Daher gelang es ihm, die Kunstform bei Zeitungslesern salonfähig zu machen, die Comic lange Zeit als Werk des Teufels betrachteten und ihren Zeichnern den Untergang des Abendlandes anlasteten. Diese Bekehrten werden am siebten Strizz-Band ebenso Freude haben wie die Jünger der ersten Stunde.