Kerstin von Lingens Buch über SS-General Karl Wolff und den Secret Service ist spannend. Weniger, weil die Arbeit der Autorin so spannend geschrieben wurde (das muss ein wissenschaftliches Buch auch nicht unbedingt sein), sondern weil es sich um eines der spannendsten Kapitel zum Ende des Zweiten Weltkrieges handelt: Die geheimen Verhandlungen um die Kapitulation der deutschen Truppen in Oberitalien zwischen dem amerikanischen Geheimdienst OSS und SS-General Wolff, bekannt geworden als "Operation Sunrise". Lingens geht dabei vor allem der Frage nach, was der Deal "dahinter" war. Garantierten die Amerikaner Wolff Straffreiheit? Oder wollten sie einfach, dass Wolff keine Gelegenheit bekommt, über Sunrise vor einem Gericht zu sprechen? Während Lingens eher der These anhängt, dass es diese Garantie auf Straffreiheit gegeben hat, scheint mir der geschilderte Ablauf im Buch die zweite Theorie zu untermauern.
Zeitweise ist die Geschichte um Wolff sehr ausschweifend. Und noch ein zweites Ärgernis gibt es: Hunderte von Rechtschreibfehlern, teilweise Satzwiederholungen, die auch die Wiederholung von Fußnoten zur Folge haben. Hier hat das Lektorat erbärmliche Arbeit geleistet.
Insgesamt aber für Interessierte an der Thematik ein Muss.