Mit einer brillanten erzählerischen Ingenieursleistung, bei der jede scheinbare Realität sich als Idee erweisen könnte, jede offensichtliche Wahnvorstellung sich nur als die Verklärung einer realen Begebenheit entpuppen läßt, erzählt Self die Lebensgeschichte des dicken Kindes Ian. Vom Abgang des Vaters und einer faden Kindheit auf Mutters Campingplatz, von der Bekanntschaft mit Dem Dicken Kontrolleur und den folgenden Lehrstunden, die schwer an das magische Sektierertum Aleister Crowleys erinnern, schließlich von der Therapie bei Dr. Gyggle, in der Ian seinen Guru als eine verdrehte Vaterprojektion erkennen soll. Und hier geht die Geschichte erst richtig los. Selfs Talent, selbst in den abstrusesten Wendungen den Faden der Geschichte nicht zu verlieren und ihn immer gerade noch an der Vorstellung des Möglichen festzuzurren, sorgt für die Fesselung des Lesers. Self läßt den Leser laufend in die Falle der Täuschung und des Perspektivwechsels tappen, ohne ihn an die Konfusion freizugeben. Denn die Geschichte des Ian Wharton steht auf einem Fundament höchst wirklicher Biografie, und die Katharsis der Grausamkeit, die Ian in einer reich verzierten Version erlebt, ist als "überraschender" Ausbruch von Gewalt Alltag auf diesem Globus. Ein Alltag allerdings, den niemand so recht verstehen will. Denn eigentlich wollen alle Menschen doch nur Spass haben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)