Produkt: DVD (1) / Qualität TOP. Filmtitel: S.O.S. Eisberg
Produktionsland: Deutschland. Premiere: 1933
Mit: Leni Riefenstahl, Ernst Udet, Gustav Diessl, Sepp Rist, Gibson Gowland, Max Holzboer, Walter Riml u. A.
Regie: Arnold Fanck
Musik: Paul Dessau (schöne Orchestermusik sehr treffend die romantisch-dramatische Abenteuerstimmung)
Kamera: Richard Angst, Hans Schneeberger
Flugaufnahmen: Ernst Udet
Wissenschaftliche Beratung: Ernst Sorge und Fritz Loewe (zwei international renommierte Polarforscher und Glaziologen)
Ton: gut. Bild: gut / SW / 4:3 / Originalformat.
Sprache: deutsch. Synchronisation: keine. Untertitel: deutsch
Filmlänge: 86 Minuten (Originallänge)
Genre: Abenteuerfilm
Specials: keine
Die fiktive Geschichte spielt sich im Jahre 1920 ab.
Der 5. April, 1920 ist der 187-ste Tag, den Professor Lorenz in seiner mit Eis belegten Steinhütte neben dem Karajak-Gletscher verbringt, dem höchsten Gletscherrand der Welt, am Ufer eines Fjordes. Er schreibt in sein Tagebuch: Was noch nie ein weißer Mensch gesehen hat: die Geburtsstunde eines Eisberges. Man sieht die riesigen Eisfelsen brechen und ins Meer krachen (Kalben der Gletscher). Das kann Professor Lorenz aus sicherer Entfernung beobachten, wo er seine Hütte aufgebaut hat. Die Filmaufnahmen beginnen also mit diesen dokumentarisch schönen Bildern und setzen fort mit der Beobachtung eines Seehundes und eines Polarbären. Von daher ist der Film schon allein von seinem dokumentarischen Inhalt her sehenswert.
Professor Lorenz ist nach einer mißlungenen Grönland-Expedition verschollen und wird gemeinhin für tot betrachtet. Als aber eine Eintragung auf einem Holzbrett gefunden wird, auf dem er seine Position an der Küste Nordgrönlands angab und darum bat, seine Tagebücher zu retten, wird ein Rettungsquartett nach Grönland entsandt.
Historischer Hintergrund:
Die authentischen Aufnahmen auf Grönland konnten stattfinden, weil die dänische Regierung die Erlaubnis zur Betretung der Insel erteilte, unter der Bedingung, dass es sich bei dem Projekt um eine wissenschaftliche Expedition handelte. Das Spielfilmprojekt wurde daher als reine wissenschaftliche Expedition getarnt.
Das Filmteam bestand aus Filmfachleuten und den beiden echten Polarforschern und Glaziologen Ernst Sorge und Fritz Loewe, der ein Jude war. Diese Beiden hatten in der Tat 1929 und 1930/31 zwei Expeditionen unter der Führung Alfred Wegeners auf Grönland unternommen. Bei der letzteren verlor Fritz Loewe infolge Erfrierung und der darauffolgenden, unumgänglichen Amputation mit einer Blechschere alle zehn Zehen. Alfred Wegener kam ums Leben. Mitten in Grönland (Eismitte) überwinterten Fritz Loewe, Ernst Sorge und Johannes Georgi in einer Firnhöhle und schliefen in Schlafsäcken. Am 7. Mai, 1931 erst wurden sie von einem Propellerschlitten erreicht und damit gerettet. Während des Aufenthaltes in der Firnhöhle führten sie wissenschaftliche Messungen durch. Johannes Georgi schrieb seine Erfahrungen nieder in dem Buch: Im Eis vergraben. Fritz Loewe verlor als Jude im Jahre 1934 seine Anstellung und verbrachte nach der Denunzierung seitens Ernst Sorge einen Monat in Haft. Er emigrierte daraufhin nach England und später nach Australien, wo er seine wissenschaftlichen Arbeiten erfolgreich fortsetzte.
Den Karajak-Gletscher gibt es wirklich.
Zum Film zurück: Das Rettungsteam findet nach dem Winter eine verlassene Steinhütte vor. Lorenz hinterließ seine Tagebücher und eine Benachrichtigung, dass er vier Tage zuvor auf einem Eisberg versuchen wolle, eine Inuit-Siedlung am anderen Ufer des Fjordes zu erreichen. Die vier Männer kämpfen sich von Scholle zu Scholle, um Lorenz ausfindig zu machen. Die Szenen auf den Schollen sind interessant und spannend. Auch ein Schlittenhund ist dabei. Ein Polarbär wandert ebenfalls auf einer benachbarten Scholle und beobachtet neugierig die Fremdlinge. Sie untersuchen einen riesigen Eisberg, auf dem sich jedoch auch der Polarbär einfindet, der jedoch mit Eisbällen vertrieben werden kann. Als einer der Männer auf den Gipfel des Eisbergs klettert, entdeckt er eine Höhle und darin den vermissten Lorenz, der ansprechbar ist.
Selbstverständlich gibt es im Film viel Unlogik, die man jedoch freiherzig vergeben darf. Schnell wird ein Zelt aufgebaut, ein Funkgerät aktiviert, obwohl die vier Helden zuvor auf den Eisschollen ohne irgend etwas herumgehüpft sind. Aufgrund der sicher schwierigen Drehbedingungen im äußerst unwirtlichen, gefährlichen und unbequemen Gelände kann man diese Ungereimtheiten getrost übersehen, um sich dem visuell-naiven Abenteuergenuß hinzugeben.
Es war in den frühen Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts noch die Phase, als der National Sozialismus seine hässliche Fratze noch nicht gezeigt hatte und die internationalen Funkstationen einander unterstützten. Ein Symbol für die friedliche Verständigung und Kooperation der Völker, als Zeichen für eine friedliche Koexistenz, die sein hätte können, wenn sich der NS-Staat in den folgenden Jahren nicht zu einem alles verschlingenden Monster aufgeplustert hätte.
Die Flugaufnahmen von Horst Udet sind sehenswert, die gleissenden Eisschollen im Sonnenlicht märchenhaft. Die Eisbären sind hungrig, die Eisberge brüchig. Alles kracht und bewegt sich gefährlich unter der wärmenden Sonne. Die Menschen unwesentliche Elemente im Tönen der Gewalten, sich gehörig anstrengend, um ihr Leben zu retten. Leni Riefenstahl war eine schöne, deutsche Frau, charismatisch, intelligent und mutig. Was nachher kam, ist Geschichte. Schöne und ursprüngliche Inuit im Finale zu sehen als Dokument einer faszinierenden Ethnie. Sehenswert die Kajakfahrt einer großen Gruppe von Inuit aus mehreren Kameraperspektiven.
Für die damalige Zeit ein toller Abenteuerfilm mit semidokumentarischem Charakter und gerade darum gut. Ein sehenswerter Film.