Die hilfreichsten Kundenrezensionen
770 von 892 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Missverständnisse, 9. April 2010
In den vorangegangenen Kritiken ist bereits eine Menge über den Inhalt von "District 9" gesagt worden, deshalb möchte ich mir das sparen und stattdessen auf die Form eingehen, denn diese hat Anlass zu Missverständnissen gegeben, die zu den schärfsten Meinungsverschiedenheiten in diesem Forum geführt haben. Dass eine Geschichte davon lebt, dass der Zuschauer oder Leser (im Fachjargon "Rezipient" genannt) sich auf sie einlässt, ist eine Binsenweisheit. Nicht ganz so selbstverständlich ist vielleicht, dass es neben guten Gründen, dem Erzähler (oder Regisseur) nicht zu folgen auch schlechte gibt, auf die sich zu stützen, den Konsumenten vom Rezipienten unterscheidet. Dies festzustellen ist kein Zeichen der Häme, sondern eine Unterscheidung, die für die Wirkung der Form entscheidend ist. Zu den guten Gründen, einer Geschichte nicht zu folgen, zählen: -- Plausibilitätslücken (nicht "Logiklöcher", wie einige Vor-Rezensenten reklamierten; wer von einer Geschichte, bei der gleich zu Beginn ein riesiges Raumschiff über einer irdischen Großstadt schwebt, durchgängige Logik erwartet, ist zweifellos im falschen Film). -- schlechte Machart (z. B. Pappmaché-Ungeheuer, die an Drähten hängen, Zaubertricks, die leicht zu durchschauen sind, fehlerhafte Ausstattung usw.). -- langweilige Geschichte (öde Charaktere, die öde Dinge tun oder sagen, aber auch absurde Charaktere, die absurde Dinge tun.) -- schlechte Dialoge (gestelztes Gerede, umständliche Erklärungen, die dem Handlungsverlauf im Nachhinein Sinn verleihen sollen, ideologisches Getöse usw.) "District 9", um das gleich klarzustellen, leistet sich keinen dieser Fehler. Die Geschichte ist plausibel aufgebaut und straff erzählt, die Tricks sind angenehm in die Szenen integriert und versuchen einen nicht zu erschlagen (wie bei den meisten Sci-Fi-Blockbustern der letzten Jahre), die Handlung ist spannend und die Dialoge dienen ihr und versuchen nicht etwas zu suggerieren, was die Story nicht hergibt. Woraus resultiert dann aber die doch relativ breite Ablehnung? Nun, aus den oben genannten Missverständnissen. Und hier muss ich, so leid es mir tut, den Film auch gegen seine Verteidiger in Schutz nehmen: "District 9" ist keine Parabel über den Rassismus. -- Eine Parabel ist ein Gleichnis mit lehrhaftem Inhalt, das allgemein anerkannte ethische und moralische Wahrheiten verdeutlichen will. Wer wissen will, wie eine Parabel funktioniert, lese im Neuen Testament nach (alternativ ließe sich auch die berühmte Ringparabel aus Lessings "Nathan der Weise" anführen, und wem beides zu altmodisch oder religiös ist, dem empfehle ich Bert Brecht). Eigentlich macht es "District 9" einem sehr leicht, seine Form zu erkennen. In den ersten Minuten wird nämlich in einem quasi-dokumentarischen Aufriss die Vorgeschichte erzählt: Außerirdische sind in Johannesburg, Südafrika gelandet. Dazu sieht man in der Eingangssequenz ein riesiges Raumschiff über der Stadt schweben (wer da nicht sofort an Roland Emmerichs "Independence Day" denkt, kann sich kaum als Kenner von Science-Fiction-Filmen bezeichnen). Weitere Hinweise bieten die enthusiastischen Kommentare der Protagonisten, die sich überrascht und (anfangs) erfreut geben, dass die Fremden nicht New York oder eine andere Weltmetropole angesteuert haben, sondern eben ihre Stadt im südlichen Afrika. Damit ist von Anfang an klar, dass es sich bei "District 9" um eine Parodie handelt. Da wir uns aber in Deutschland befinden, sind vielleicht doch einige Worte der Erklärung nötig: Eine Parodie zeichnet sich nicht dadurch aus, dass zappelige Schauspieler Grimassen schneiden und alberne Dinge tun. Vielmehr greift sie Genre-Konventionen auf, um durch Übertreibung etwas zu zeigen. Es gibt also eine absichtsvolle Diskrepanz zwischen Inhalt und Form, und das ist genau der Punkt, wo sich Konsumenten von Rezipienten scheiden: Erstere erwarten nämlich die Erfüllung der Konvention, d. h. sobald ein parodistisches Element auftaucht, steigen sie aus der Geschichte aus. Der Trick, der aus "District 9" einen der intelligentesten Science-Fiction-Filme der letzen Jahre macht, ist, dass es sich nicht um eine platte Genre-Parodie handelt, sondern dass mit den Mitteln der Parodie die Dummheit des Rassismus vorgeführt wird. Beispiele: Schwarze und Weiße ereifern sich gleichermaßen über das unterirdische Verhalten der Fremden -- das ist komisch! Auch der Hauptdarsteller, ein kleiner Angestellter, der zuerst eifriger Erfüllungsgehilfe der Unterdrücker ist, um nach dem Zwischenfall, der ihn allmählich in einen der Außerirdischen verwandelt, am eigenen Leibe zu erfahren, was es heißt, verfolgt und gedemütigt zu werden, ist ein tragikomischer Antiheld. Der Film liefert keine moralinsaure Verurteilung der Apartheit, sondern ein erfrischendes, ironisches Selbstporträt eines Landes, das sie überwunden hat, und das der Welt zuruft: "Seht her, wir sind nicht mehr der moralische Fußabtreter für Euch! Wir sind nicht besser, aber auch nicht schlechter als Ihr!" Das sollte uns durchaus ein wenig Aufmerksamkeit und Aufgeschlossenheit wert sein.
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121 von 158 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
DER Sci-Fi-Film des Jahres, 14. Dezember 2009
District 9 war für mich die Überraschung des Jahres 2009. Keine vordergründige Effekt-Orgie sondern eine Produktion, der es, trotz massivem SFX-Einsatz, erstrangig um den Inhalt geht. Neill Blomkamp rekalibriert das Genre auf seine eigentlichen Stärken: Reale Zu- bzw. Missstände mit Hilfe einer fiktiven Handlung zu thematisieren. In diesem Fall Arpartheid, Guantánamo, Fremdenhass, Umgang mit Minderheiten sowie ein Staatsapparat, der sich rücksichtslos kriminellster Methoden bedient. Wann hat uns denn das letzte Mal ein Sci-Fi derart schonungslos unsere menschlichen Unzulänglichkeiten um die Ohren gehauen? Wie wär's mit "Planet der Affen" (1968), "Der Omega-Mann" (1971, als "I Am Legend" 2007 ganz passabel remaked) oder "Soylent Green" (1973)? Interessanterweise alle 3 mit Charlton Heston... aber viel mehr gibt's auch nicht - wem noch was einfällt, kann ja einen Kommentar posten. Gekonnt setzt Neill Blomkamp den - mittlerweile schon etwas abgegriffenen - pseudo-dokumentarischem Stil ein und das weitaus besser und konsequenter als in Blair Wich Projekt oder Cloverfield. Lediglich der spanische Film ['REC] kann an diesem Punkt mithalten - für mich nach wie vor der beste Pseudo-Doku-Schocker. Und wie in allen Pseudo-Dokus bleibt auch in D9 vieles im Unklaren. Ich persönlich mag das, kann aber auch verstehen, dass sich manch eine/r damit unwohl fühlt, die Hintergründe einer Filmhandlung nicht vollständig serviert zu bekommen. D9 ist kein Mainstream-Kino und doch bedient er sich einiger Mainstream-Zutaten: Perfekte SFX (Neill Blomkamp ist Fachmann auf diesem Gebiet), aber meistens treten die FX hinter die Story zurück - so sollte es sein! Und natürlich Action... in der zweiten Hälfte des Films geht es richtig ab - aber, wie ich finde nicht selbstzweckhaft, sondern konsequent im Sinne der Handlung: Das Tempo erhöht sich, der Druck auf die Protagonisten steigt - und deren verzweifelte Bemühungen der Lage Herr zu werden treibt die Dramatik des Films weiter an. Toller Spannungsbogen. Fazit: Blomkamp schafft mit seinem Erstling einen erstaunlichen Spagat zwischen Sci-Fi und Polit-Thriller, Drama und Satire, Action und Doku-Style und würzt diese atemberaubende Mischung mit State-Of-The-Art SFX und einer Thematik wie man sie seit langem nicht mehr im Sci-Fi-Gewand zu sehen bekam - - - absolut Sehenswert! ---------------- Nachtrag 16.05.2010 Ich bin nun stolzer Besitzer der District 9 - Limited Steelbook Edition. Bild und Tonqualität sind herausragend. Die HD-Anteile des Films sehen perfekt aus - aufgrund des Doku-Styles wird der Betrachter halt auch mit Camcorder- und Analog-TV-Qualität konfrontiert. Der Ton ist sehr räumlich gemischt - sogar der Stereo-Mix. Das Design des Menus ist gelungen und die Extras sind üppig. Mein Tipp: Schaut Euch die Deleted Scenes an - hier kann man noch tiefer in die Welt von D9 abtauchen - ein absolutes Muss für diejenigen, denen die eigentliche Botschaft des Films aufgefallen ist... Fazit: Auch auf Blu-ray absolut empfehlenswert - ganz besonders in der Limited Steelbook Edition. Abspielgeräte: Sony BDP-S760 Sharp Aquos LC-40LE700E
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71 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
DER Überraschungshit. MUSS man gesehen haben!, 12. September 2009
Rezension bezieht sich auf: SONY PICTURES District 9 [DVD] (DVD)
Anmerkung: Diese Bewertung basiert auf der deutschen Kinoversion, die sich aber außer der Sprache wohl kaum von der englischen Version unterscheiden wird. Habe erst 2 Wochen vor dem Filmstart einen kleinen Artikel in einer Fernsehzeitung gelesen, der mich sofort für den Filmbesuch begeistern konnte. Die Kritiken waren sehr gut. Auch ich war nach dem Kinobesuch begeistert. Fakten, Fakten, Fakten - Präsentiert von Peter Jackson - Sciene-Fiction-Action-Splatter-Thriller mit einer Priese schwarzem Humor - Mitten-drin-Gefühl durch professionelle Handkamera-Führung im Dokumentarfilmstil - realistische und nachvollziehbare Handlung - superbe Spezialeffekte - äußerst brutal und schonungslos, nur für Erwachsene - es gibt kein Gut oder Böse, Aliens und Menschen sind auf Augenhöhe - viele Filmszenen brennen sich regelrecht ins Gedächtnis, so schockierend und faszinierend - kein Patriotismus Gedöns - Actionreiches Filmende - viel schwarzer Humor - längere Spieldauer Worum geht es? Ein Alienschiff bleibt über Johannisburg stehen. Nichts tut sich. Bald dringen Menschen in das Schiff ein und finden tausende von abgehungerten Aliens auf. Diese werden in ein abgesperrtes Gebiet verlegt, District 9, ein Slum ohne Regeln. Als die Bevölkerung druckt macht übernimmt die MNU das Kommando, ein weltweiter Rüstungskonzern, der alles im Sinn hat, aber nicht das wohl der Aliens. Die hoch technologischen Waffen der Aliens können nur bei Kontakt mir Alien DNA aktiviert werden, bei Menschen sind sie unwirksam. Als District 9 geräumt werden soll um die Aliens an einen neuen Ort zu transportieren, infiziert sich der Chef der MNU mit Alien DNA und mutiert seitdem. Halb Mensch, halb Alien, flüchtet dieser vor der MNU, die Tod und Teufel in Bewegung setzen, um diesen 'Milliardenschweren-Durchbruch' in die Hände zu bekommen und für sich zu nutzen. Dabei gerät der Infizierte zwischen die Fronten, in der sich Gut und Böse nicht mehr unterscheiden lassen. Denn auch die Aliens haben bereits Pläne, wie sie ihr Mutterschiff wieder Abflugbereit machen können. Der Film ist für dich geeignet, wenn ... - du ein Fan von Sciene Fiction-Action-Alien-Thrillern bist - schon Cloverfield dich begeistert hat - du mal eine neue Machart von Film erleben möchtest - CGI verwöhnt bist - über schwarzen Humor lachen kannst - dir üble Folter- und Splatterszenen nichts ausmachen - du den ganzen Patriotismus-Quatsch satt hast - brachiale Alienwummen in Aktion erleben möchtest - Call of Duty 4 zu deinen Lieblingsgames zählt - Blood Diamond dir super gefallen hat Der Film wird dir nicht gefallen, wenn ... - Cloverfield nur deine kostbare Zeit gestohlen hat - du Independece Day 2 erwartet hast - du bei Horrorfilmen ständig die Bettdecke über den Kopf ziehst - riesige Massenschlachten erwartet hast Meine persönliche Meinung Der Stil von District 9 hat mich sofort in seinen Bann gezogen und Lust auf mehr gemacht. Die Handlung im Dokumentarfilm zu erzählen ist super und hat mich schon bei Cloverfield in seinen Bann gezogen. Zum Glück ist hier die Kameraführung aber weitaus professioneller und ruhiger. Überrascht war ich von der derben Brutalität des Filmes. Ich hatte gedacht der Film hätte eine FSK 16. Aber selbst FSK 18 ist noch gut gemeint, so oft wie Menschen in tausend Stücke zerfliegen, der Hauptprotagonist Hautfetzen von sich reißt und Aliens für Experimente ... ekelhaft. Das soll aber keinesfalls von einer löchrigen Handlung ablenken, ganz im Gegenteil. Die Geschichte ist authentisch und nachvollziehbar, soweit das bei Aliens natürlich geht. Ständig passiert etwas, der Zuschauer wird von einer brillanten Szene in die nächste gehetzt, ohne zu überfordern. Ich saß gespannt vor der Großleinwand und wollte unbedingt wissen wie es weiter geht. Vorhersehbar war dieser Film nämlich überhaupt nicht. Und als dann gegen Ende die fetten Alienwummen gezückt worden sind, ging der Spaß erst so richtig los. Aber alles gut dosiert und kein /1 Std.-Action-Kawumm Finale/, wie z.B. in Transformers 2. Super war auch das es kein Gut oder Böse gab. Die Menschen sind äußerst fiese Typen, aber auch die Aliens sind wenig zimperlich. Aber auch die guten Seiten beider Parteien kommen passend zum Einsatz, so dass der Zuschauer mit beiden Parteien mitfühlt. Peter Jackson ist mit diesem Film ein superber Genremix gelungen, inspiriert von Cloverfield und schonungslos wie Blood Diamond. Wie immer geht es auch hier nur wieder um jede Menge Geld und Macht, Verluste und Folter werden akzeptiert. Ein Film der fasziniert, schockiert und so schnell nicht in Vergessenheit gerät.
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