Im Jahr 2002 habe ich einen Freund besucht, der in der Entwicklungshilfe in Ruanda arbeitete. Seitdem habe ich mit diesem schönen Land und seiner tragischen Geschichte auseinandergesetzt.
"Sometimes in April" beleuchtet in meisterhafter Weise die Hintergründe und die Geschichte des Völkermordes in Ruanda im Jahr 1994. Durch die Geschichte des Lehrers Augustin und seiner Familie, bekommt man einen emotionalen Zugang zu den Geschehnissen und beginnt gleichwohl das Grauen und die Unbegreiflichkeit dieser Massaker zu erahnen.
In den Familienverhältnissen der Protagonisten zeigt der Film, dass die ethnischen Konflikte quer durch die Familien gehen, was der ruandischen Realität entspricht. Augustins Frau ist eine Tutsi, sein Bruder gehört als Journalist zu denjenigen, die per Radio, die Hutu-Bevölkerung aufwiegeln.
Gleichzeitig ist der Charakter des Journalisten Honore nicht eindimensional negativ gezeichnet. Er versucht die Frau und die Kinder seines Bruders zu retten, scheitert aber.
Durch die wiederkehrenden Szenen aus dem Washingtoner Aussenministerium wird die Tatenlosigkeit und das Wegesehen der US-Politik und der Völkergemeinschaft verdeutlicht. Man wusste was geschieht, aber internationale Gemeinschaft griff nicht ein. In einem Telefonat zwischen einer US-Diplomatin und einem General der ruandischen Armee wird das erschreckend deutlich. Der General sagt (sinngemäss): "Sie werden nicht eingreifen. Es gibt hier kein Öl, keine Bodenschätze, nichts was sie interessiert...Sie werden nicht eingreifen."
Die Geschichte wird in Rückblenden erzählt, wodurch die Problematik und das Trauma des heutigen Ruanda deutlich wird. Die Menschen müssen mit den schrecklichen Geschehnissen weiterleben. Mit dem Verlust von Angehörigen, mit der Erfahrung, dass Täter vergleichsweise milde bestraft werden oder ungeschoren davon kommen, mit der Realität, dass Opfer und Mittäter des Genozids in einem kleinen Land auf engstem Raum zusammenleben müssen.
"Sometimes in April" ist ein Meisterwerk. Ein kleines Juwel. Es ist zu wünschen, dass dieser Film ähnliche Beachtung findet, wie der bekanntere Film "Hotel Ruanda".
Wer verstehen möchte, was geschehen ist, ist mit diesem Film bestens bedient. Ein Film, den man auch sehr gut in Bildungsinstitutionen einsetzen kann, die sich mit dieser Thematik beschäfigen.
Schwachpunkte gibt es so gut wie keine. Einzig, dass bei der internationalen Politik nur die USA gezeigt werden und das Verhalten von UN und europäischen Staaten wie Belgien und Frankreich nur am Rande erwähnt wird, mag man bedauern.
Aber das gegenüber dem exzellenten Gesamtbild kaum ins Gewicht.
Deshalb 5 Sterne.